Warmes Wetter

Warmer Frühling verspricht ausgezeichneten Wein

Chasselas-Trauben

Chasselas-Trauben

Die Rebe ist sehr wettersensibel. Je wärmer, umso schneller entwickelt sie sich. Der wärmste Frühling seit Messbeginn lässt deshalb die Rekorde im Weinbaujahr purzeln. Die Voraussetzungen für einen grossartigen Wein sind da.

Bereits am 25. Mai begannen die Chasselas-Trauben im Beobachtungszentrum Pully der Forschungsanstalt Agroscope zu blühen - und schon am 6. Juni war die Blüte wieder zu Ende. Ein so frühes Blütenende sei ein absoluter Rekord, teilte die Forschungsanstalt Agroscope am Dienstag mit. Im Schnitt beginnt die Blüte erst am 15. Juni und endet am 29. Juni. Der Beginn der Blüte im Mai ist ebenfalls eine Ausnahme: Neben 2011 kam dies nur in sieben Jahren seit 1925 vor, in dem die Beobachtungsreihe beginnt. Die 12-tägige Blütedauer liegt zudem relativ nahe an der kürzesten beobachteten Blüte von 10 Tagen.

Frühe Blüte ergibt frühe Reife

Aufgrund der frühen Blüte rechnet Agroscope auch mit einer aussergewöhnlich frühen Reife der Trauben: Sie könnte bereits in den letzten zehn Tagen des Julis stattfinden. Im 20. Jahrhundert war dies selten, seit 2000 wäre es aber bereits das vierte Mal.

Mitte September dürfte die Rebsorte Chasselas im Genferseebecken bereit zur Lese sein, hält Agroscope fest. Das wäre drei Wochen früher als normal. Die frühe Rebsorte Pinot Noir könnte schon Anfang September gelesen werden.

Beste Voraussetzungen für guten Wein

Mehr als den Blüte- und Lesezeitpunkt dürfte den Weinbauer und Weinkenner interessieren, ob der heisse Frühling auch viel und einen besonders guten Wein verspricht. «Die Voraussetzungen für einen grossartigen Wein sind gegeben», sagte dazu Jean-Laurent Spring von der Forschungsanstalt Agroscope auf Anfrage der Nachrichtenagentur sda.

Die Weinmenge wird laut Spring vor allem von den Wetterbedingungen im Vorjahr sowie jenen während der Blüte bestimmt. Beides sei ziemlich gut gewesen. Für die Qualität habe der warme Frühling einen guten Grundstein gelegt, entscheidend sei dafür nun das Wetter im August und September.

Hier liegt die Crux: «Ein paar Wochen schlechtes Wetter im Sommer kann genügen, dass es trotz sehr guter Voraussetzungen nur einen durchschnittlichen Wein gibt», sagte Spring. Zu viel Niederschlag könne beispielsweise dazu führen, dass die Trauben faulten.

Klimaerwärmung anhand der Weinrebe

Wegen ihrer Empfindlichkeit auf das Wetter in der Vegetationsperiode das Wetter in der Vegetationsperiode eignet sich die Rebe auch bestens, um Klimaschwankungen darzustellen. Mehrere Untersuchungen aus Frankreich und Deutschland zeigen, dass die Entwicklung der Weinrebe derzeit im Schnitt 15 Tage früher stattfindet als in den Jahren zwischen 1960 und 1970.

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