Wohnungswesen

Viele Wege gegen die Wohnungsnot: Die verschiedenen Strategien der Kantone

Bund und Kantone sollen mehr gegen die Wohnungsnot in Zentren und Agglomerationen machen, fordern die Initianten (Symbolbild).

Bund und Kantone sollen mehr gegen die Wohnungsnot in Zentren und Agglomerationen machen, fordern die Initianten (Symbolbild).

Von Pionieren bis Neulingen: So unterschiedlich kämpfen die Kantone für soziale Durchmischung in Zentren.

Bekannt ist Wohnungsknappheit als Problem der Grossstädte. Aber nicht nur: Auch kleinere Gemeinden überlegen sich Eingriffe in den Wohnungsmarkt, um eine soziale Durchmischung trotz steigender Preise zu erreichen.

Meist sind es Ortschaften im Umfeld grosser Ballungszentren: Horw etwa, Muttenz, Stäfa, Zug. Aber auch hochtouristische Orte wie St. Moritz kämpfen dagegen an, wie der Markt das Stadtgefüge bestimmt. «Die Lage präsentiert sich regional unterschiedlich», sagt Martin Tschirren vom Schweizerischen Städteverband. Nach und nach sei das Wohnungswesen zum generellen Problem der Städte geworden. «Ziel ist, dass guter und erschwinglicher Wohnraum für die ganze Bevölkerung zur Verfügung steht.»

Es ist deshalb nicht ganz einfach, den Überblick zu behalten: Manches wird auf Gemeinde-, einiges auf Kantonsebene geregelt. Dabei gibt es grosse Unterschiede, wenngleich viele auf die Unterstützung von Genossenschaften setzen. Neun Kantone verfügen über ein eigenes Förderprogramm, hier die Übersicht:

Genf kennt Wohnförderprogramme seit den 70ern. Massnahmen reichen heute von der Bodenabgabe im Baurecht über Steuererleichterungen für Genossenschaften bis zu einem Geldtopf, den der Kanton jährlich mit 35 Millionen Franken äufnet – bis der Anteil von Wohnungen mit Mietobergrenze 20 Prozent beträgt. Daneben liefert der Staat Mietzinszuschüsse.

Nicht ganz so grosszügig zeigt sich der Kanton Neuenburg. Er steuert den genossenschaftlichen Wohnungsbau über Bodenabgaben sowie Darlehen und Bürgschaften. 2014 beschloss das Parlament einen Rahmenkredit von zusätzlichen 18 Millionen Franken zur Wohnraumförderung. Das Wallis richtet sein Förderprogramm auf die Berggemeinden aus. Natürliche Personen können A-fonds-perdu-Beiträge geltend machen, juristische Personen können Darlehen mit tiefen Zinsen beantragen. Bislang hat nur ein Bauträger von einem Darlehen profitiert.

Spitzenreiter im Bereich des genossenschaftlichen Wohnens ist Zürich. Genossenschafter profitieren von zinslosen Darlehen bei Neubau oder Gesamterneuerung (20 Jahre Laufzeit) und Erwerb (10 Jahre). Die Stadt hat das kantonale Programm ausgebaut; heute ist jede vierte Wohnung in Zürich gemeinnützig strukturiert. Das neue Ziel lautet nach einer Abstimmung 2011 ein Drittel.

Der vergangene Juni markiert einen Wendepunkt in der Wohnpolitik von Basel-Stadt: Das Stimmvolk schrieb das «Recht auf Wohnen» gleich in die Verfassung. Wie umgesetzt wird, dass jeder Bewohner Anspruch auf eine bezahlbare Wohnung geltend machen kann, steht noch aus. Dabei zahlt Basel-Stadt schon jetzt hohe Summen in Form von Familienmietzinsbeiträgen, übernimmt Beratungen für Genossenschaften und stellt Land im Baurecht zur Verfügung. Die sogenannte Subjekthilfe, also finanzielle Zuwendung an Bedürftige, kennt auch der Kanton Waadt. Daneben sieht das kantonale Förderprogramm fixe Beiträge an genossenschaftliche Bauträger während maximal 15 Jahren vor. Diese dienen dazu, die Mieten zu senken und werden nicht zurückerstattet. Baselland kennt dies seit 2011. Geknüpft sind Beiträge an Bedingungen, etwa zum Energiestandard der Gebäude.

Eine Besonderheit des Zuger Modells ist, dass sich das Angebot nicht nur an Genossenschaften richtet. Auch wenn hauptsächlich sie es sind, die davon Gebrauch machen. Zug spricht Beiträge zur Verbilligung der Mietzinse und gewährt Darlehen mit Laufzeiten von bis zu zwanzig Jahren. Erst im vergangenen Jahr hat das Stimmvolk von Nidwalden einem Förderprogramm zugestimmt, die Umsetzung gedeiht erst noch.

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