Historie

Als im Kanton Solothurn noch ganze Dörfer in Flammen aufgingen

Gefahrenquelle Strohdächer: historische Darstellung eines Dorfbrandes in Schönenwerd.

Gefahrenquelle Strohdächer: historische Darstellung eines Dorfbrandes in Schönenwerd.

Dorfbrände gab es früher im Kanton Solothurn immer wieder. Erst im 20. Jahrhundert gab es markante Verbesserungen.

Ratsmanuale und andere historische Dokumente belegen, dass es früher oft zu Grossbränden kam. Die Ursache für die vielen Dorfbrände lag auch an der Bauart der Häuser. Die alten Strohdachhäuser besassen hölzerne Wände, oftmals mit einem Rutengeflecht versehen, welches mit Lehm ausgestrichen war. Die Nähe solcher Wände zum offenen Feuer und das leicht brennbare Strohdach waren häufig der Grund für den Ausbruch einer Feuersbrunst.

Auch schlecht funktionierende Backöfen oder nicht undichte Kamine führten oft dazu. Ebenso wurde mit dem Feuer fahrlässig umgegangen. Als eine der ersten Brandvorschriften erliess der Solothurner Rat im Jahr 1531 eine Feuerordnung, in der das Tragen von offenem Feuer mit Fackeln und Kerzen in Ställen und Scheunen verboten wurde. Auch der unvorsichtige Gebrauch von Kienspan war oft Auslöser von Bränden.

Bauvorschriften gab es früh – beachtet wurden sie selten

Seit dem 16. Jahrhundert sind Brandvorschriften beim Hausbau bekannt, die aber oft wenig beachtet wurden. 1561 verordnete die Solothurner Obrigkeit, dass Speicher und Scheunen von den Häusern getrennt zu erstellen seien. Erstmals 1673 und in der Folge noch mehrmals verbot die Regierung Strohdächer. Gemäss einer Holzverordnung 1751 sollte wegen Holzknappheit das erste Stockwerk eines Hauses in Stein gebaut werden. Ab 1784 sah sie jedoch aus Kostengründen Ausnahmen für Tauner (die ärmeren Bauern) vor.

Bereits aus dem 16. Jahrhundert stammen obrigkeitliche Erlasse zum Bau von Kaminen und Feuerstellen. 1523 sind Inspektionen dazu in Schnottwil und Messen belegt. 1538 wurde beispielsweise der Schulheiss von Olten damit beauftragt, dafür zu sorgen, dass Kamine die Hausdächer genügend hoch überragen; ein Jahrzehnt später wurde gar die Nichtbeachtung dieser Pflicht im ganzen Kantonsgebiet unter Strafe gestellt. Im 17. Jahrhundert wurde auch das Waschen von Wäsche, welches mit Glut beheizt wurde, in den Häusern verboten.

Nachtwächter sollten für Sicherheit sorgen

In den grösseren Städten wurde die Erkennung von Feuerherden bereits im ausgehenden Mittelalter grosse Beachtung geschenkt. Dort sorgen Nachtwächter oder Hochwächter auf Kirch- und Stadttürmen für eine gewisse Sicherheit. Doch auch auf dem Land kamen schon früh Wächter zum Einsatz, wie eine Anordnung aus dem Jahr 1504 aus Oberbuchsiten beweist. Dort wurde nach einem verheerenden Dorfbrand zusätzlich zum bisherigen Wächter zwei Neue eingestellt.

Neben bestimmten Bauvorschriften verfügte die Obrigkeit auch schon früh den Besitz eines Feuereimers, den jeder verheiratete Hausbesitzer zur Verfügung halten musste. Dessen Verwendung ausserhalb der Brandbekämpfung wurde in der Feuerverordnung aus dem Jahr 1531 strikte untersagt. In einigen Gemeinden wurden im Laufe der Zeit gar zwei Feuereimer vorgeschrieben.

Wasserspritzen brachten mehr Effizienz

Mit der Einführung der Handspritzenwagen, die im frühen 16. Jahrhundert in der Schweiz Einzug hielten, liess sich die Brandbekämpfung effizienter durchführen. Ein Jahrhundert später gab es die Schöpfspritzen, dann die Schlagspritzen mit einem dauernden Wasserstrahl.

In der Stadt Solothurn findet sich der Nachweis einer ersten Spritze 1680, in Olten aber erst 1725. Auf dem Land kannte man diese neue Errungenschaft im frühen 18. Jahrhundert noch kaum. 1760 verordnete die Solothurner Regierung den Gemeinden in den Vogteien Bechburg, Falkenstein, Gösgen und Dorneck erstmals die Anschaffung einer Feuerspritze. Mehrheitlich aus finanziellen Gründen mochte man sich aber noch nicht zu einer solchen Anschaffung entschliessen.

Im gleichen Jahr entschieden sich nur Oensingen und nach einem grossen Brand am 1. August auch noch Selzach für einen solchen Kauf. Kestenholz, Niederbuchsiten und Oberbuchsiten kauften sich gemeinsam ein solches Gefährt, das dann aber in Niedergösgen stationiert wurde. Nach einem Brand im Audienz-Zimmer auf Schloss Neu Bechburg in Oensingen 1775 plante der Vogt von Bechburg die Anschaffung einer Feuerspritze für das Schloss.

Auch im 19. Jahrhundert war aber noch nicht jede Gemeinde im Besitz einer Spritze. So ermahnte beispielsweise die Polizeikommission 1838 die Gemeinde Härkingen zur Anschaffung eines solchen Geräts und zur Aufstellung einer Löschmannschaft, was im Jahr darauf dann auch getan wurde. Es wurde auch ein Spritzenhaus gebaut und 24 Mann als Spritzenmannschaft bestimmt. Die letzte Gemeinde, in der eine Feuerspritze angeschafft wurde, war Gänsbrunnen im Jahr 1902.

Ab 1809 gabs eine Brandversicherungsanstalt

Den koordinierten Kampf gegen Brandfälle übernahm im frühen 19. Jahrhundert die kantonale Brandversicherungsanstalt. Diese entstand – nach dem Vorbild im Kanton Aargau – am 1. Januar 1809. Ab dem 1. März 1810 mussten alle Häuser im Kanton obligatorisch gegen Brand versichert sein und schon am 1.  April ereignete sich in Schönenwerd der erste versicherte Brandfall mit einem Schaden von tausend Franken.

Und sogleich wurden Statistiken geführt: 1818 stellte die Versicherung fest, dass in den ersten acht Jahren 55 mit Schindeln und Stroh abgedeckte Häuser abgebrannt seien, aber nur 17 mit Ziegeldächern. Sie führte daher einen Prämienzuschlag für «weichgedeckte» Häuser ein.
Eine bedeutende Entwicklung zur besseren Brandbekämpfung war die Versorgung der Dörfer mit Druckwasser.

Brandopfer durften Liebesgaben erbitten

Nach Brandfällen war die Solidarität mit den Betroffenen jeweils gross. Immer bekamen die Geschädigten von der Obrigkeit auf Antrag hin das notwendige, kostenlose Bauholz aus den Staatswäldern für den Wiederaufbau. Dokumentiert ist ein solches Vorgehen bei einem Brandfall. Neben der Lieferung von Bauholz dokumentieren die Ratsmanuale seit dem 15. Jahrhundert bei grösseren Brandfällen auch die Ausstellung von «Brandbriefen», mit denen die Betroffenen im ganzen Kanton sogenannte Liebesgaben erbitten konnten.

Quelle: Flückiger-Seiler u.a. Die Bauernhäuser des Kanton Solothurn.

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