Sieben Geschichten aus dem Alltag dementer Menschen hat der langjährig als Heimarzt und Geriater tätige Christoph Held in seiner Publikation «Wird heute ein guter Tag sein?» feinfühlig erzählt. Ausschnitte davon las er bereits an den letzten Solothurner Literaturtagen. «Mein Buch soll vor allen Dingen eine Hommage an Angehörige und an Sie als hautnah Pflegende sein», wandte sich Held an sein gebannt zuhörendes Publikum in der Aula des Bürgerspitals Solothurn. «Ich bewundere ihre Tätigkeit!»

Verlust von Hirnfunktionen

«Früher, bis vor rund 30 Jahren sprach man von Arteriosklerose, heute heisst die Abnahme geistiger Fähigkeiten Demenz», erläuterte Held. Doch zunehmend greife die Bezeichnung «Vaskuläre Demenz» oder «Alzheimersches Syndrom». Das Krankheitsbild sei indes keinesfalls einheitlich, denn neurologisch betrachtet erweise es sich als komplexes Geschehen, weil der Zustand des Erkrankten wechselhaft verlaufe.

In seinen weiteren Ausführungen ging es Held nicht um den neuesten Wissensstand oder aktuelle Demenz-Diagnostik, sondern er zeigte anschaulich, was sich im Gehirn der oder des Erkrankten als sogenannt «dissoziatives Geschehen» abspielt. Bei diesem Verlust von Hirnfunktionen geht über Stunden oder dauerhaft die «Bewusstheit seiner selbst» verloren, weil zwischen Hirnregionen keine Verknüpfungen mehr stattfinden. Dies führe zu unterschiedlichsten Fehlleistungen, wie sie Pflegepersonen tagtäglich erleben. «Die Demenzbetreuung muss auf viele Zeichen reagieren», machte Held an praktischen Beispielen aufmerksam. So empfahl er, dass ein gelingender Alltag ohne Konflikte in Begleitung und Unterstützung leichter werde, «wenn wir dabei sind, ohne etwas zu wollen».

Demografie

Auch wenn Demenz nicht nur eine Alterserscheinung ist, wie Helds spätere, erschütternde Leseprobe über einen 58-Jährigen mit einer Frontalhirndemenz zeigte, so sollte doch die gesamte Gesellschaft angesichts der längeren Lebensdauer über das Krankheitsfeld Bescheid wissen. Pflegende Angehörige sollten in ihrer anspruchsvollen Tätigkeit deutlicher, auch finanziell, entlastet und Pflegekräfte bei dieser anstrengenden Aufgabe besser entlöhnt werden, befand der Referent. Demenz-Pflegearbeit müsse aufgewertet werden und zu Lösungen führen, die politisch und ökonomisch gewollt sein müssen. Held streifte «hilfreiche Tricks» in der Begleitung Erkrankter und modulare Weiterbildungen, wie sie das Rote Kreuz anbietet. Namens der einladenden Rot-Kreuz-Organisation Solothurn eröffneten Katharina Simoneit und Luzia Stocker als Verantwortliche der SRK-Lehrgänge den zum fünften Mal stattfindenden Pflegetreffpunkt als «Dankeschön für wichtige Pflegearbeit».