Zürcher Schulen verbieten iPods

Der Gebrauch von iPods und ähnlichen Elektronikgeräten ist künftig an Stadtzürcher Primar-, Sekundarschulen und Kindergärten verboten – auch auf den Pausenplätzen. Das Verbot sorgt für Kopfschütteln.

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Zürcher Schulen verbieten MP3

Zürcher Schulen verbieten MP3

Matthias Scharrer

Strikte Regeln für Gross und Klein – das bringt die neue Hausordnung für die Schulanlagen der Stadt Zürich. So heisst es in dem Papier, das dieser Zeitung vorliegt und kommenden Sommer in Kraft tritt: «Mobiltelefone, MP3-Player und andere elektronische Geräte dürfen von Schülerinnen und Schülern im Schulhaus und während der Pausen auch auf den Aussenanlagen nicht benützt werden. Die Geräte müssen ausgeschaltet und nicht sichtbar versorgt werden.» Und weiter in schönstem Amtsdeutsch: «Bei Verstoss gegen diese Regelung kann das Gerät vom Schulpersonal konfisziert und zur Abholung durch die Erziehungsberechtigten bereitgehalten werden.»

«MP3-Verbot ist mir nicht klar»

Für leichtes Kopfschütteln sorgt die neue Vorschrift bei Ernst Weibel, Präsident des Stadtzürcher Schulkreises Letzi: «Das MP3-Verbot ist mir auch nicht ganz klar», sagt er. Und mutmasst: «Diese Geräte sorgen immer wieder für Streitereien, manchmal auch Diebstahl.» Die Idee hinter dem Verbot sei es wohl, grundsätzlich auf elektronische Geräte zu verzichten, da sie die Schüler ablenkten. Auch wenn sie nur benutzt werden, um auf dem Pausenplatz Musik zu hören: «In der Pause sollten sich die Jugendlichen entspannen und miteinander reden», findet Weibel.

Problemlos nachvollziehen kann er das Handy-Verbot: «Einzelne Schüler plagen einander, indem sie SMS mit Inhalten verschicken, die unter der Gürtellinie sind.» Hinzu kämen Downloads von teilweise pornografischen Inhalten aus dem Internet. Auch für Drogenhandel könnten Handys an Schulen genutzt werden. «Daher ist es besser, wenn die Handys ausgeschaltet bleiben», so Weibel.

Federführend bei der neuen Hausordnung für Schulen war das Schul- und Sportdepartement der Stadt Zürich. «Handys und MP3-Player, das lässt sich heute nicht mehr trennen», erklärt Adrian Scheidegger, Leiter der Abteilung Betrieb und Infrastruktur im städtischen Schulamt. Man habe daher eine einheitliche Lösung für den Umgang mit den kleinen Multimedia-Geräten gesucht.

Patrouillen

Die Durchsetzung des Verbots sei allerdings eine Herausforderung. Dies gelte auch für die aus Scheideggers Sicht wichtigste Neuerung: Die neue Hausordnung gilt für sämtliche Nutzer von Schulhaus-Arealen inklusive Aussenanlagen. So wolle die Stadt Problemen mit Abfall, Vandalismus, Alkoholkonsum und Lärmbelästigung rund um Schulen begegnen. Neben der Polizei machen auch private Sicherheitsdienste Kontrollgänge. Erfolgreich: «Seit sie nachts sporadisch an allen Stadtzürcher Schulen ihre Touren machen, haben wir weniger Schäden», sagt Schulkreispräsident Weibel.

Rauchverbot für Lehrer

Auch die Lehrkräfte müssen mit der neuen Hausordnung Einschränkungen in Kauf nehmen. Denn das Rauchverbot auf den gesamten Schularealen gilt neu auch für sie. Allerdings nicht ganz strikt: «Die Schulkonferenz kann vorsehen, dass das Schulpersonal in einem von den übrigen Räumen abgetrennten Raum des Schulhauses rauchen darf», heisst es in der städtischen Schul-Hausordnung.