Fall Zuppiger

Wie Bruno Zuppiger die Wahrheit veruntreute

Bruno Zuppiger ist seit seinem Rücktritt aus dem Nationalrat aus der Öffentlichkeit verschwunden.

Bruno Zuppiger ist seit seinem Rücktritt aus dem Nationalrat aus der Öffentlichkeit verschwunden.

Der ehemalige SVP-Bundesratskandidat Bruno Zuppiger gab der «Aargauer Zeitung» am 8. Dezember 2011 ein Interview. Was er damals sagte – und wie sich die Antworten heute bewerten lassen.

Am 16. Januar steht der ehemalige SVP-Bundesratskandidat vor Gericht. Die Verteidigung hat mit der Staatsanwaltschaft einen Deal geschlossen, bei dem die Verurteilung bereits feststeht: Zuppiger wird – genau gleich wie der beteiligte ehemalige Mitarbeiter – in einem sogenannten abgekürzten Verfahren zu 13 Monaten bedingter Freiheitsstrafe bei einer Probezeit von 2 Jahren und 1500 Franken Busse verurteilt.

In einem Interview mit der «Aargauer Zeitung» am Tag nach der Enthüllung der Veruntreuung eines Erbes versuchte der damalige Nationalrat aus der Ueli-Maurer-Gemeinde Hinwil, den Fall herunterzuspielen.

Herr Zuppiger, die «Weltwoche» erhebt schwere Vorwürfe gegen Sie. Eine Ihnen anvertraute Erbschaft soll nicht korrekt abgewickelt worden sein. Erst auf Druck hätten Sie reagiert und den Begünstigten das Geld ausbezahlt. Wie ist es dazu gekommen?
Bruno Zuppiger: Einer meiner Mitarbeiter hat das Mandat betreut. Ich bin davon ausgegangen, dass der Fall längst abgeschlossen ist, wurde aber Ende 2009 von der Gegenpartei darauf aufmerksam gemacht, dass dem nicht so ist. Der Mitarbeiter war zu diesem Zeitpunkt bereits pensioniert, also habe ich alle Unterlagen aufgearbeitet. Darauf habe ich mit meinem Anwalt und der Gegenpartei eine gegenseitige Vereinbarung getroffen.
Heute weiss man: Zuppiger war an der Veruntreuung beteiligt, gemäss Anklageschrift hätten er und der Mitarbeiter «in Absprache gehandelt».

Sie haben gemäss «Weltwoche» erst nachgegeben, als eine Klage eingereicht wurde.
Es war so: Die Gegenpartei hatte von mir ein Angebot verlangt. Das habe ich gemacht. Es war der Gegenpartei aber zu wenig, und sie verlangte innert zweier Tage unter Klageandrohung Nachbesserungen. Weil ich zu diesem Zeitpunkt an einer Kommissionssitzung in Neuenburg war und meinen Laptop nicht dabei hatte, ging das an mir vorbei. Als ich die Aufforderung dann sah, war es schon zu spät: Die Strafklage war eingereicht. Darauf habe ich sofort meinen Anwalt eingeschaltet. Die Sache konnte im gegenseitigen Einvernehmen und ohne dass Dritte zu Schaden kamen geregelt werden.
Heute weiss man: Das Geld wurde zurückgezahlt. Das ändert aber nichts am Tatbestand der Veruntreuung zuvor.

Sie sagen, Sie selbst hätten nie an dem Fall gearbeitet. Die «Weltwoche» behauptet aber, dass Ihr Unternehmen auch ein Honorar für Sie verrechnet hatte.
Mir liegt nicht das ganze Dossier vor, ich kann das nicht beantworten zum heutigen Zeitpunkt. Aber die Sache wurde mit der Gegenpartei geregelt.
Heute weiss man: Zuppiger hat ein Honorar in der Höhe von 150 632,60 Franken für die Willensvollstreckung (Suche nach möglichen Erben in Deutschland) geltend gemacht.

Zwischen 2000, als sie mit der Erbschaft betraut wurden, und 2009 haben Sie als Chef Ihres Unternehmens nicht gewusst, dass da etwas gewaltig falsch läuft?
Ich wusste, dass mein Unternehmen an diesem Mandat arbeitet. Ich wusste auch, dass der Mitarbeiter nach eventuellen Erben in Deutschland sucht. Details jedoch kannte ich nicht.
Heute weiss man: Zuppiger wusste Bescheid, die Erben in Deutschland waren erfunden.

Von der Auszahlung eines Erbteils auf eines Ihrer Konten wussten Sie auch nichts?
Auf jedes Detail will ich nicht eingehen, ich fühle mich noch immer an die Schweigevereinbarung gebunden, die wir unterzeichnet haben. Nur so viel: Ich habe gewusst, dass ein Erbteil auf ein separates Konto überwiesen wurde.
Heute weiss man: Das Geld ist in je einer Tranche auf ein Konto Zuppigers und eines seiner Firma überwiesen worden.

Die «Weltwoche» präsentiert aber ein Dokument, aus dem hervorgeht, dass Sie die Überweisung von 100 000 Franken selbst unterschrieben haben.
Das ist richtig. Der Mitarbeiter hat mir das Dokument zur Unterschrift vorgelegt. Da habe ich Verantwortung zu übernehmen. Aber ich sage es noch einmal: Ich habe mich nicht bereichern wollen, wie das die «Weltwoche» darstellt.
Heute weiss man: Zuppiger wollte sich im Wortsinn tatsächlich nicht bereichern, sondern ausstehende Rechnungen bezahlen sowie die Erfolgsrechnung seiner serbelnden Firma weniger schlecht aussehen lassen.

Und die Gegenpartei kam nie auf Sie zu in diesen neun Jahren?
Erst 2009. Vorher lief alles über den Tisch des Mitarbeiters. Er hat alles mit ihnen verhandelt.
Heute weiss man: Die vom Erbe zu begünstigenden Organisationen Krebsliga und Pro Senectute haben sich 2005 nach dem Verbleib des Erbes erkundigt, wonach Zuppiger obgenanntes Honorar präsentierte.

Die Parteispitze hatte also keine Akteneinsicht?
Nein. Der Fraktionschef hat bei der Gegenpartei nachgefragt, ob noch irgendetwas Unrechtmässiges offen sei. Er bekam die Bestätigung, dass kein Dritter zu Schaden gekommen und der Fall abgeschlossen sei. Damit war für die Parteispitze klar, dass man mich als Kandidaten präsentieren kann.
Heute weiss man: Die damaligen Parteioberen wurden von Zuppiger im Vorfeld der Bundesratswahl über den Sachverhalt informiert; wie ausführlich, ist allerdings unbekannt.

Zuppiger verzichtete auf Druck der SVP schliesslich auf seine Bundesratskandidatur. Bald darauf verlor er sein Amt als Präsident des Schweizerischen Gewerbeverbands. Am 10. September 2012 schliesslich trat er auch als Nationalrat zurück. Seither ist es still um ihn geworden.

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