Schweiz

Von Stripclubs bis zu Museen: So will der Kanton Waadt die steigenden Corona-Zahlen in den Griff bekommen

Seit Anfang Juli gilt in Waadtländer Supermärkten bereits eine Maskenpflicht. Dennoch steigt die Zahl der Neuinfektionen.

Seit Anfang Juli gilt in Waadtländer Supermärkten bereits eine Maskenpflicht. Dennoch steigt die Zahl der Neuinfektionen.

Der grösste Romandie-Kanton ist der neue Covid-Hotspot der Schweiz. Nun reagiert die Regierung mit schärferen Maskenregeln und Begrenzungen von privaten Familienfeiern. Doch reicht das?

Nach Genf, nun also auch die Waadt: Der grösste Romandie-Kanton verschärft die Corona-Massnahmen, nachdem die Fallzahlen in der Region in den vergangenen Tagen massiv gestiegen sind. Rund ein Drittel der Neuinfektionen stammen aus dem Kanton Waadt.

Man müsse eingestehen, dass die Rückkehr zur Normalität gefährdet sei, sagte Staatsratspräsidentin Nuria Gorrite am Dienstag vor den Medien. Es gehe nun darum, eine zweite Welle zu verhindern. Der Kanton hat deshalb beschlossen, Discos und Nachtclubs bis Ende Oktober zu schliessen. In Bars und Restaurants gilt eine Maskenpflicht für die Angestellten sowie für die Gäste, ausser sie sitzen an ihrem Tisch. «Wer sich ein Bier an der Bar holt, kurz telefonieren oder aufs WC geht, der zieht eine Maske an», präzisierte Wirtschaftsminister Philippe Leuba. Unter dem Begriff Nachtclub verstehe man Striptease-Clubs, sagt Leuba. «Also Erotik-Etablissements ohne Körperkontakt.» Die Prostitution bleibt hingegen erlaubt.

Waadt verbietet private Veranstaltungen mit mehr als 100 Personen

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Je mehr Alkohol, desto kürzere Abstände

Die Waadtländer Regierung bezeichnet das Nachtleben als einen von zwei Risiko-Orten, bei denen besonders viele Covid-Übertragungen stattfänden. «Je mehr Alkohol fliesst, desto kürzer werden die Abstände», sagte Gorrite. Ebenfalls problematisch seien private Anlässe wie Hochzeiten, Geburtstagsfeste oder Tauffeiern. An solchen Veranstaltungen dürfen neu nur noch 100 Personen teilnehmen. Für grössere, öffentliche Veranstaltungen, wie zum Beispiel politische Kundgebungen, gibt es ein neues, temporäres Büro, das die Organisatoren beim Schutzkonzept berät. Die Maskenpflicht gilt zudem in öffentlichen Räumen wie Bibliotheken, Museen, Kinos und Theatersälen.

Doch weshalb hat sich gerade der Kanton Waadt zum neuen Schweizer Covid-Hotspot entwickelt? «Wir sind einer der grössten Kantone und haben mit Lausanne eine der grössten Städte im Land», sagte Gorrite. Und gerade dort spiele das Nachtleben eine grosse Rolle. So dürften so manche Genfer in den vergangenen Wochen ihre Partynächte nach Lausanne verlegt haben. Schliesslich nimmt auch die Zahl der jungen Infizierten stark zu. Sorgen mache aber, dass man nun auch wieder einen Anstieg von Patienten aus Risikogruppen verzeichne, sagte Gesundheitsministerin Rebecca Ruiz.

Hohe Positivitätsrate von 6,5 Prozent

Aktuell zählt die Waadt 33 hospitalisierte Corona-Patienten, die Mehrheit davon ist über 65 Jahre alt. Inzwischen führt der Kanton bis zu 14'000 Covid-Tests pro Woche durch. Allerdings ist die Positivitätsrate stark angestiegen auf 6,5 Prozent. Man wolle verhindern, dass die Spitäler, wo inzwischen wieder Vollbetrieb herrsche, durch einen plötzlichen Anstieg von Corona-Patienten an den Anschlag kämen, sagte Ruiz.

Gorrite betonte, dass man den wirtschaftlichen Schaden minimieren wolle, nachdem die Waadt von manchen Ländern auf die rote Liste genommen wurde. «Wir können das Risiko nicht eingehen, dass unser Kanton isoliert bleibt.» Dies hätte zu grosse Folgen für den Tourismus, die Restaurants, die Hotellerie, multinationale Firmen und exportorientierte KMUs im Kanton.

Hat Genf schneller und besser reagiert?

Stellt sich die Frage, ob der Kanton mit den verschärften Massnahmen nicht zu spät reagiert hat im Vergleich zum Kanton Genf, der bereits Ende Juli die Maskenpflicht verschärfte und seine Nachtbetriebe dichtmachte. Gorrite verwies darauf, dass man vor einigen Wochen noch deutlich tiefere Fallzahlen hatte, auch im Vergleich zum Nachbarskanton, wo sich die Fallzahlen seit den verschärften Massnahmen auf relativ hohem Niveau stabilisiert haben. Andererseits hatte die Waadt Anfang Juli als erster grosser Schweizer Kanton die Maskenplicht in Geschäften eingeführt – offenbar mit zu wenig Wirkung. Die Regierung macht sich denn auch bereits jetzt Gedanken über weitere Verschärfungen. Zu Beginn der Herbstferien werde man ein Fazit ziehen.

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