Wahlen 2019

Von 25 auf 0 Prozent: Im Wallis haben die Frauen keinen Stich

Die gewählten Walliser Nationalräte: (obere Reihe von links) Jean-Luc Addor (bisher), SVP; Philipp Matthias Bregy (bisher), CVP; Christophe Clivaz (bisher), Grüne. (untere Reihe von links) Sidney Kamerzin (neu), CVP; Philippe Nantermod (bisher), FDP; Mathias Reynard (bisher).

Die gewählten Walliser Nationalräte: (obere Reihe von links) Jean-Luc Addor (bisher), SVP; Philipp Matthias Bregy (bisher), CVP; Christophe Clivaz (bisher), Grüne. (untere Reihe von links) Sidney Kamerzin (neu), CVP; Philippe Nantermod (bisher), FDP; Mathias Reynard (bisher).

Die Frauen haben die 40 Prozent-Hürde geknackt. Noch nie zuvor wurden so viele Kandidatinnen gewählt wie am vergangenen nationalen Wahlsonntag. Nur das Wallis schert aus.

Die ganze Schweiz wählt mehr Frauen. Die ganze Schweiz? Nein! Ein von unbeugsamen Männern bevölkerter Kanton, hört nicht auf, den Frauen Widerstand zu leisten! Etwa so müsste ein Asterix-Comic beginnen, würden die Gallier im Wallis wohnen. Denn während der Frauenanteil im Nationalrat insgesamt auf 42 Prozent angestiegen ist, ist die Quote im Wallis auf null gesunken.

Insgesamt stellt der zweisprachige Kanton acht Nationalräte. Acht Sitze, acht Männer — so lautet die Bilanz nach diesen Wahlen. Zuvor waren zwei von Frauen besetzt gewesen: Viola Amherd (CVP) und Géraldine Marchand-Balet. Während Erstere aber vergangenen Dezember zur Bundesrätin gewählt wurde und im Nationalrat von einem Mann ersetzt wurde, verzichtete Letztere darauf, erneut anzutreten.

Dennoch standen die Vorzeichen eigentlich gut für die Walliser Frauen. Auf vielen Partei-Listen waren dieses Jahr doppelt so viele weibliche Namen im Vergleich zu 2015. Umso grösser ist nun die Enttäuschung. «Es ist frustrierend», sagt Beatrice Kalbermatten, Präsidentin der CVP Frauen Oberwallis. Auf Gemeinde-Ebene sei vieles in Bewegung, die Frauen auf dem Vormarsch. «Aber weiter oben wird es für sie schwierig.»

Zum Teil müssten sich die Frauen selber an der Nase nehmen, meint Kalbermatten. Viele sollten forscher ans Werk zu gehen und nicht darauf warten, dass die Männer ihnen den roten Teppich ausrollen. «Denn das wird nicht geschehen.» Gleichzeitig fordert sie die Walliser Politiker auf, sich nicht an jedes Amt zu klammern und dem Fortschritt Platz zu lassen.

Das Wallis sei aber nun mal in vieler Hinsicht ein Ausnahmekanton. «Wir sind und bleiben ein Bergkanton.» Andere Kantone seien bei der Frauen-Repräsentation meilenweit voraus. Kalbermatten hofft, dass in vier Jahren die Bilanz besser aussieht — und auf die aktuelle Chance der CVP im Ständerat: Marianne Maret hat im ersten Wahlgang am zweitmeisten Stimmen gesammelt.

Zudem bleibt als kleiner Trost, dass man nicht alleine ist. Appenzell-Ausserrhoden und Nidwalden stellen derzeit ebenfalls keine Frau, allerdings haben sie nur je einen Sitz zu vergeben. Appenzell-Innerrhoden und Glarus haben sogar noch nie eine Frau ins Bundeshaus geschickt.

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