Evaluation
Wie SVP-Nationalrat Hurter die Kampfjet-Pläne vor einem Absturz bewahren will

Kampfjet-Beschaffung: SVP-Nationalrat Hurter fordert, Ressourcen in Vertragsverhandlungen zu setzen.

Othmar von Matt
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Die neuen Kampfjets sollen nur minimal evaluiert werden. Peter Klaunzer/Keystone

Die neuen Kampfjets sollen nur minimal evaluiert werden. Peter Klaunzer/Keystone

KEYSTONE

Alle drei Kampfjets – Gripen, Rafale und Eurofighter – wurden in je 26 Flügen getestet. Testpiloten der Armasuisse führten technische Messungen durch, Testpiloten der Luftwaffe beurteilten die Flieger operationell. Auch Lärmmessungen gehörten zum Programm. Die Eidgenössische Materialprüfungsanstalt (Empa) wertete sie aus. Bis zu 40 Personen beschäftigten sich ab 2008 über zwei Jahre hinweg mit der Evaluation der Kampfjets. Sie kostete 8 Millionen Franken.

Einen derartigen Aufwand will SVP-Nationalrat und Pilot Thomas Hurter bei der anstehenden Beschaffung von Kampfjets verhindern. «Armasuisse sollte diesmal die Evaluation – das Sammeln technischer Daten – aufs Minimalste beschränken», fordert der Sicherheitspolitiker. «Das Verteidigungsministerium VBS will ja einen Flugzeugtypen, der eine vernünftige Marktdurchdringung hat.»

Alle Kampfjets sind erprobt

Zur Diskussion stehen vor allem der F/A-18 Super Hornet und die drei Typen, die bereits für die Tiger-Nachfolge evaluiert worden waren: Eurofighter, Rafale und Gripen. Der F/A-18 Super Hornet könnte als Nachfolgemodell des heutigen Schweizer Kampfjets für Kontinuität sorgen. Der Eurofighter Typhoon ist ein bewährter Kampfjet. Den französischen Rafale haben inzwischen mehrere Länder beschafft. Und auch der vor der Abstimmung 2014 als «Papierflieger» verspottete Gripen E/F hat mit Brasilien einen grossen und wichtigen Kunden gefunden.

«Die diversen Kampfjets sind erprobt durch andere Luftwaffen», sagt Hurter. «Wir können uns eine zweijährige Evaluation schenken. Da die Zeit für die Erneuerung der Luftwaffe drängt, müssen wir neue Wege gehen.» Für ihn ist klar: Je länger der Prozess eines Grossprojekts wie die Beschaffung von Kampfjets dauert, desto absturzgefährdeter ist er. Die Schweiz sollte die Zeit nutzen und die Ressourcen verstärkt in die Vertragsverhandlungen setzen, sagt Hurter. Dabei müssten folgende Fragen geklärt werden: Was geschieht, wenn ein Hersteller die versprochenen Leistungen nicht erbringt? Was, wenn ein Hersteller Verspätungen hat bei den Lieferungen der Kampfjets? Welche Formen der Zusammenarbeit gibt es? Gibt es gemeinsame Trainingsmöglichkeiten? Wie hoch sind die Kosten einer Lieferung in Tranchen? Wie sehen mögliche Offset-Geschäfte aus? Wie hoch sind die Betriebskosten? «Diese machen, auf den ganzen Lebenszyklus der Flugzeuge betrachtet, rund zwei Drittel der Kosten aus», sagt Hurter.

Armasuisse müsse seine Arbeitsweise anpassen, sagt Hurter. Waffensysteme würden immer komplexer, weshalb Evaluationen mehr Experten benötigen. Die Schweiz könne es sich aber «nicht mehr leisten», zwei Jahre lang Daten zu sammeln wie letztes Mal. Hurter: «Das Resultat war eine Rangliste mit den drei Kampfjets.» Die Daten müssten vom Vertragspartner übernommen werden. «Falls Leistungen nicht dem vereinbarten Vertrag entsprechen, kann man nur so entsprechende Massnahmen ergreifen.»

Beim Verteidigungsministerium (VBS) beurteilt man das allerdings ganz anders. «Es führt für die Erneuerung der Mittel zum Schutz des Luftraumes eine umfassende Evaluation durch, damit die Schweiz das für sie am besten geeignete Kampfflugzeug zu einem kompetitiven Preis beschaffen kann», sagt Sprecher Lorenz Frischknecht. «Eine Verkürzung der Evaluation oder gar ein Verzicht würde zulasten der Nachweisführung gehen, ob sich Flugzeug X oder Flugzeug Y besser für die Schweiz eignet», sagt er.

Es gehe auch darum, die Angaben der Hersteller zu verifizieren, zumal die besondere Topografie der Schweiz zu berücksichtigen sei. «Zudem ist es aus unserer Sicht ein grosser Vorteil bei der Preisverhandlung», sagt Frischknecht, «wenn Konkurrenz unter den Anbietern besteht und wir gute Kenntnisse über das betreffende Flugzeug haben». Stärken und Schwächen eines Flugzeugs im Detail zu kennen, stärke die Position in den Preisverhandlungen.

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