Seit in europäischen Städten Terroristen mit Kalaschnikows um sich schossen, rüsten auch in der Schweiz die verschiedenen Polizeikorps auf. Gepanzerte Wagen, kugelsichere Westen, Helme und Sturmgewehre stehen auf der Wunschliste.

Polizisten verraten nicht gerne, was sie auf Patrouille mitnehmen. Der Feind könnte mitlesen. Dort, wo Neuanschaffungen aber von politischen Gremien bewilligt werden müssen, wird sichtbar: Auch kleine Polizei-Einheiten kaufen Waffen. So im Aargauer Bezirk Rheinfelden. Die Regionalpolizei Unteres Fricktal kaufte sich Sturmgewehre für 20'000 Franken .

Überlegene Terroristen

Nun zeigen Recherchen: Die Aufrüstung hat System. «Die Mehrheit der 15 Regionalpolizeien im Aargau verfügt über Sturmgewehre oder ist dabei, sie anzuschaffen», sagt René Lippuner. Er ist Präsident des Verbandes der Aargauer Regionalpolizeien und Kommandant der Regionalpolizei Zurzibiet.

Im Moment trainieren seine Männer und Frauen am Sturmgewehr. Künftig werden im Streifenwagen neben Maschinenpistolen auch zusätzliche verbesserte schusssichere Westen und ballistische Helme griffbereit sein. «Wenn die Gegenseite aufrüstet, müssen wir nachziehen», sagt Lippuner.

Tatsächlich kann es zu Situationen kommen, in denen Terroristen oder Amokläufer besser gerüstet sind als die Polizei. Pistolen und Maschinenpistolen, welche bisher zur Standardausrüstung von Polizisten gehörten, sind für eine Reichweite zwischen 25 Metern und 100 Metern konzipiert. Sturmgewehre wie die unter Terroristen beliebte Kalaschnikow treffen aber auch auf 200 Meter.

Es ist diese Überlegung, welche die Aargauer Regionalpolizisten zur Aufrüstung motiviert. Vorbild ist die Kantonspolizei, welche Anfang des letzten Jahres ein neues Sturmgewehr präsentierte. Andere Kantone zogen nach. Bern bildete eine begrenzte Anzahl Mitarbeiter intensiv an der Langwaffe aus und beschaffte zusätzliche Waffen, wie sie auf Anfrage schreibt.

Die Stadtpolizisten in St. Gallen erhielt verbesserte kugelsichere Westen. Sie sollen die Beamten auch vor Schüssen aus Gewehren schützen. Zudem fährt das Sturmgewehr nun bei speziell geschulten Mitarbeitern auch im Streifenwagen mit und ist im Notfall griffbereit.

Zürcher raten eher ab

Dass Sturmgewehre auch für Beamte der kommunalen Polizeien zum Arbeitsinstrument werden, ist auch in Polizeikreisen umstritten. Ein Teil der Regionalpolizeien im Aargau will keine Sturmgewehre. In einer konsultativen Umfrage, welche die Konferenz der Regionalpolizeien im Oktober des vergangenen Jahres durchführte, äusserten sich drei Korpsvertreter negativ.

Im Kanton Zürich steht der Vorstand der Vereinigung Kommunaler Polizeikorps der Beschaffung von Sturmgewehren in der aktuellen Lage eher skeptisch gegenüber. «Es ist aus meiner Sicht nicht zwingend, dass die Zürcher Kommunalpolizeien über Sturmgewehre verfügen», sagte Präsident Rolf Baer. Die bisherige Ausrüstung bestehend aus Maschinenpistolen und Schutzausrüstung sei für die polizeiliche Grundversorgung und Amoklagen angepasst.

Präsident Baer betont aber, dass die Vereinigung Kommunaler Polizeikorps einzelnen Korps keine Vorschriften machen kann und je nach Entwicklung der Situation eine Beschaffung weiterer Einsatzmittel durchaus möglich und sinnvoll erscheine. Einzelne Korps verfügten denn auch über Sturmgewehre.