Nein, ein Spinner ist er eben doch nicht, der Seeländer Extremsportler Remo Läng. Nur tue er eben Dinge, die Herr und Frau Normalbürger nicht einfach so machen, erklärte er in seinem Referat an der Mia. Läng ist Base-Jumper, Fallschirmspringer und Taucher. Ihn fasziniere der dreidimensionale Raum. Remo Läng hat sich international einen Namen gemacht, weil er mit dem Wingsuit mehrere nationale und internationale Wettbewerbe gewonnen hat.

Das Wingsuit ist, wie der Name es sagt, ein Anzug mit Flügeln, die es erlauben, beim Sprung zu fliegen und nicht nur einfach gerade nach unten zu fallen, wie beim Fallschirmsprung. Konkret: Auf vier Meter Strecke in der Horizontalen sinkt man einen Meter nach unten. Vor der Landung bremse man etwas und löse den Fallschirm aus, der im Gegensatz zu «normalen« Fallschirmen aber über keinen Notschirm verfügt, so Läng. Das bedinge, dass man sich sehr genau vorbereiten müsse.

Das edle Teil ist aus diversen Materialien zusammengesetzt und auf den Mann massgeschneidert.

Remo Läng mit einem seiner Wingsuits

Das edle Teil ist aus diversen Materialien zusammengesetzt und auf den Mann massgeschneidert. 

«Vor allem die Videos im Internet geben ein völlig falsches Bild von dieser Sportart.» Läng zeigte ein Beispiel, ein millionenfach angeklicktes Video eines Base-Jumpers, der mit einem Wingsuit von den Kurfürsten springt und in Richtung Walenstadt saust, über Felskanten, zwischen Tannen hindurch und in rasantem Tempo durch eine Schlucht, teilweise nur wenige Meter über dem Boden – und das mit Tempo 200 - 250 km/h. Das gebe im Grunde nicht die Realität wieder, erklärte Läng. «Man kann nicht entscheiden, so, jetzt gehe ich noch mal schnell ein wenig mit dem Wingsuit fliegen. Dazu braucht es jahrelange Vorbereitung und auch die entsprechende Ausbildung».

Der Traum vom Fliegen

Er selber sei in seiner Jugend ein Lausbub gewesen, mit vielen Flausen im Kopf, so Läng. Aufgewachsen am Bielersee, habe er mit seinen Kollegen Tauchexperimente gemacht – zum Glück sei nie etwas passiert. Später im Oberland, wo seine Mutter und Grossmutter herstammen, habe er mit 12 Jahren das Sportklettern entdeckt, die Ausbildung habe er beim SAC gemacht. Aber schon als Bub sei es sein Traum gewesen, einmal fliegen zu können wie Superman. Und als die ersten Gleitschirme aufkamen, habe er gewusst, wohin es ihn ziehe. «Mit 15 machte ich meine ersten Flüge, mit 16 das Brevet.» Läng steckte seinen Lehrlinslohn und jede freie Minute in das teure Hobby, denn er baute und nähte sich schon damals die Schirme selber. Er absolvierte die fliegerische Vorausbildung und die RS als Fallschirmspringer und finanzierte sein Hobby mit Fallschirmsprüngen an Hochzeiten, Firmen-Events etc. .

1993 nähte er das Erste einer ganzen Reihe von Wingsuits. «Es war ein ständiges Tüfteln und ausprobieren, wie man die Anzüge noch verbessern konnte.» Er nahm an etlichen Wettbewerben teil, an denen sich die Piloten massen, wer zwischen 3000 und 2000 Metern weiter, länger oder schneller fliegt.

Ein schwieriges Unterfangen

Jahre später hatte Läng die Idee der Alpenüberquerung. Er wusste, dass ein Flug nur dort stattfinden konnte, wo er nur einen Kamm zu überfliegen hatte – er entschied sich, von Verbier nach Aosta zu fliegen. Die Vorbereitungen für diesen 26-Kilometer weiten Flug, den er mit einem speziellen Helm mit Sauerstoffversorgung absolvierte, dauerten ganze vier Jahre – ein Projekt, das er mit einem Team von 30 Personen plante. Dann endlich stimmte alles und die Bewilligungen waren vorhanden. Weil er von der Flugsicherheit einen freien Korridor benötigte, musste er vor sechs Uhr in der Früh springen. «Es war der Sprung meines Lebens», sagte Läng. «Als ich mich im Flug nach den ersten Sekunden bei minus 52 Grad Celsius etwas entspannen konnte, drehte ich den Kopf und sah in der Ferne das Meer – ein unvergesslicher Anblick!» Und das bei Tempo 500 km/h oder mehr in ultradünner Luft mit Rückenwind.

Läng hat noch andere Projekte erfolgreich durchgeführt, beispielsweise den Sprung aus einem Heissluftballon aus 8000 Metern Höhe, auch das ein Weltrekord. 

Ballonsprung mit Wingsuit Remo Läng - World Record 8000m

Ballonsprung mit Wingsuit Remo Läng - World Record 8000m

Der Seeländer weiss, was er tut: «Es geschieht ab und zu, dass ich nicht springe, weil mein Bauchgefühl nicht stimmt. Und ich gehe keine unnötigen Risiken ein, denn diesen Kick suche ich nicht. Vielleicht lebe ich deswegen noch, im Gegensatz zu vielen anderen.»