Solothurn

«Es ist noch lange nicht normal»: Der Alltag ist in vielen Kitas noch nicht eingekehrt

Eltern müssen die Kinder bis zur kompletten Rückkehr zur Normalität jeweils vor der Kita abgeben

Eltern müssen die Kinder bis zur kompletten Rückkehr zur Normalität jeweils vor der Kita abgeben

Mit den Lockerungen vom 27. April sollte in die Kindertagesstätten der Alltag zurückkehren. In vielen Kitas ist das noch nicht der Fall.

Die Kitas haben mehr als sechs Wochen Ausnahmezustand hinter sich. Zwar konnten die Stadtsolothurner Kitas die Krise mit mehr oder weniger finanziellen Mitteln und den Hilfeleistungen des Kantons überbrücken. Zu Kündigungen ist es bisher nicht gekommen. Doch die erhoffte Normalität, die mit den Lockerungen vom 27. April einsetzen sollte, lässt noch auf sich warten.

«Es ist noch lange nicht normal», sagt Manuela Gerber. Die Leiterin der Kinderkrippe Giraffe vom gleichnamigen Verein konnte bereits vor den Lockerungen kein Notangebot zusammenstellen. «Wir waren bereit dafür», aber die Nachfrage bei den Eltern sei einfach zu klein gewesen. Auch nach der Lockerung am 27. April habe sich das kaum geändert. In der ersten Woche sei nicht viel Betrieb gewesen. «Die Infos für die Lockerung kamen zu kurzfristig», sagt Gerber. Die Eltern hätten sich bereits anders organisiert. Erst diese Woche kann die Krippe den Betrieb wieder hochfahren, doch sie ist nur zur Hälfte ausgelastet. Und selbst mit den Hilfeleistungen des Kantons und Kurzarbeit sei der Betrieb nicht kostendeckend. Gerber beklagt zwar keine Abmeldungen der Eltern. Es sei aber schwieriger geworden, neue Kunden zu ­gewinnen.

Viele Abmeldungen und keine Neuanmeldungen

Auch die Kita Royal Kids Club GmbH hat Mühe, zur vollen Kapazität zurückzukehren. «Es ist keine einfache Zeit», sagt Inhaberin Gabriela Tommasini. Momentan sei die Auslastung etwa wie vor der Krise, aber rund ein Drittel der Kinder werden ab dem Sommer nicht mehr in die Kita kommen. Viele wechseln in den Kindergarten oder werden in Zukunft anders betreut. «Diese Kündigungen sind normal, aber dieses Jahr sind sie viel früher eingegangen als erwartet.» Neuanmeldungen hingegen habe es keine gegeben. «Ab dem Sommer müssen wir kämpfen», sagt Tommasini und relativiert gleichzeitig: Dank der Soforthilfe vom Kanton, dem Überbrückungskredit und der Kurzarbeit für ihre Mitarbeiter könne sie die Zeit überbrücken und Kündigungen verhindern. Sie hoffe aber auf Neuanmeldungen nach der Wiedereröffnung der Schulen am 11. Mai. «Wir wollen ganz klar weiterbestehen», sagt sie. Wichtig sei es momentan aber, dass die Kinder wieder in ihren gewohnten Alltag zurückkehren können. Auch wenn dieser durch die zusätzlichen Hygienemassnahmen etwas anders aussieht. «Es geht immer irgendwie weiter. Unsere Arbeit ist ­wichtig.»

Wieder zurück in den Alltag?

Etwas Ähnliches wie den gewohnten Alltag gibt es auch im Tagesheim Ziegelmatte des Vereins Schwesterngemeinschaft Seraphisches Liebeswerk Solothurn. Wenn auch ohne Mittagessen, wie Leiterin Judith Cotting sagt. Die Betreuung sei in zwei Halbtagesgruppen aufgeteilt worden, um die Hygiene den Umständen entsprechend gewährleisten zu können. So kommen täglich jeweils fünf Kinder am Morgen und fünf andere Kinder am Nachmittag in die Kita. Das Mittagessen gibt es zu Hause. «Das ist alles andere als normal bei uns», sagt Cotting. Normalerweise betreut die Kita etwa zwölf Kinder den ganzen Tag hindurch. Aber die Leiterin ist froh, weil praktisch alle Eltern das Angebot nutzen. Unklar bleibe jedoch, ob sie nach dem 11. Mai auch Schüler annehmen können beziehungsweise, wie die Kita das organisatorisch meistern wird. Cotting findet die jetzige «Übergangsphase» jedoch pädagogisch sehr wertvoll für die Kinder, weil man sich wieder gegenseitig sieht und langsam zur Normalität zurückkehren kann.

Über das Wiedersehen haben sich auch die Kinder der Kita Lorenzen von der Stiftung Tagesheim Lorenzen gefreut, wie Leiterin Denise Arber sagt. Ihre Kita und die beiden Hexenburg und Tubeschlag von der Stiftung 3FO sind wohl am glimpflichsten durch die Krise gekommen. «Wir waren überrascht, wie gut es angelaufen ist», sagt Arber. Alle drei Kitas sind nahezu komplett ausgelastet und erwarten nach der Wiedereröffnung der Schulen die Rückkehr zum Normalzustand. «Ich bin zuversichtlich, dass alles gut kommt», sagt Arber. Auch der Geschäftsführer der Stiftung 3FO, Burkhard Behr, ist zuversichtlich. Aber er macht sich auch Sorgen. «Die Notwendigkeit für unseren Betrieb ist gegeben. Aber was, wenn wir zu sorglos werden?»

Unsicherheit bleibt trotz Lockerungen

Die Frage um die nahe Zukunft verunsichert alle befragten Kitas. Was geschieht bei einer erneuten Welle oder wenn sich jemand mit dem Virus ansteckt? Eine erneute Schliessung wäre für viele verheerend.

Dementsprechend streng werden die Hygienemassnahmen befolgt. Dazu gehören beispielsweise, dass die Eltern ihre Kinder vor der Kindertagesstätte abgeben müssen, dass weniger Spielsachen zur Verfügung gestellt werden und alle nach dem Gebrauch desinfiziert ­werden müssen, noch häufigeres Händewaschen oder auch das Maskentragen unter den ­Betreuern.

Daher ist auch in kommender Zeit nicht von Normalität in den Kitas zu sprechen. Man ist aber dankbar für die Wertschätzung, die ihnen während der Krise entgegengebracht wird. «Ich wünsche mir, dass die Öffentlichkeit auf die Kitas sensibilisiert wurde», sagt Kitaleiterin Denise Arber.

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