Schweiz

Wie Kinderschänder William W. den Behörden auf der Nase herumtanzen konnte

Ohne Fussfesseln unterwegs: Kinderschänder William W. narrt Justiz

Ohne Fussfesseln unterwegs: Kinderschänder William W. narrt Justiz

Der rückfallgefährdete Pädophile wurde unter strengen Auflagen aus dem Gefängnis entlassen. William W. führte die Solothurner Behörde allerdings regelrecht an der Nase herum und verging sich an weiteren Kindern. Die Solothurner Regierung versuchte indes den Fall zu verschleiern.

Neue Details zum Fall des rückfälligen Kinderschänders William W. aus dem Kanton Solothurn zeigen: x-fache Verstösse gegen die Auflagen hatten keine Konsequenzen.

Immer drängender stellt sich die Frage, wie es geschehen konnte, dass der mehrfach vorbestrafte Solothurner Kinderschänder William W. trotz bekanntem Rückfallrisiko in die Freiheit gelassen wurde und wieder Kinder belästigen konnte. Seit Monaten beschäftigt der Fall Politik und Öffentlichkeit.

Jetzt hat der «Tages-Anzeiger» neue Details offengelegt, die ein schiefes Licht auf die zuständigen Behörden werfen. Denn offenbar konnte W. trotz gerichtlich angeordneter Auflagen in der Freiheit quasi tun und lassen, was er wollte. So übernachtete er bei seiner Freundin statt im Wohnheim. Er hielt Drogentests nicht ein. Seine GPS-Überwachung schaltete er mehrfach aus. Und obwohl die Reise von den Behörden nicht bewilligt war, fuhr er mit einer Religionsgemeinschaft 2017 mehrere Tage nach Belgien. Die Fussfessel nahm er ab.

Die Behörden hatten eine Ahnung, was folgen könnte

Folgen hatten alle diese Verstösse gegen die Auflagen auch nach mehr als einem Dutzend Ermahnungen nicht. Schliesslich eröffnete W. ein Restaurant gegen den Willen der Behörden. Schon zuvor war er in eine Glaubensgemeinschaft eingetreten. Die Behörden hatten laut «Tages-Anzeiger» Bedenken, dies gebe ihm ein Umfeld für weitere Übergriffe. Und genau dazu kam es auch. W., der bereits in den 1990er-Jahren Kinder angefasst und 2006 ein Mädchen geschändet hatte, vergriff sich erneut.

Drei Kinder sollen betroffen sein. Ein Fall soll sich in der Oltner Friedenskirche abgespielt haben. Die Informationen des «Tages-Anzeigers» beruhen auf bisher geheimen Stellen eines Untersuchungsberichtes zum Fall. Diesen hatte die Solothurner Regierung nur zu gewissen Teilen - und auch dies nur widerwillig veröffentlicht. Die zuständigen Regierungsräte verteilten ursprünglich nur eine rudimentäre Zusammenfassung des Berichtes und verkündeten mündlich, es seien keine Fehler passiert. Das wars. Mehr Einsicht sollte die Öffentlichkeit in die Untersuchung nicht erhalten. Schon für weitergehende Einblicke waren Verfahren per Öffentlichkeitsgesetz nötig.

"Man will Behördenfehler unter den Tisch wischen"

Die SVP hatte den Untersuchungsbericht bereits damals als «Gefälligkeitsgutachten» bezeichnet. Nun kritisiert die Solothurner Kantonalpartei erneut: «Die enormen Bemühungen zur Nicht-Veröffentlichung von Details sind offensichtlich. Man wollte peinliche Behördenfehler unter den Tisch wischen. Es durfte nicht offenbart werden, wie ein Pädophiler den Behörden regelrecht auf der Nase herumtanzen konnte.»

Dass William W. überhaupt frei kam, entschied sich 2014, als entschieden wurde, ob die Therapie in einer geschlossenen Anstalt verlängert wird. Die Behörden gingen davon aus, dass sich der Mann therapieren lässt, und beantragten deshalb keine Verwahrung. Eine deutlich zu optimistische Annahme, wie sich später im Verfahren herausstellte. Doch als dies klar wurde, konnte die Verwahrung aus verfahrenstechnischen Gründen nicht mehr beantragt werden. Die mit der Untersuchung beauftragten beiden Experten kamen schliesslich zum Schluss, dass die Behörden «aufgrund der bundesrechtlichen Vorgaben in eine Sackgasse» geführt worden seien.

Den Behörden hätten aufgrund des geltenden Rechts jegliche Sanktionsmöglichkeiten gefehlt, als sich W. weigerte, die Auflagen einzuhalten. Tatsächlich sind diese Probleme erkannt. Bereits in den nächsten Wochen will der Bundesrat eine Gesetzesänderung in die Vernehmlassung schicken. Demnach will man künftig verhindern, dass Täter, von denen noch eine gewisse Gefahr ausgeht, ohne Vorbereitung und Sanktionsmöglichkeiten freigelassen werden.

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