Tourismus

Wie die Schweizer Skigebiete den miserablen Winter retten wollen

Schnee? Gäste? Fehlanzeige! Zur Halbzeit fällt die Bilanz in den Schweizer Skigebieten miserabel aus. Schweiz Tourismus will nun Schweizer Tagesgäste mobilisieren und hofft auf die verbleibenden Wintertage.

Der Winter ist zu einem harten Business geworden. Schneemangel, Klimawandel und Frankenkurs sind die grossen Schlagworte. Und der Wechselkurs schlägt doppelt zu Buche, denn auch für Herrn und Frau Schweizer ist der Urlaub im Ausland günstiger geworden.

Kommt noch hinzu, dass der Skisport überall in Europa stagniert — weil so mancher lieber in tropische Länder reist.

Ganz besonders hart trifft es die reinen Bergregionen wie Graubünden, die stark von ausländischen Gästen abhängig sind.

Besser abfedern können Schneemangel und Wechselkurs die Destinationen, die hoch gelegene Skigebiete haben, auf viele Schweizer Gäste zählen können oder auch für Gäste aus Asien und Nahost mehr zu bieten haben als nur Skisport.

Geographische und meteorologische Bedingungen können die Bergbahnen nicht beeinflussen. Aber den Markt.

Die Branche muss also mit neuen Ideen gegensteuern. Über den gleichen Kamm scheren kann man die Regionen indes nicht— zu speziell ist jede für sich.

Eine Gemeinsamkeit aber lässt sich doch ausmachen: die Skiorte wollen vor allem einheimische Gäste wiedergewinnen.

Und dafür setzen sie auch bei den Jüngsten an: «Wir stärken die Schneesportlager und haben Pauschalangebote extra für Schulen», sagt Andreas Keller, Mediensprecher von Seilbahnen Schweiz.

Der Branchenverband will mittel- bis langfristig den Nachwuchs wieder stärker an den Wintersport binden und engagiert sich bei der Schneesportinitiative «GoSnow.ch».

Wer aus der Jugend positive Erinnerungen an Saas Fee oder Arosa hat, fährt später mit einer eigenen Familie dorthin — so die Überlegung.

Die Schweizer überzeugen

Über den Nachwuchs will auch das Waadtland höhere Gästezahlen generieren. Der Tourismusverband Genferseegebiet will das bei Familien oft als zu teuer verpönte Skifahren attraktiver machen.

«Kinder bis 9 Jahre fahren gratis Ski und übernachten kostenlos im Familienzimmer», sagt Direktor Andreas Banholzer.

Auch Plattform Myswitzerland.ch von Schweiz Tourismus hat eine eigene Seite mit Pauschalangeboten für budgetbewusste Familien. Weiter sucht das Waadtland seine neuen Gäste vor allem im Inland.

«Wir werben seit zwei Jahren verstärkt in der Deutschschweiz.» Der Verband hat dafür die Seite myvaud.ch aufgeschaltet, auf der Wallis-Touristen komplette Skireisen buchen können.

Dies liegt im Trend. Seit einigen Jahren spannen immer öfter Hoteliers, Bergbahnen, Gastwirte und Sportgeschäfte zusammen — ohne Kooperationen geht es fast nicht mehr.

«So können punktuell die Kosten bei der Beschaffung gesenkt werden, gleichzeitig kann dem Gast ein attraktives Angebot mit inbegriffenen Leistungen geschnürt werden», sagt Alain Suter, Mediensprecher von Schweiz Tourismus.

Dies entspreche dem steigenden Bedürfnis etwa zwei Übernachtungen samt Vier-Gang-Dinner, Ski-Tagespass, Miete der Ausrüstung und Behandlung im Spa mit einem Klick zu buchen.

Den Winter «verlängern»

Eigens für die verbleibenden Wochen bis Ostern geht Schweiz Tourismus mit einer Kampagne in die Offensive und hofft Schweizer Tagesgäste zu mobilisieren. «Der Spätwinter ist eine hochattraktive Zeit in der Zwischensaison mit preiswerten Konditionen, länger werdenden Tagen, milden Temperaturen und noch immer ausgezeichneten Schneebedingungen», betont Suter.

Neben den Pauschalangeboten gehen manche Regionen noch einen Schritt weiter. So lancierte etwa die Jungfrau-Region überdurchschnittlich viele Werbemassnahmen und lockt mit Skiferien zum Preis von zwei für eins nach Grindelwald, Mürren und Wengen.

Das Wallis setzt neben Vergünstigungen auf Alternativangebote. «Denn gute Erlebnisse, die wir neben der Piste anbieten, sind ebenso wichtig für den Gast», sagt Damian Constantin, Direktor Valais-Wallis-Promotion.

Zudem sei die Kommunikation im Markt Schweiz weiter verstärkt worden. Und «dank den neusten Schneefällen ist die Winterstimmung zurück.»

Sommer kann nicht kompensieren

Nebst verstärkter Werbung um inländische Wintergäste bauen die Bergorte auch im Sommer ihre Angebote aus, etwa für Mountainbiketrails und Trottinett-Abfahrten. Aber einen Ausgleich der Winterverluste könne dies nicht bringen, sagt Andreas Keller vom Verband der Seilbahnen Schweiz.

«Schweizweit gesehen erwirtschaften die Seilbahnen zwischen 75 und 80 Prozent des Umsatzes im Winter, selbst wenn wir mit dem Sommergeschäft fünf Prozent zulegen, wird der Winter auf absehbare Zeit die klar wichtigste Saison bleiben.»

Die Einbrüche mit generellen Preiserhöhungen zu kompensieren sei auch keine nachhaltige Option.

Der Spielraum ist wegen es starken Frankens schon jetzt sehr gering. Ob die zweite Hälfte der Wintersaison das Ergebnis noch positiv beeinflussen kann, hängt stark von der Witterung ab.

Sehr wichtig wäre, dass in den Ferienwochen und an den Wochenenden nun schönes Winterwetter herrscht.

Nur dann kommen die Tagesgäste in Scharen. «Aber selbst dann werden wir die Einbussen voraussichtlich nicht mehr wettmachen können», schätzt Keller.

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