Coronavirus
Als Trödel- oder Problemkanton bezeichnet – heute gibt Solothurn neue Massnahmen bekannt

Die Coronafallzahlen im Kanton sind «bedenklich» – getrödelt hat man laut dem Gesundheitsamt aber nicht.

Rebekka Balzarini
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Das Coronavirus reisst den Spitälern ein Loch in die Kasse. Der Kantonsrat hat nun ein Hilfspaket im Umfang von 305 Millionen Franken genehmigt. (Symbolbild)

Das Coronavirus reisst den Spitälern ein Loch in die Kasse. Der Kantonsrat hat nun ein Hilfspaket im Umfang von 305 Millionen Franken genehmigt. (Symbolbild)

KEYSTONE/CHRISTIAN BEUTLER

Als «Trödelkanton» oder «Problemkanton» – so wurde Solothurn in den vergangenen Tagen in verschiedenen Medienberichten bezeichnet. Der Grund dafür ist die hiesige epidemiologische Lage. Am Montag meldete das Gesundheitsamt 424 Neuinfektionen, sechs Personen sind über das vergangene Wochenende verstorben.

Die neuste errechnete Reproduktionszahl im Kanton liegt laut Angaben der ETH bei 1.21. Die Reproduktionszahl gibt an, wie viele Personen eine infizierte Person im Durchschnitt ansteckt. Ist die Zahl höher als 1, steigen die Fallzahlen exponentiell an.

Damit ist der Kanton Solothurn weit davon entfernt, die Vorgaben der wissenschaftlichen Taskforce zu erreichen. Diese hat Anfang November gefordert, dass der R-Wert in den Kantonen unter 0.8 liegen muss, damit sich die Fallzahlen in der Schweiz alle zwei Wochen halbieren. Sehr angespannt ist die Lage entsprechend in den Spitälern, laut dem Fachstab Pandemie kommen diese bezüglich der Hospitalisationen und der Belegung der Intensivbetten an ihre Belastungsgrenze.

Gemeinsam mit anderen Kantonen wie dem Aargau, St. Gallen oder Thurgau wurde Solothurn deshalb am Wochenende vom Bundesamt für Gesundheit (BAG) dazu aufgefordert, die Schutzmassnahmen im Kanton zu verstärken.

Gesamtregierungsrat wird antreten

Dass im Kanton heute neue Schutzmassnahmen bekanntgegeben werden, hat der kantonale Fachstab Pandemie schon letzten Donnerstag bekanntgegeben. Erst wolle man aber noch die neusten nationalen Vorgaben abwarten, hiess es von Seiten der Behörde.

Deshalb weist Gesundheitsdirektorin Susanne Schaffner nun auch den Vorwurf zurück, im Kanton sei bei den Schutzmassnahmen «getrödelt» worden. «Das stimmt so nicht. Wir haben vorausschauend gehandelt und Massnahmen besprochen, die wir dann mit den anderen Kantonen abgestimmt haben», betont Schaffner.

In der Regierung sei man sich einig darüber, dass die Lage «ernst» sei und Massnahmen notwendig seien, um das Gesundheitssystem zu entlasten. An der heute Dienstag anstehenden Medienkonferenz werde deshalb die gesamte Regierung anwesend sein, um die neuen Schutzmassnahmen zu vertreten.

In den vergangenen Monaten hat der Kanton Solothurn häufig strengere Schutzmassnahmen erlassen, als der Bund es vorgeschrieben hatte. Schon Anfang September galt im Solothurnischen eine Maskenpflicht in den Läden, und auch Ende Oktober, als die Zahlen in der Schweiz und im Kanton stark anstiegen, gingen die hiesigen Behörden weiter als der Bund: So waren etwa Veranstaltungen mit mehr als 30 Gästen schon Ende Oktober verboten, und Clubs und Shishabars wurden geschlossen. In Bars dürfen schon seit mehreren Wochen nicht mehr als 30 Gäste anwesend sein.

Gastrobranche und Gewerbe sind besorgt

Vor allzu strengen Massnahmen, die dem lokalen Gewerbe schaden könnten, warnte unter anderem der Kantonal-Solothurnische Gewerbeverband (KGV) regelmässig. So auch in den vergangenen Tagen: Der Verband rief die Regierung auf Twitter zu «Augenmass» bei neuen Schutzmassnahmen auf. «Wir haben nach wie vor kaum Ansteckungen in der Gastronomie oder in den Läden», schreibt KGV-Geschäftsführer Andreas Gasche ausserdem in einer Mitteilung.

Auch Peter Oesch, Präsident von Gastro Solothurn, warnt vor strengen Massnahmen wie etwa der möglichen Schliessung von Restaurants. «Wenn man bei Restaurants ansetzen würde, dann könnte ich das nicht verstehen. In Bars, wo die Leute zirkulieren, ist das etwas anderes», sagt er gegenüber TeleM1.

Laut dem Gesundheitsamt ist die Ansteckungsgefahr aber auch in Restaurants erhöht: Hauptsächlich deshalb, weil sich in den geschlossenen Räumen viele Menschen gleichzeitig aufhalten und die Schutzmasken am Tisch nicht getragen werden.