Untersuchung

Fast-Kollision im Landeanflug – Zwischenfälle am Flughafen Grenchen häufen sich

Der Tower in Grenchen arbeitet von 9 bis 17 Uhr. Danach verständigen sich die Piloten per Funk. Dieser Systemwechsel berge Risiken, sagt die Unfalluntersuchungsstelle.

Im Mai 2018 kam es zur Fast-Kollision zweier Flugzeuge beim Landeanflug auf Grenchen. Es ist kein Einzelfall.

Ein Geschäftsreiseflugzeug und einmotoriges Kleinflugzeug sind sich beim Anflug auf den Flugplatz Grenchen im Mai 2018 gefährlich nahe gekommen. Dies schreibt die Schweizerische Sicherheitsuntersuchungsstelle in einem am Montag veröffentlichten Bericht.

Zum schweren Vorfall kam es am 1. Mai 2018 um 17.05 Uhr. Das Geschäftsreiseflugzeug des Herstellers Embraer war vom Flughafen Belfast (Irland) gestartet und befand sich im Anflug auf Grenchen. Dort wollte auch ein einmotoriges Leichtflugzeug landen, das vom Flugplatz Wangen-Lachen SZ gestartet war.

Der Jetpilot plante, auf der Piste 24 zu landen - allerdings nicht wie üblich von Süden her. In Betrieb war eigentlich die Piste 6. Das hätte dem Piloten gemäss der Untersuchungsstelle klar sein müssen. Den Anflug dennoch auf die Piste 24 fortzusetzen, war risikoreich, da mit Gegenverkehr zu rechnen war. Die hohe Geschwindigkeit, mit der sich das Geschäftsflugzeug näherte, «war nicht zweckmässig», heisst es im Schlussbericht weiter.

Der Abstand betrug nur gerade 152 Meter

Der Pilot brach dann jedoch den nicht stabilisierten Anflug ab und leitete einen Durchstart ein. Dies sei im Lichte der möglichen Gefahr, aufgrund der hohen Anfluggeschwindigkeit möglicherweise das Pistenende zu überrollen, der richtige Entscheid gewesen, schreibt die Fachstelle. Dies habe jedoch zwangsläufig zur gefährlichen Annäherung an das Kleinflugzeug geführt. Das Geschäftsreiseflugzeug überflog diese Maschine im Steigflug um nur rund 152 Meter. Der eingeleitete Durchstart sei nicht auf der Frequenz angekündigt worden.

Durch das umsichtige Vorgehen des Platzverkehrsleiters und des Piloten des Kleinflugzeugs habe die gefährliche Annäherung entschärft werden können. Der Platzverkehrsleiter konnte die Besatzung von ihrem Vorhaben abbringen, einen zweiten Anflug auf die Piste 24 durchzuführen.

Gefährliche Annäherungen häufen sich

Diese gefährliche Annäherung zeigt gemäss Unfalluntersuchungsstelle exemplarisch, dass die Anzahl der gemeldeten Zwischenfälle betreffend gefährliche Annäherungen zwischen Luftfahrzeugen im Platzverkehr um den Flugplatz Grenchen seit der Einführung der «Radio Mandatory Zone» (RMZ) massiv zugenommen hat. Die RMZ ist ein Luftraum, in dem die Piloten per Funk ihre Absichten den anderen Luftverkehrsteilnehmern mitteilen. Dieses System gilt, wenn der die Flugverkehrskontrolle im Tower in Grenchen nicht mehr besetzt ist. Diese arbeitet von 9 bis 17 Uhr. Danach ändert die Betriebsform hin zur RMZ.

Das vorliegende Konzept des Flugplatzes berge insbesondere beim Wechsel der Betriebsform «umfassende Risiken», weshalb die Dringlichkeit einer gründlichen Überarbeitung gegeben sei, schreibt die Sust nun. Nach einer Laufzeit von zwei Jahren beendete das Bundesamt für Zivilluftfahrt (BAZL) das Pilotprojekt «Instrumentenanflug (IFR) ohne Flugverkehrskontrolldienst» auf dem Flugplatz Grenchen zeitweilig auf Ende März.

Wie aus dem Bericht hervorgeht, kam es im vergangenen Jahr im Rahmen des Projekts zu weiteren ähnlichen Vorfällen. Für den Zeitraum von April bis August wurden neun Fälle gezählt. So landeten mehrere Flugzeuge auf der Piste, die vom vorausfliegenden Flugzeug noch nicht freigegeben war. Und ein Pilot landete ohne Freigabe auf der Graspiste. (sda/szr)

Verwandtes Thema:

Meistgesehen

Artboard 1