Langenthal

Wegweisender Entscheid für den Lindenhof

Therapiebad im Lindenhof: Mittlerweile geschlossen, beschäftigt sich am 26. Oktober noch der Stadtrat damit. (Archiv/Hanspeter Bärtschi)

Altersheim

Therapiebad im Lindenhof: Mittlerweile geschlossen, beschäftigt sich am 26. Oktober noch der Stadtrat damit. (Archiv/Hanspeter Bärtschi)

Gute Kunde für das Alterswohnheim Lindenhof: Der Stadtrat entscheidet am 26. Oktober, der privaten Institution ein Darlehen von 300 000 Franken für das Therapiebad zu erlassen.

Tobias Granwehr

Es war keine leichte Entscheidung, die das Alterswohnheim Lindenhof diesen Frühling zu treffen hatte. Aufgrund sehr hoher Betriebskosten und einer anstehenden Sanierung, die gegen eine Million Franken gekostet hätte, schloss der Lindenhof nach fast 30 Jahren sein Therapiebad. Diese Entscheidung hat auch Auswirkungen für die Stadt, denn: Im Oktober 1981 gewährte der damalige Grosse Gemeinderat (heutiger Stadtrat) dem Verein für das Alter ein zinsloses Darlehen über 300 000 Franken als Beitrag zur Erstellung eines Therapiebades. Der Verein für das Alter war damals Trägerschaft des Alterswohnheims. Seit kurzem nimmt diese Funktion die Stiftung Lindenhof Langenthal wahr.

Finanziell kaum verkraftbar

Mit der Schliessung des Therapiebades ist das Darlehen zurückzuzahlen. Deshalb hat sich der Gemeinderat der Sache angenommen und bringt das Geschäft am 26. Oktober in den Stadtrat. Der Vorschlag der Stadtregierung lautet: Umwandlung des zinslosen Darlehens in eine Schenkung. Damit würde die Stadt auf die Rückforderung der 300 000 Franken verzichten. Dies mit folgendem Hintergrund: Der Lindenhof hat erst kürzlich diverse Sanierungsarbeiten vorgenommen. Die Zins- und Amortisationskosten belasten die Rechnung des Alterswohnheims ohnehin stark.

Müsste es auch das zinslose Darlehen rückerstatten, hätte es ein Problem. Heimleiterin Bernadette Eichmüller bestätigt: «Wir müssten jeden Franken dafür wieder auf unsere Bewohnerinnen und Bewohner umwälzen.» Doch das auf privater Basis betriebene Alterswohnheim steht im direkten Preiswettbewerb mit anderen Pflegeeinrichtungen. Zudem hätte die Rückzahlung für Eichmüller einen bitteren Beigeschmack: «Mit dem Therapiebad haben wir etwas für die Öffentlichkeit getan und trotzdem immer nur draufgelegt.»

Keine Selbstverständlichkeit

Gemäss den Stadtratsunterlagen verursachte das Therapiebad im Lindenhof jährlich wiederkehrende Kosten von (geschätzten) 150 000 Franken. Dies bei Einnahmen von durchschnittlich knapp 90 000 Franken - wobei diese in den vergangenen fünf Jahren stetig zurückgingen. Eine allfällige Sanierung des Bades war für das Wohnheim aus eingangs genannten Gründen keine Option. Weiter ist den Unterlagen zu entnehmen: «Hätte die Stadt das Therapiebad erhalten wollen, so hätte sie sich mit geschätzten 80 000 bis 100 000 Franken pro Jahr engagieren müssen.» Dazu ist die Stadt indes nicht bereit. Aufgrund einer Wertberichtigung des Darlehens im Jahr 2006 belastet ein Verzicht die laufende Rechnung der Stadt zudem nicht mehr.

Heimleiterin Bernadette Eichmüller hofft stark auf einen positiven Entscheid des Stadtrates. Doch sie weiss auch: «Ein Ja zu unseren Gunsten ist keine Selbstverständlichkeit.»

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