In der Gaststube des Untergrenchenbergs herrscht kurz vor Mittag gähnende Leere, eine bedrückende Stille erfüllt den Raum. Der grosse Parkplatz ist leer, ebenso der Busparkplatz.

Sie sei jetzt im 12. Jahr auf dem Untergrenchenberg, sagt Wirtin Vreni Schneider, aber so etwas habe sie noch nie erlebt: «Die Strasse wurde auch schon gesperrt, wegen Holzarbeiten im Schutzwald. Aber damals wurde wenigstens ein paar Mal am Tag die Durchfahrt gewährleistet und unsere Gäste konnten herkommen.»

Die Wirtin hat momentan nur noch das Zimmermädchen beschäftigt, weil sechs Arbeiter der Baustelle Zimmer bezogen haben. Alle anderen Angestellten hat sie nach Hause geschickt. «Ich kann doch keine Leute beschäftigen, wenn es nichts zu tun gibt», sagt sie.

«Von Court oder Péry her könnte man ja auch auf die Grenchenberge fahren, aber das wissen viele Leute einfach nicht, oder sie scheuen den Umweg.» Ausserdem war in Court die Strasse zunächst als «gesperrt» bezeichnet, ein Fehler, der inzwischen korrigiert wurde. Lastwagen, die Getränke und andere Waren auf den Berg liefern, fahren von dort her hoch. Vreni Schneider hofft, dass ihre Gäste den Umweg ebenfalls vermehrt in Kauf nehmen.

Wegen gesperrter Bergstrasse läuft gar nix mehr auf dem Berg Im Bild: Leerer Parkplatz beim Untergrenchenberg

Gähnende Leere auch auf dem Parkplatz

Schneiders stellen viel selber her. Das Fleisch stammt von den eigenen Angus-Rindern. «Wir haben in der letzten Woche sehr viel Fleisch geschnitten, verpackt und schockgefroren.» Trotz etlicher schmerzvoller Absagen von Reservationen – für gestern Freitagabend hatte zum Beispiel die Neue Wohnbaugenossenschaft Grenchen für 70 Personen reserviert – muss die Küche immer etwas bieten, wenn Gäste kommen, meist Wanderer oder Biker. Nur habe sie die Karte extrem verkleinern müssen, was bei einigen Gästen auf wenig Verständnis stosse. «Letzte Woche machte ich eine halbe Cremeschnitte und verkaufte zwei Stück. Der Rest war für die Tonne», sagt die Wirtin, die hofft, die Spezialität des Hauses bald wieder anbieten zu können.

Die finanziellen Folgen dieses Einbruchs bereiten ihr grosse Sorgen: Fixkosten wie Strom und die Löhne müssen bezahlt werden. Ob es eine Entschädigung für Lohnzahlungen gibt, ist noch offen. Die Betriebsversicherung deckt nur Elementarschäden, die den Betrieb direkt treffen – Stromausfall, Wasserschaden, Dacheinsturz, Brand etc. Schneider hofft auch auf ein Entgegenkommen der Bürgergemeinde. Das Schlimmste aber sei diese erdrückende Stille. «Ich liebe es, wenn viel läuft, bin gerne unter Menschen. Aber das hier, das ist einfach nur deprimierend!».

Tote Hose auch beim Stieren- und Oberberg

Wegen gesperrter Bergstrasse läuft gar nix mehr auf dem Berg Im Bild: Stierenberg

Der Stierenberg von der alten Bergstrasse aus

Auch auf dem Stierenberg ist nicht viel los an diesem schönen Tag. Melanie Stäger, die sich ums Restaurant kümmert, hat viel Zeit, Dinge zu erledigen, während sie auf Gäste wartet. «Die Arbeit geht nicht aus, und ab und zu kehren Wanderer oder Biker ein. Autos fahren nur vor, wenn sie sich verfahren haben», sagt sie lachend. Sie werde zuwarten, wie sich die Sache weiter entwickle. «Vielleicht werde ich am Abend eher schliessen. Aber wenn jemand anruft und sagt, er komme vorbei, dann sind wir für die Gäste da, selbstverständlich.» Mit der Bürgergemeinde, der Besitzerin der drei Gasthöfe auf den Grenchenbergen, sei man im Gespräch. «Ich bin überzeugt, dass wir eine Lösung finden.»

Silvana und Fabienne Kaufmann führen den Berggasthof Obergrenchenberg, ein Zweigbetrieb des Erlebnis-Bauernhofs in Winikon LU der Familie Kaufmann. Nach einer turbulenten Startphase, in welcher der Gasthof umfassend renoviert wurde – alles in Eigenregie – hatten die beiden Schwestern einen grandiosen Start, wie sie sagen. «Die Leute freuen sich darüber, dass jetzt alles viel heller, frischer und moderner daherkommt», sagt Silvana Kaufmann. Aus dem Obergrenchenberg soll ebenfalls ein Erlebnishof werden (wir berichteten).

Silvana Kaufmann in der neuen Gaststube - ohne Gäste

Silvana Kaufmann in der neuen Gaststube - ohne Gäste

 Silvana Kaufmann in der neuen Gaststube - ohne Gäste

Aber auch hier spüren die neuen Pächterinnen die gesperrte Bergstrasse: Eine Soirée  mit 80 Personen für heute Abend wurde beispielsweise abgesagt, zum Glück noch vor dem Einkauf, wie Silvana Kaufmann sagt. «Wir haben noch rund 15 Gäste pro Tag, daher auch keine grosse Karte, man muss flexibel sein», sagt sie. Und Fabienne, die für den landwirtschaftlichen Teil zuständig ist, ergänzt: «Unser Vorteil ist, wenn wir hier nichts mehr zu tun haben, fahren wir ins Luzernische und helfen dort.» Am Sonntag wird beispielsweise ein Maisdschungel eröffnet.

Ob sie die bereits feststehenden Betriebsferien (22.7.-26.7.) verlängern, ist noch offen. Jedenfalls werde man es auf der neuen Website www.erlebnisgrenchenberg.ch lesen können.