Gastronomie

Gastro Solothurn: «Die Lage ist wetter-, politik- und menschenabhängig»

Gäste essen wegen Corona lieber in Aussenbereichen von Restaurants. Im Herbst sind diese aber zu.

Gäste essen wegen Corona lieber in Aussenbereichen von Restaurants. Im Herbst sind diese aber zu.

Der Sommer vermochte die Einbussen während des Lockdowns nicht wettzumachen – der Herbst stellt Betriebe vor neue Herausforderungen.

Im Sommer wurden Höchsttemperaturen gemessen, das Wetter lud zum Rausgehen und Wandern ein. Wie erlebte die durch die Coronakrise geschädigte Gastronomiebranche im Kanton den Sommer und wie blickt sie den kommenden, kühleren Monaten entgegen? Roger Henz, Vizepräsident von Gastro Solothurn, zieht im Interview Bilanz. Dem kommenden Herbst blickt er mit gemischten Gefühlen entgegen. 

Herr Henz, wie kam die Gastronomie im Kanton Solothurn durch den Sommer?

Roger Henz: Die Situation über den ganzen Kanton abzuschätzen ist schwierig, da sich mein Betrieb im Schwarzbubenland befindet. Hier bedienten wir sehr viele Wanderer und Ausflügler, die von zu Hause weg wollten. Wir waren gut besetzt. Wie ich gehört habe, ist die Lage in den grösseren Ortschaften problematischer. In den Restaurants der Stadt Solothurn gab es immer wieder Probleme mit der Einhaltung des Schutzkonzepts, da viele Menschen auf engem Raum aufeinandertreffen, wodurch sich das Einhalten der Massnahmen schwieriger gestaltet. Eine schwierige Zeit hatten auch Betriebe, welche mehrere Standbeine haben: Hotels laufen aufgrund fehlender Touristen schlechter und Catering braucht es momentan gar nicht, da kaum Seminare und keine Grossanlässe veranstaltet werden.

Sie sprechen die Differenzen zwischen Stadt und Land an. Konnte aufgrund des schönen Wetters diesen Sommer nicht auch in den Städten einiges an Umsatz reingeholt werden?

Ich denke, dass Restaurants mit Aussensitzplätzen auch in der Stadt gut besucht waren. Da die Platzverhältnisse aber vorgeben, wie viele Gäste im Aussenbereich bedient werden können, bleibt die Situation für gewisse Betriebe schwierig. Auf dem Land hingegen konnten die meisten Betriebe alle Plätze draussen bedienen. Diesen Sommer lief es bei uns ziemlich gut.

Konnten diesen Sommer die Verluste aufgrund des Lockdowns wettgemacht werden?

Nein, das glaube ich nicht. Die meisten Restaurants stellten während des Lockdowns auf Take-away um und konnten so den Schaden minimieren. Hierbei wurde aber sehr viel Essen und nur wenige Getränke verkauft; die Marge bei den Getränken ist deutlich besser. Sprich: Der erste Blick sieht gut aus, beim zweiten Blick ist der Gewinn jedoch kleiner.

Wie ist momentan die Stimmung in der Gastrobranche, wie blickt man dem Herbst entgegen?

Am Dienstag machte sich etwas Unruhe breit, da der Kanton Bern die Maskenpflicht in Restaurants eingeführt hat. Dass seit dem Herbsteinbruch weniger Gäste kommen, merken wir auf dem Land bereits. Es wird schneller dunkel, das Wetter ist nicht so toll und abends muss man oft schon drinnen sitzen; dabei ist es einigen Gästen schon nicht mehr wohl. Viele Beizer bangen deswegen um ihren Umsatz.

Welche Konsequenzen hätten strengere Regeln für die hiesigen Restaurants?

Die Gäste würden weniger kommen. Solothurn grenzt vielerorts an einen anderen Kanton. Im Schwarzbubenland, welches an Baselland grenzt, merkt man beispielsweise bereits in den Läden, dass die Menschen nicht bei uns, sondern in Laufen einkaufen. Das könnte auch bei den Restaurantbetrieben der Fall sein.

Am 31. Juli veröffentlichte das BAG eine Analyse, welche die meisten Ansteckungen bei Clubs, Bars und Restaurants verortete. Zwei Tage danach wurde der Fehler korrigiert, die meisten Ansteckungen fanden im familiären Umfeld statt. Hatten diese falschen Zahlen Konsequenzen für die Branche?

Ja. Wenn solche Dinge veröffentlicht werden, sorgt dies bei den Gästen für Unsicherheit. Zudem können Clubs und Restaurants nicht in denselben Topf geschmissen werden. Der Verunsicherung der Gäste liegt aber auch zugrunde, dass jeder Kanton seine eigenen Regeln hat. Dann wissen die Leute langsam nicht mehr, was richtig und was falsch ist. Gäbe es einheitliche Regeln, wäre es einfacher.

Zu Beginn der Krise boten viele Betriebe Lieferservice und Takeaway an. Läuft dieser (neue) Geschäftszweig noch?

Mit dem Lieferservice hörten die meisten Restaurants auf, da dieser bei der Wiedereröffnung sofort in sich zusammenfiel. Das Take-away hingegen läuft noch immer nicht schlecht. Dass man dieses aufgrund der Krise besser kennen lernte, war für die Branche ein Pluspunkt.

Der Lockdown ist nun rund sechs Monate her. Gab es bereits eine Welle an Konkursen?

Einige Betriebe gingen bereits Konkurs, rund 20 Prozent halten sich noch knapp über Wasser. Kommt etwas Ausserplanmässiges, wird es diese Betriebe schnell treffen. Den fehlenden Umsatz in der kommenden Periode reinzuholen, in welcher das Wetter schlechter ist, es schneller dunkel wird und die Aussenplätze nicht mehr besetzt werden können, wird schwierig.

Wagen Sie für die kommenden Monate eine Prognose?

Das ist schwer zu sagen. Die Lage ist wetter-, politik- und menschenabhängig. Es könnte auch sein, dass erneut Falschmeldungen kursieren. Es gibt also viele Wolken und wenig Sonne. Wenn es jedoch so bleibt wie jetzt, sieht es nicht schlecht aus. Es ist mir wichtig zu sagen, dass die meisten Ansteckungen bei Privatanlässen passieren, wo die Schutzmassnahmen weniger eingehalten werden. In den Restaurants hingegen gilt ein Schutzkonzept, und der Abstand muss eingehalten werden. Die Gäste müssen also keine Angst haben. 

Roger Henz, 35, ist ausgebildeter Koch und seit diesem Jahr Vizepräsident von Gastro Solothurn. Im Jahr 2012 übernahm er die Leitung des sich seit vierzig Jahren im Familienbetrieb befindenden Restaurants Frohsinn in Nunningen im Schwarzbubenland.

Roger Henz, 35, ist ausgebildeter Koch und seit diesem Jahr Vizepräsident von Gastro Solothurn. Im Jahr 2012 übernahm er die Leitung des sich seit vierzig Jahren im Familienbetrieb befindenden Restaurants Frohsinn in Nunningen im Schwarzbubenland.

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