1. August
Festrednerin Nicole Hirt: «Die Stadt Grenchen ist viel besser als ihr Ruf»

Im Stadtpark feierten am 1. August rund 300 Grenchnerinnen und Grenchner den Geburtstag der Schweiz. Festrednerin war die frisch gewählte Kantonsrätin und neue Grenchner Gemeinderätin Nicole Hirt.

Oliver Menge
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Die neu gewählte Kantons- und Gemeinderätin Nicole Hirt war Gastrednerin in ihrer Heimatstadt.

Die neu gewählte Kantons- und Gemeinderätin Nicole Hirt war Gastrednerin in ihrer Heimatstadt.

Oliver Menge

Stadtpräsident Boris Banga stellte bei seiner Begrüssung die Frage: «Wo muss man 2013 geboren werden, um ein gesundes, sicheres und erfolgreiches Leben führen zu können?» In der Schweiz. Diverse Faktoren wie unter anderen materieller Wohlstand, Lebenserwartung, politische Freiheit, Jobsicherheit, gesellschaftliches Leben, Staatsführung und Gleichstellung der Geschlechter waren von der englischen Zeitschrift «The Economist» ausgewertet worden, auf der daraus resultierenden Rangliste landete die Schweiz auf dem ersten Platz von 80.

Stadtpräsident Boris Banga.

Stadtpräsident Boris Banga.

Oliver Menge

«Weshalb führen wir diese Rangliste vor Australien, Norwegen, Schweden und Dänemark an? Was macht die Schweiz besser?» Banga strich drei Punkte heraus: Erstens sei die direkte Demokratie entscheidend: «Je ausgeprägter die direktdemokratischen Mitsprachemöglichkeiten sind, desto höher ist die Lebenszufriedenheit der Bürgerinnen und Bürger.»

Ein weiterer Punkt seien die guten Zukunftschancen für Kinder und Jugendliche, dafür verantwortlich sei vor allem das duale Bildungssystem. Zwei Drittel der Schulabgänger absolvierten eine Berufslehre und seien im Arbeitsmarkt gefragter als die Hochschulabsolventen in den Nachbarländern. «Mehr als 3,5 Millionen Menschen unter 25 Jahren waren im Mai in der Eurozone ohne Arbeit.» Als letzten Punkt erwähnte Banga die bei uns grösstenteils intakte Natur. «Umweltschützerische Anliegen stehen in der Schweiz seit Jahrzehnten auf der politischen Agenda.» Die Schweiz könne in allen drei Bereichen dem Ausland als Vorbild dienen.

Nicole Hirt hielt die Festrede

Festrednerin war bei der 1.-August-Feier im Stadtpark die frisch gewählte Kantonsrätin und neue Grenchner Gemeinderätin Nicole Hirt von den Grünliberalen. Sie bezeichnete es als grosse Ehre, zum Nationalfeiertag sprechen zu dürfen. Als gebürtige Grenchnerin würdigte sie ihre Heimatstadt, denn diese liege ihr am Herzen und sei besser als ihr Ruf. Nach längeren Auslandaufenthalten sei sie nach Grenchen zurückgekehrt und habe die Stadt mit anderen Augen gesehen als in ihrer Jugend.

Jeder Ort habe seinen Reiz und seine eigene Geschichte. Hirt schlug den historischen Bogen vom Bauerndorf Grenchen mit dem verloren gegangenen Weinbau: «Wussten Sie, dass sich ein Rebgelände vom Bielersee über Lengnau bis nach Grenchen zog?»

Über die Industrialisierung, das Entstehen der Uhrenindustrie und die Uhrenkrise kam sie zu den heutigen Sorgen der Stadt. Hirt erwähnte diesbezüglich verschiedene Punkte, wie die magere Stimmbeteiligung, die sie etwas ratlos lasse. Sie kritisierte das Littering, kein Grenchner Problem, aber für sie unverständlich. Sie plädierte für das duale Bildungssystem: «Die einzige Ressource, die wir haben, ist die Bildung. Die Möglichkeit, Praktisches im Betrieb und Theoretisches in der Berufsschule zu lernen, ist weltweit einzigartig.» Das Handwerk müsse wieder aufgewertet werden, denn «was nützen uns die studierten Leute, wenn niemand ihre Ideen umsetzen kann?»

Hirt sprach sich in ihrer Festrede auch dafür aus, dass das Sozialsystem nicht ausgenützt werden dürfe: «Arbeiten muss sich lohnen, nicht arbeiten darf sich nicht lohnen.» Eine Integration sei nur über die Sprache möglich: «Wer als Zuzüger die Sprache nicht lernen kann oder will, oder sich nicht mit den hiesigen kulturellen Gegebenheiten vertraut macht, ist nicht integriert.»

Als berufstätige Lehrperson hinterfragte die Festrednerin schliesslich auch die integrative Schulungsreform: «Der Versuch ist mitunter eine Antwort auf die gesellschaftlichen Veränderungen. Ich stehe dieser Entwicklung und den vielen Reformen im Bildungswesen im Besonderen sehr kritisch gegenüber.»

Zum Abschluss würdigte Hirt die Stadt Grenchen in Form eines Gedichtes, in dem sie die Vorzüge Grenchens, die Vielfalt und Schönheit der Umgebung herausstrich und zum Miteinander, statt Gegeneinander aufrief: «Wer hier geboren ist und wohnt, für den ist klar, Grenchen ist einfach wunderbar.»

Den Abschluss machte wie immer das Feuerwerk.

Den Abschluss machte wie immer das Feuerwerk.

Oliver Menge