Das Schweizer Stimmvolk hat mit dem deutlichen Ja zum neuen Energiegesetz einen ganzen Strauss von Massnahmen beschlossen – unter anderem die Erhöhung des Netzzuschlages von heute 1,5 auf 2,3 Rappen pro Kilowattstunde Strom. Dieser wird von den Konsumenten berappt. Der Bund fördert mit dem Zuschlag die Stromproduktion aus erneuerbaren Energien wie Wasserkraft, Sonne, Wind, Geothermie oder Biomasse.

Zur Verfügung stehen dabei in erster Linie zwei Instrumente: die kostendeckende Einspeisevergütung (KEV) und die Einmalvergütung. Wer mit der KEV unterstützt wird, erhält während einer definierten Zeitspanne – bis anhin 20, künftig wohl noch 15 Jahre – die Zusicherung, seinen Strom zu einem Preis verkaufen zu können, der die Produktionskosten deckt (der Marktpreis liegt derzeit tiefer). Die Einmalvergütung wiederum dient seit 2014 der Förderung von kleineren PhotovoltaikAnlagen. Die Besitzer kriegen, sofern die Anlage schon gebaut ist, eine einmalige Vergütung von maximal 30 Prozent der Investitionskosten einer Referenzanlage.

Künftig soll die Einmalvergütung zum Hauptfördersystem für Photovoltaik-Anlagen werden. Das steht zwar nicht im nun angenommenen Gesetz, ist aber die Absicht des Bundesrates, wie er sie in der Vernehmlassung zur Energieförderungsverordnung ausgedrückt hat (definitiv entscheiden wird er voraussichtlich erst im November).

Tausende auf der Warteliste

Will der «normale» Bürger Strom aus erneuerbaren Energien herstellen, kommt für ihn vor allem die Sonnenenergie infrage (Anlagen für Wind- und Wasserkraft werden aufgrund ihrer Dimensionen üblicherweise von Energieversorgungsunternehmen erstellt). Wer sich nun aber vom gestrigen Ja inspirieren lässt, um sich eine Photovoltaik-Anlage aufs Dach zu montieren und dabei vom grösser gewordenen Fördertopf profitieren möchte, kommt wohl zu spät: «Für diejenigen, die sich neu anmelden, reicht voraussichtlich auch der Netzzuschlag von 2,3 Rappen nicht aus», sagt Marianne Zünd, Geschäftsleitungsmitglied des Bundesamts für Energie.

Grund dafür ist die grosse Konkurrenz: Wie die vierteljährlich erstellte Übersicht der KEV-Stiftung zeigt, waren Ende März dieses Jahres alleine für die Photovoltaik fast 37 000 Projekte auf der Warteliste – im Schnitt kommen 1000 pro Monat hinzu (vor der Atomkatastrophe von Fukushima waren es nur 200). Gleichzeitig werden laufend Einmalvergütungen gesprochen, sodass sich «Zu- und Abfluss» auf der Warteliste derzeit ungefähr die Waage halten, wie René Burkhard von der nationalen Netzgesellschaft Swissgrid erklärt.

Swissgrid wickelt die Auszahlung der Förderbeiträge ab, erhält das Geld dafür aber vom Bund. In den letzten beiden Jahren hat dieser aus dem Netzzuschlags-Topf 100 Millionen Franken für Einmalvergütungen gesprochen, womit Swissgrid laut Burkhard jährlich rund 13 000 Photovoltaik-Projekte einmalig unterstützen konnte.

Inwiefern sich die Geldbeträge im neuen Regime verändern werden, ist laut BFE-Sprecherin Zünd noch offen. Sie rechnet damit, dass der Netzzuschlag in Bezug auf die Photovoltaik nur dafür ausreichen wird, diejenigen Projekte zu unterstützen, die jetzt schon auf der Warteliste sind. Darauf, dass das Parlament den Zuschlag noch einmal erhöhen wird, würde sie «nicht spekulieren wollen», so Zünd.

Netzkosten sparen

Die Prognose von Swissgrid-Kadermann Burkhard ist freilich optimistischer. Er geht davon aus, dass auch neue Bewerber auf der Warteliste noch in den Genuss von Fördergeldern kommen können – nicht zuletzt, weil das Parlament die KEV zeitlich begrenzt hat und deshalb zumindest mittelfristig mehr Geld für die Einmalvergütungen zur Verfügung stehen dürfte.

Trotz unsicherer Förderzukunft müssen auch künftige Betreiber von Photovoltaik-Anlagen nicht den Kopf in den Sand stecken: Die Kosten für eine Photovoltaik-Anlage auf dem eigenen Dach sind in den letzten Jahren derart gefallen, dass sich die Investition laut BFE auch ohne Subventionen lohnen kann. «Denn die Betreiber können sich die Netzkosten sparen, wenn sie ihren Strom selbst produzieren», so Sprecherin Zünd.

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