Basel
Weniger Basler Tierversuche

209 393 Tiere wurden 2008 zu Versuchszwecken eingesetzt. Das sind 21 213 weniger als im Vorjahr.

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Aargauer Zeitung

David Weber

Letztes Jahr sah es noch ganz anders aus. Da meldete das Gesundheitsdepartement Basel-Stadt (GD) für das Jahr 2007 eine Zunahme der Versuchstiere um sechs Prozent gegenüber 2006. 2008 zeigt das Pendel nun in die andere Richtung. 209 393 Tiere wurden letztes Jahr in bewilligten Tierversuchen eingesetzt. Das entspricht einer Abnahme von 9,2 Prozent im Vergleich zum Vorjahr. Wie das Gesundheitsdepartement gestern mitteilte, liegt der Abnahme der Tierzahl hauptsächlich ein geringerer Bedarf der Pharmaindustrie zugrunde. Im Sektor der angewandten Forschung sei die Zahl der Versuchstiere um 24 000 zurückgegangen, sagte Walter Zeller, Cheftierarzt Tierschutz im Gesundheitsdepartement. In der gesamten Schweiz nahm die Zahl der Versuchstiere hingegen leicht zu: von 726 392 Tieren (2007) auf 731 883 (2008).

Heinz Müller, Sprecher der in Basel domizilierten Interpharma, glaubt aber nicht, dass die Abnahme in Basel-Stadt ein Zeichen für geringere Forschungstätigkeit sei. Interpharma ist der Verband der forschenden pharmazeutischen Firmen in der Schweiz. «Die Forschung laufe nach wie vor auf Hochtouren», sagte Müller. Je nach Versuchsreihe und Medikament könne die Zahl von Jahr zu Jahr schwanken.

Möglicherweise seien 2008 weniger Substanzen getestet oder Versuche an sogenannte «Kontraktoren» im Ausland ausgelagert worden, ergänzt Zeller. Besonders erfreulich sei auf jeden Fall, dass 2008 1957 Tiere weniger einer schweren Belastung ausgesetzt waren (insgesamt 6485) als im Vorjahr, was einer Abnahme von rund einem Viertel entspricht. Aber auch die Tiere mit einer mittleren Belastung nahmen um 3884 Einheiten ab (insgesamt knapp 59 000). «Das ist ein Zeichen, dass gut gearbeitet wird», sagt Zeller. Die restlichen 144 350 Tiere wurden gemäss GD wenig oder gar nicht belastet.

Mit über 96 Prozent stellen die Labornagetiere (Mäuse, Ratten, Gerbils, Hamster und Meerschweinchen) den grössten Teil der Versuchstiere. Gefolgt von Fischen, Hunden, Kaninchen, Primaten, Vögel, Amphibien und Minipigs. Laut Medienmitteilung des Gesundheitsdepartements hat die Zahl der eingesetzten Primaten, insgesamt 220, um vier Tiere abgenommen.

Leichte Abnahme in BL

Auch im Kanton Baselland hat die Anzahl der Versuchstiere innert Jahresfrist abgenommen, von 102 808 im Jahr 2007 auf 98 279 Tiere im vergangenen Jahr. Baselland ist neu der Kanton mit den viertmeisten Tierversuchen. Denn Bern wies seit 2001 erstmals wieder mehr Versuchstiere aus als Baselland. Im schweizweiten Vergleich hat der Kanton Zürich mit 116 532 Versuchstieren den zweithöchsten Wert. Die Zahl im Pharmakanton Basel-Stadt liegt fast doppelt so hoch. daw)

Der grösste Teil der Tiere wird im Rahmen von Forschungsprojekten eingesetzt, insgesamt 94 Prozent, und dort insbesondere für die Entdeckung und Entwicklung von Medikamenten. In dieser «angewandten Forschung» wurden 2008 142 266 Tiere gebraucht.

Dass es zukünftig zu einer starken Abnahme der Zahl der Versuchstiere kommen wird, glaubt Müller nicht. Die Möglichkeiten der Ersatzmethoden, zum Beispiel In-Vitro-Untersuchungen, seien so weit wie möglich ausgereizt worden, sagt Müller. Damit die Versuchstiere massiv reduziert werden könnten, bräuchte es schon die Entdeckung einer bahnbrechenden neuen Technologie. 1983 betrug die Zahl der Versuchstiere rund 2 Millionen. Bis ins Jahr 2000 sank die Zahl auf rund 560 000. Seither stieg die Zahl wieder, vor allem aufgrund der Möglichkeiten der transgenen Forschung. Seit 2005 hat sich die Zahl schweizweit bei etwas über 700 000 Tieren eingependelt.