Die Post will mit einer Privatkunden-Kampagne sein Image aufpolieren. Dazu wird schweizweit in 19 Poststellen, Agenturen und zwei Paketautomaten der Schriftzug «Post» durch den Vornamen eines Kunden oder Mitarbeiters ersetzt.

Dazu sagt Post-Mediensprecher Oliver Flüeler auf Anfrage: «Es ist eine Werbekampagne, die darstellen soll, dass die Post heute mit ihren zahlreichen alternativen Zugangsmöglichkeiten näher an den Bedürfnissen der Menschen und damit auch näher denn je an deren Leben ist.»

Diese Bedürfnisse der Kunden haben sich laut Flüeler mit dem digitalen Wandel verändert. «Immer weniger Kunden besuchen unsere Filialen – stattdessen können sie heute mit wenigen Klicks im Internet oder auf ihrem Smartphone vieles einfacher erledigen.»

Kontroverse Reaktionen

Die Kampagne läuft seit rund drei Wochen und dauert noch bis Ende April. Die Post-Agenturen sind dabei in dörflichem Gewerbe untergebracht. So zum Beispiel in einer Papeterie oder im Dorflädeli. Bereits jetzt hat die Idee des gelben Riesen kontroverse Reaktionen hervorgerufen. Die Umbenennung der Zürcher Sihlpost in «Andreas» sorgte für scharfe Kritik. Auch die Post-Agentur in Lenzburg trägt einen neuen Namen: Sie heisst neu Anita, was bei vielen Aargauer Kunden für Unverständnis sorgte. «Näher am Kunden...?? Was für eine Realsatire, die Post ist sogar physisch weiter weg vom Kunden als je zuvor» schrieb ein az-Leser in der Kommentarspalte.

«Dass die Reaktionen durchzogen sind, ist üblich bei Kampagnen und haben wir erwartet», sagt Flüeler. Wichtig sei, dass sie auffalle. «Das Logo sieht wie der Schriftzug der Post aus, hat dann aber doch einen Überraschungseffekt.»

Auch in drei Solothurner Gemeinden heisst die Post jetzt anders. Die Post im Dorflädeli in Niederbuchsiten lautet neu «Markus». Diejenige in Metzerlen trägt den Namen «Fritz» und die Filiale in Aedermannsdorf heisst nun «Adrian».

Win-win-Situation?

Gemäss der Gewerkschaft Syndicom hat die Post das Ziel, schweizweit 600 Filialen zu schliessen. Im Kanton Solothurn gibt es derzeit noch 47 Poststellen. Syndicom rechnet damit, dass diese Zahl über kurz oder lang auf das gesetzliche Minimum reduziert wird. Demnach müssten – im schlimmsten Fall – dereinst gerade noch folgende Poststellen offen bleiben: Balsthal, Breitenbach, Dornach, Grenchen 1, Kriegstetten, Niedergösgen, Oensingen, Olten 1 und Solothurn 1.

Will die Post mit der Werbekampagne auch der Kritik gegen die Schliessungen entgegenwirken? Flüeler verneint. Es gehe lediglich darum, sich den veränderten Kundenbedürfnissen anzupassen – und diese seien nun mal heutzutage digital ausgerichtet. Deshalb müsse auch die Post Alternativen für ihre Dienstleistungen finden und diese bekanntmachen.

Gleichzeitig betont er auch die Vorteile einer Kooperation: «Mit einem Schalter im Dorflädeli unterstützen wir auch das dörfliche Gewerbe.» Oft komme es vor, dass diese ebenfalls mit tiefen Kundenfrequenzen zu kämpfen hätten, weshalb das Teamwork vor Ort eine Win-win-Situation für alle Beteiligten sei.