Laut den Aefu und dem WWF Oberwallis transportierten 2013 Lastwagen während neun Monaten mehrere tausend Tonnen Aushubmaterial von der Autobahn-A9-Baustelle Baltschieder bei Visp auf die Deponie Goler bei Raron.

Und dies sei ohne vorgängige Kontrolle auf Quecksilber geschehen, das später auf dieser Baustelle in extremen Konzentrationen ans Licht gekommen sei, kritisieren die beiden Organisationen am Dienstag in einer Mitteilung. Deshalb sei die Wahrscheinlichkeit gross, dass beträchtliche Mengen des giftigen Schwermetalls auf der Deponie gelandet seien.

Behörden sollen Material kontrollieren

Dies gefährde nicht nur die Arbeiter auf den Baustellen, sondern auch das Personal auf den Deponien und die Anwohner. Auf der Deponie Goler, die für den Ausbruch des Lötschbergtunnels der «Neuen Eisenbahn Alpentransversale» (NEAT) gebaut wurde, dürfte laut Aefu und WWF nur sauberes Aushubmaterial abgelagert werden.

Aefu und der WWF Oberwallis verlangen nun vom Kanton Wallis, dass das dort abgelagerte Material kontrolliert und bei einer Quecksilber-Kontamination wieder entfernt wird.

Das Walliser Amt für Umweltschutz bestätigte auf Anfrage der Nachrichtenagentur sda, dass 2013 Transporte stattgefunden hätten, ohne allerdings die genaue Menge an Aushubmaterial beziffern zu können, die zur Deponie gebracht wurde. Eine Verschmutzung der Deponie sei "nicht komplett ausgeschlossen", räumte das Amt ein.

Untersuchung im Gang

Ende Januar 2014 hatte der Kanton Wallis rund um die Baustelle Baltschieder Boden-Proben genommen. Dabei hatte sich gezeigt, dass sich der Quecksilber-Gehalt zwischen 380 bis 3070 Milligramm pro Kilogramm Erde bewegte. Seither sei das ausgehobene Material systematisch analysiert und beseitigt worden, betont das Amt für Umweltschutz.

Was die Forderung der Aefu und des WWF nach einer Kontrolle bei der Deponie Goler betreffe, sei bereits eine Untersuchung im Gang, hiess es weiter. Sollte sich herausstellen, dass dort verschmutztes Material gelagert worden sei, werde der Kanton die nötigen Massnahmen treffen.

Der Basler Chemiekonzern Lonza verwendete in seinem Werk Visp während Jahrzehnten Quecksilber zur Herstellung von Acetaldehyd, Vinylchlorid und Chlorgas.

Es wird geschätzt, dass die Lonza zwischen 1930 und 1970 Dutzende von Tonnen des giftigen Schwermetalls mit dem Abwasser via Grossgrundkanal in die Rhone und in den Genfersee leitete. Die Verschmutzung betrifft auch die Landwirtschaft und die bewohnten Zonen in der Umgebung von Visp.