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Wann der letzte Schnee fällt – das sagen die Daten der letzten Jahrzehnte

Heute schneit es vereinzelt bis ins Flachland. Dass im Frühling auch in tiefen Lagen Schnee fällt, ist nichts ungewöhnliches. Was sagen die Daten der letzten Jahrzehnte und welchen Einfluss hat der Klimawandel? 8 Fragen und Antworten.

1. Wie oft fällt Schnee im Frühling?

Die Chancen auf späten Neuschnee stehen fast in der ganzen Schweiz gut: In Basel fällt in jedem dritten Jahr Schnee im Frühling, in Zürich in drei von vier Jahren.

Frühlingsschnee dürfte häufiger sein, als ihn Meteo Schweiz erfasst. Wenn er während des Tages fällt, ist er bis zur Messung am nächsten Morgen oft wieder geschmolzen. Erst ab einer Schneehöhe von einem Zentimeter wird er in die Statistik aufgenommen. 

2. Später Schnee – die Rekorde:

Der späteste jemals gemessene Neuschnee an den 20 Stationen (Grafik unten) lag am 28. Juli 1926 in Arosa. Im Durchschnitt fällt der letzte Neuschnee im Bündner Wintersportort am 13. Juni – das ist das späteste Datum aller Stationen. Den Rekord für den frühesten letzten Schnee hält Basel: Im Winter 2013/2014 schneite es letztmals am 21. November 2013. In der Stadt am Rhein hört es durchschnittlich am 7. März auf zu schneien.

Alle Stationen in der Übersicht:

Fullscreen-Modus

Daten: Meteo Schweiz, Grafik: Mark Walther

3. Gibt es wegen des Klimawandels bald keinen späten Schneefall mehr?

Frühlingsschnee ist weiterhin möglich, weil er von einer Zufalls-Wetterlage abhängt (siehe 4.), die weiterhin auftreten wird. Allerdings dürfte der Schneefall ab dem Spätwinter generell rarer werden. Die Wetterdienste aus Deutschland, Österreich und der Schweiz erwarten wegen des Klimawandels bis ins Jahr 2100 in den Alpen einen Temperaturanstieg um mindestens zwei Grad Celsius im Jahresdurchschnitt. Sie gehen in einem kürzlich veröffentlichten Positionspapier davon aus, dass sich die Dauer der Schneebedeckung im Spätwinter um mehrere Wochen reduzieren wird.

An wenigen Stationen ist die Tendenz zu früher auftretendem letzten Schneefall bereits heute sichtbar, etwa in Altdorf und Engelberg (Grafik-Strecke unten). In Basel fiel der letzte Schnee seit Messbeginn 1931 fünf Mal vor der Jahreswende. All diese Ereignisse finden sich in der neueren Hälfte der Messreihe. Ein ähnliches Bild zeigt sich in Luzern: Neun Mal fiel der letzte Schnee vor Februar. Auch hier fallen alle Ereignisse in die zweite Hälfte der Messreihe.

Gerade in höheren Lagen ist dieser Trend aber nicht zu beobachten, wie die Beispiele von St. Gallen oder Arosa zeigen. Meteo Schweiz hat die Datenreihen des letzten Schnees bisher nicht auf langfristige Trends untersucht. Es bleibt also offen, wie aussagekräftig die an einigen Orten sichtbaren Veränderungen sind. Etwas lässt sich gemäss Stephan Bader von Meteo Schweiz aber sagen: "Aufgrund der Daten kann gut beurteilt werden, dass Aprilschnee im Flachland auch heute ein bekanntes Phänomen ist, trotz insgesamt kräftiger Aprilerwärmung in den letzten Jahrzehnten."

4. Wie kommt es zu spätem Schneefall?

Eine zufällig auftretende Wetterlage ist für späten Schneefall verantwortlich. Ausschlaggebend ist der Jetstream. Wenn er sich kurvenreich bewegt, kann Höhenkaltluft aus den arktischen Gebieten zu uns vorstossen. Auf der Rückseite eines Kaltluftvorstosses kann es mit Nordwestwind auch im Mai noch Schnee bis in tiefere Lagen geben, schreibt Felix Blumer, Meteorologe bei "SRF Meteo". Das passiert primär den Voralpen entlang und am nördlichen Alpenkamm.

Ob es zuvor warm war, spielt keine Rolle. Eindrücklich zeigte sich das am Pfingstmontag 2007: Am 28. Mai schneite es bis auf 600 Meter hinunter. Blumer erinnert sich: "Grindelwald war von der Aussenwelt abgeschnitten, weil zahlreiche Bäume unter der Schneelast zusammenbrachen. Noch zwei Tage zuvor wurden in der Schweiz stellenweise mehr als 25 Grad gemessen."

5. Sagt später Schneefall etwas über den Winter aus?

Nein. Der letzte Schnee kann in einem schneereichen Winter früher fallen als in einem schneearmen Winter. Entscheidend sind alleine Kaltluftausbrüche aus Norden oder Nordwesten (siehe 4.) im Frühling.

6. Ist später Schneefall ein Problem für die Landwirtschaft?

Nicht zwingend. Schnee kann Pflanzen sogar vor Frost schützen. Er isoliert den Boden und hält die Kälte fern. Schnee ist ein Problem, wenn Äste unter grosser Schneelast abbrechen.

Frost ist hingegen das Todesurteil für viele Pflanzen. Das erlebte die Schweiz zuletzt 2017. In Buchs bei Aarau wurden am 21. April 2017 in der Früh -2,9 Grad gemessen. Die Bodentemperatur betrug nur noch -7,3 Grad. Am 30. April kam der Frost noch einmal zurück. Mit fatalen Folgen: Viele Bauern verloren ihre ganze Ernte oder einen grossen Teil davon. Die Branche büsste laut Obstverband 300 Millionen Franken Umsatz ein. Der Aargauer Landwirtschaftsdirektor Markus Dieth sprach von einem "Jahrhundert-Frost".

Aargauer Weinbauern kämpfen mit Frostschutzkerzen gegen Schäden an ihren Reben

Aargauer Weinbauern kämpfen mit Frostschutzkerzen gegen Schäden an ihren Reben (Video vom 21. April 2017).

7. Folgt nach spätem Schnee ein Hitzesommer?

Ein einzelner später Schneefall ist kein Hinweis darauf, wie das Wetter im Sommer wird. Allerdings steigen die Chancen auf einen heissen Sommer, wenn der Frühling in Mitteleuropa nass und kalt ist, wie Blumer schreibt. Der Grund: Wenn der Atlantik anfangs Sommer deutlich wärmer ist als das europäische Festland, ist die Chance gross, dass sich über Mitteleuropa ein Hoch bilden kann, das sich festsetzt. Das Phänomen war in den Hitzesommern 2003 und 2018 zu beobachten. 2018 habe sich die Wetterlage anfangs April umgestellt, als auf einen kalten und nassen Februar und März ein "ewiger Sommer" folgte, so Blumer. Noch extremer war es 2003, als sich die Wetterlage schon im März änderte.

8. Wie äussert sich das Publikum von "SRF Meteo", wenn im Frühling Schnee fällt?

"Schnee im Frühling ist ein grosses Thema, weil die Leute auf Sonne und Wärme eingestellt sind", schreibt Blumer. Die Meteorologen bekommen die Enttäuschung der Menschen über die unerwartete Kälte zu spüren. Blumer nennt es "Wetterfrust". Manche stellten auch die globale Erwärmung in Frage. Allerdings gehe dabei vergessen, dass Klima und Wetter zwei verschiedene Sachen sind.

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