Solothurner Biertage
Bier war früher eher eine Sache der Frauen

Heute sind Biertrinker in der Mehrheit Männer. Warum eigentlich? Waren doch Frauen lange Zeit in der Bierherstellung führend. Eine ganz persönliche Betrachtung anlässlich der Solothurner Biertage.

Fränzi Rütti-Saner
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Frau ist fast allein unter Männern, wenn sie sich an den Solothurner Biertagen ein kühles Helles gönnt.

Frau ist fast allein unter Männern, wenn sie sich an den Solothurner Biertagen ein kühles Helles gönnt.

Hanspeter Bärtschi

Frauen und Bier – eine nicht ganz unbelastete Beziehung. Während fast alle Männer sich gerne dem Biergenuss hingeben, ist die Damenwelt gespalten. Es gibt Frauen, die geniessen das Hopfengetränk ausserordentlich gerne und sind auch den bittersten Sorten durchaus nicht abgeneigt. Dann gibt es diejenigen, die nur bei heissem Wetter sich hin und wieder eine Stange oder eher ein Panache bestellen. Und es gibt eine Gruppe, die mit Bier überhaupt nichts anfangen kann. So auch ich. Schon manche Sorte wurde mir zum Verkosten vor die Nase gesetzt, doch bisher konnte mich keine – ob ober- oder untergärig – begeistern. Warum bloss?

Eigentlich bin ich neuen Geschmäckern nicht abgeneigt. Doch der Biergeschmack ist einfach meine Sache nicht. Hat das noch andere Gründe, vielleicht gar Generationen-bedingte? Denn ich beobachte, dass junge Frauen heute öfter und ungeniert in der Öffentlichkeit Bier trinken, als ich das in meinen jungen Jahren erlebte. Meine Aversion gegen das Bier änderten auch Reisen ins Land des Bieres, nach Deutschland, nicht. Auch in Köln, im Ruhrgebiet oder im Osten unseres Nachbarlandes konnte mich kein Gebräu umstimmen. Selbst dann nicht, als man mir vor Augen führte, wie ernst man es heute noch mit dem Reinheitsgebot von 1516 nimmt.

Heute versuchen bekanntlich einige Brauereien mit feminin angehauchten Bierkreationen, die weiblichen Konsumenten für sich zu gewinnen. Süss sind diese «Biere», mit einem Hauch von Früchten, und die Werbung verspricht, sich mit dem Genuss dieser Getränke in fröhlicher Runde besonders beliebt zu machen. Doch ich frage mich nur: Braucht Frau das wirklich?

Ein Text der Staunen lässt

Beim Stöbern nach den Gründen für die anteilmässig immer noch schwache weibliche Beteiligung beim Biertrinken kam mir ein Text in die Hände, der mich staunen liess. «Einst war das Brauen Frauensache», heisst es da, und weiter wird berichtet, dass in der Geschichte des Biers bekanntlich die Klosterbrauereien eine bedeutende Rolle gespielt haben, auch die der Nonnenklöster. «Nicht etwa ein Abt habe sich als Erster wissenschaftlich über die Brauereikunst ausgelassen. Es war eine Äbtissin: Hildegard von Bingen.» Diese bedeutende Benediktinerin schrieb als Erste darüber, was der Hopfen im Bier bewirkt.

Doch war die heilige Hildegard keineswegs die allererste Frau, die sich ums Bier kümmerte. Schon bei den Germanen war das Brauen reine Frauensache, und in den Brauhäusern des frühen Mittelalters sah man nur Frauen. So gehörte damals ein Braukessel in die Mitgift jeder Frau und es war Sitte, dass die Hausfrau, die Bier gebraut hatte, ihre Geschlechtsgenossinnen zu einem «Bierkränzchen» einlud. Während es bei diesen Kränzchen gesittet zuging, sorgte in den so genannten Weiberzechen und Weiberschulen das Bier für ausgelassene Stimmung, denn dies waren Orte, in denen nur Frauen zugelassen waren.

Nicht selten standen Frauen auch städtischen Brauereien vor. In Strassburg wurde 1358 von sieben Brauereien eine von Frauen betrieben, und in Oxford überwogen im Jahr 1439 die im Braugewerbe arbeitenden Frauen die Anzahl der Männer. Bier hatte damals einen geringeren Alkoholgehalt als heute. So ist bekannt, dass man den gebrauten Saft auch gerne kleinen Kindern verabreichte. Einerseits waren sie damit ruhig(er) gestellt, und andererseits war das Bier, bedingt durch seinen Herstellungsprozess, die einzige Flüssigkeit, die einigermassen keimfrei war, was man beim damaligen Wasser nur bedingt behaupten konnte.

Heute ist das Biertrinken zum Trend geworden. Die soeben zu Ende gegangenen 10. Biertage und deren Publikumsandrang in Solothurn beweisen es. Denn wer trifft sich in Zeiten des virtuellen Kennenlernens und Facebook nicht gerne zum Feierabendbier an der Theke – ausser eben einem Biermuffel wie ich.

Quelle: Wikipedia; Monninghoff, Rezepte der Äbte. vgs-Verlag.