Erst als sich die Wolken kurz nach Mittag aufgelöst haben, wird die Absturzstelle des F/A-18-Kampfjets sichtbar: Direkt unter der Krete im Gebiet des Hinter Tierbergs (3447 m) erstreckt sich eine geschwärzte Felsfläche über rund 20 Meter. Die Wolken waren mit ein Grund, wieso nach der Unfallstelle im Gebiet des Sustenpasses so lange gesucht werden musste.

Ein Fall für die Militärjustiz

Wie es zum Absturz kam, kann heute noch nicht nachvollzogen werden. Nur so viel ist bekannt: Zwei F/A-18-Piloten starteten am Montag um 16.01 Uhr zu einem Instrumentenflug. Um 16.05 Uhr fiel das Signal des einen Piloten aus. Daraufhin ging zwar ein Notsignal ein, jedoch sendete dieses zu wenig lang, um die Unfallstelle orten zu können. Der Pilot konnte bis Dienstagabend nicht geborgen werden. «Über sein Schicksal ist nichts bekannt», sagte Jürg Nussbaum, Kommunikationschef der Luftwaffe. Das unwegsame, hochalpine Gelände am Absturzort und widrige Wetterverhältnisse erschweren die Suche von Gebirgsspezialisten des Heeres und der Luftwaffe.

Ob schlechtes Wetter oder technische Probleme: Was beim Flug schiefgelaufen sein könnte, darüber will derzeit niemand spekulieren. Der Unfallhergang ist Sache der Militärjustiz, die nun eine Unfalluntersuchung startet. Armeesprecher Daniel Reist erklärte nur: Beim Instrumentenflug handle es sich um einen «Standardflug».

Abgestürzte F/A-18: Chef des Berufsfliegerkorps über die Unfallstelle

Abgestürzte F/A-18: Chef des Berufsfliegerkorps über die Unfallstelle

Bern - 30.8.16 - Der Chef des Berufsfliegerkorps, Felix Stoffel, schildert die Lage an der Absturzstelle der verunglückten F/A 18. Das Kampfflugzeug ist am Montagnachmittag im Sustengebiet abgestürzt. Vom Piloten fehlt noch jede Spur.

Kameraden besichtigen Unfall

Zwei Kameraden des vermissten Piloten haben die Unfallstelle am Dienstagnachmittag überflogen. Felix Stoffel, Chef des Berufsfliegerkorps, beschrieb sie am Abend vor den Medien so: «Ein relativ grosser Bergkessel mit Schnee- und Gletscherhängen und darüber steile Felswände.» Kleine Trümmerteile waren auf beiden Seiten des Felsens zu sehen, sagt er und stockt. «Das Bild ist als Kamerad und Fachmann schwer zu verstehen und ertragen.»

Die Betroffenheit war auch dem Gesicht von Pierre de Goumoëns abzulesen, der vor zwei Tagen einen Piloten, einen Kameraden und einen Freund verloren hat. Der Kommandant der Luftwaffe sagte: «Es ist schwierig, die Emotionen zu beschreiben, die mich beim Überfliegen der Unfallstelle ergriffen haben.»

Start direkt in Hochalpen

Die 3000 Meter hohen Alpengipfel des Sustengebiets liegen innerhalb der Startphase des Flugplatzes Meiringen. Das Trainingsgelände der Fliegerstaffel warf denn auch Fragen der Sicherheit auf. De Goumoëns beschwichtigte: Der Abflug in Meiringen werde täglich geübt und von den Piloten beherrscht.

Zwar bestätigte Felix Stoffel, Chef der Berufsfliegerstaffel, dass Flugplätze im Gebirge anspruchsvoller seien als im Flachland. Es sei aber seit je eine Eigenheit der Schweizer Luftwaffe, dass diese ab Gebirgsflugplätzen operiere. «Das heisst nicht, dass das gefährlicher ist. Das heisst nur, dass die Piloten entsprechend ausgebildet und trainiert werden müssen», so Stoffel. Vielmehr gehöre die Start- und Landephase zu den Unfallquellen in der Aviatik – auch bei Passagierflugzeugen.

Flugplatz Meiringen

Ein Sicherheitsproblem?

Die Betroffenheit ist auch unter den Politikern gross. Einzelne machen sich nun aber Gedanken um die innere Sicherheit. Die Luftwaffe verfügt zwar noch über 30 F/A-18-Kampfjets (von ursprünglich 34) und über 25 einsatzfähige Tiger-Kampfjets (von insgesamt 53). Doch mit jedem Jet, der wegfällt, werden die anderen zusätzlich in Anspruch genommen. Als Konsequenz seien die Flugzeuge entweder früher ausser Betrieb zu nehmen oder es müsse weniger geflogen werden, erklärte Felix Stoffel. «Letzteres führt aber sofort wieder zu einem Sicherheitsproblem.»

Aktuell funktioniert der Normalbetrieb auch trotz reduzierter Fliegerstaffel weiter. Sogar die Ausweitung des Flugpolizeidienstes von heute 8 bis 18 Uhr an fünf Tagen die Woche auf einen 24-Stunden-Betrieb an allen sieben Wochentagen sollte klappen.

Druck auf Parmelin

Einzig im Krisenfall ist die Durchhaltefähigkeit der Luftwaffe reduziert. Aus diesem Grund will Corina Eichenberger, Präsidentin der Sicherheitspolitischen Kommission (SiK), die Kampfjet-Beschaffung vorantreiben. «Das Evaluationsverfahren muss verkürzt werden. Deshalb muss Bundesrat Guy Parmelin nochmals über die Bücher.» Der Verteidigungsminister hat nach dem Gripen-Nein ein breit abgestütztes Auswahlverfahren gestartet. Demnach wären neue Jets frühestens 2025 einsetzbar.