Wochenkommentar

Von Greta bis zur SVP: Jeden Tag ist Weltuntergang – es nervt!

Ist die Welt noch zu retten? Apokalyptiker haben Hochkonjunktur.

Ist die Welt noch zu retten? Apokalyptiker haben Hochkonjunktur.

Politiker und Aktivistinnen bewirtschaften die Ängste der Menschen für ihre Zwecke. So viel Pessimismus ist schwer zu ertragen – und zielt an der Realität vorbei. Der Wochenkommentar.

Als wäre es nicht schon genug gewesen, brach diese Woche auch noch das Corona-Virus aus. Zwar weit weg, in China, aber bereits in der Ausbreitung begriffen. Noch ein Grund, den nahenden Weltuntergang zu beschwören!

Das Jahr 2020, das eben erst begonnen hat, bietet allerhand Stoff für Apokalyptiker. Nach der Tötung des iranischen Generals Soleimani durch die USA machte in den sozialen Medien das Wort vom «Dritten Weltkrieg» die Runde. Und die Aktivisten der Klimabewegung rufen ohnehin jeden Tag dazu auf, in Panik zu geraten, weil sonst niemand etwas tut gegen die Treibhausgase. Schwarzmalen hüben wie drüben, es gibt kein Entrinnen. Müsste man sich da nicht gleich aus dem Fenster stürzen?

Wenn junge, engagierte Menschen radikal sind, dann ist dagegen nichts einzuwenden. Das gehört zum Erwachsenwerden. Irritierend ist hingegen, wenn gestandene Politikerinnen und Politiker in den Panikmodus schalten. Deutschlands Bundeskanzlerin Angela Merkel sagte diese Woche in Davos:

Bundespräsidentin Simonetta Sommaruga, die das Weltwirtschaftsforum eröffnete, klang noch alarmistischer: «Die Welt brennt», zitierte sie den UNO-Generalsekretär, und gab ihm recht. Teile Australiens brennen, aber die ganze Welt?

Grüne können’s ebenso gut wie die SVP

Es entbehrte nicht einer gewissen Ironie, dass es US-Präsident Donald Trump war, der auf der Davoser Bühne den Optimisten gab und die Klimapessimisten geisselte. Ausgerechnet er, der vor vier Jahren mit apokalyptischer Rhetorik den Wahlkampf aufheizte und die Angst der Amerikaner beschwor, wirtschaftlich und militärisch zugrunde zu gehen. Es sei denn, er würde zum Präsidenten gewählt, um Amerika «wieder gross» zu machen.

Angst ist eines der stärksten menschlichen Gefühle, und Politiker von links bis rechts machen es sich zunutze, insbesondere an den Polen. Die Grünen bewirtschaften die Angst vor dem Umweltkollaps, die SVP die Angst vor dem Fremden.

Gerade hängt die Volkspartei wieder finstere Plakate auf, um für ihre Begrenzungsinitiative zu werben: Eine rabenschwarze Wolke hängt über der Schweiz, die von Autos, Hochhäusern und Menschenmassen erdrückt wird. Die Botschaft: Die Schweiz geht kaputt, wenn die Immigration mithilfe der Initiative nicht gestoppt wird.

Da fragt sich mancher Bürger, der sich des Lebens, seiner Familie und Freunde erfreut und zufrieden seiner Arbeit nachgeht: Befinde ich mich in einer alternativen Realität, oder eher die Politiker und Aktivisten?

Wohlgemerkt, die Klimaerwärmung ebenso wie die Immigration sind grosse Herausforderungen. Auch käme niemand auf die Idee, Viren oder die Nahostkrise kleinzureden. Aber muss es deswegen immer gleich der Weltuntergang sein?

Auf lange Sicht ist die Welt besser geworden

Dass es Grund zu Optimismus gibt, auch das zeigte sich am WEF. Die Veranstaltung fand zum 50. Mal statt, und so wurde oft zurückgeblickt. Die lange Sicht lässt das Wesentliche erkennen. Vor 50 Jahren steckte die Welt im Kalten Krieg. Zu jener Zeit war der Ausbruch eines Dritten Weltkriegs tatsächlich kein unrealistisches Szenario. Die Lebenserwartung war damals ungleich tiefer, die Kindersterblichkeit ungleich höher als heute. Viel mehr Menschen lebten in absoluter Armut, obwohl die Weltbevölkerung damals mit 3,7 Milliarden Menschen nur halb so gross war.

Und apropos Umwelt: Das einst gefürchtete Ozonloch hat sich praktisch wieder geschlossen, und heute haben mehr Menschen denn je Zugang zu sauberem Trinkwasser.

So langweilig das klingt im Vergleich zu den apokalyptischen Analysen, so sehr zeigt das doch: Die Menschheit ist imstande, Fortschritte zu erzielen und Probleme zu lösen. Warum soll das nicht auch beim Klimawandel gelingen?

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