Ungeziefer
Aus einem Scherz wurde ein Geschäft: Jetzt jagt dieser Oberbuchsiter mit seinen Hunden Bettwanzen

Marco Moritz aus Oberbuchsiten und seine Hündin Sphinx spüren Bettwanzen auf, bevor sich diese in Wohnungen und Häuser verbreiten können. Über ein ungewöhnliches Geschäftsmodell aus dem Kanton Solothurn.

Noëlle Karpf
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... und sie zur Bettwanzen-Jägerin ausgebildet.
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Die vierjährige Hündin Sphinx ist ein Bettwanzenspürhund
Marco Moritz aus Oberbuchsiten hat sie als Welpe aus dem Tierheim geholt....
Bettwanzen-Spürhündin Sphinx

... und sie zur Bettwanzen-Jägerin ausgebildet.

Michel Luethi

Sphinx schnüffelt. Mit ihrer Nase sucht die vierjährige Hündin eine Holzkommode ab. Dann blickt sie ihr Herrchen erwartungsvoll an. Marco Moritz deutet auf die Kommode: «Cherche! Cherche!», befiehlt er seiner Hündin. Sie soll Bettwanzen suchen. An diesem Tag nur trainingshalber zu Hause in Oberbuchsiten. Moritz geht mit seiner Spürhündin aber auch zu Kunden im ganzen Kanton und über die Kantonsgrenze hinaus und verdient mit seinem Bettwanzen-Suchdienst «Schnüffelix» Geld.

Oftmals melden sich Kunden beim 35-Jährigen, die rote Biss-Spuren am Körper haben, und vermuten, dass diese von Bettwanzen stammen. Moritz überprüft dann, ob es sich wirklich um diese, und nicht andere Ungeziefer wie etwa Flöhe handelt. Dann sei es wichtig, das Nest der Insekten schnell ausfindig zu machen. Bevor sich diese in den eigenen vier Wänden einnisten, oder durch Steckdosen und Netzkabel in die Nachbarswohnung krabbeln.

Grossbefall vermeiden

Eine Bettwanze könne sich überall verstecken, sagt der Oberbuchsiter. Zwischen zwei Buchseiten, in einem Spalt in der Wand, oder unter den Bettlaken in einem Fünf-Sterne Hotel. Deshalb kontrolliert er auch Gepäckstücke von Solothurnern, die aus den Ferien zurückkommen.

Einmal habe eine Kundin Bettwanzen auf einem Sofa in die Wohnung geschleift, welches sie in der Brockenstube gekauft hatte. Ein Kammerjäger musste anschliessend die ganze Wohnung säubern. Aus dem kleinen wurde schnell ein grosser Befall: Eine Bettwanze legt rund 12 Eier am Tag – etwa 500 in ihrer ganzen Lebenzeit. Um diese Vermehrung zu stoppen ist die feine Nase der Spürhündin gefragt. Und diese muss immer wieder trainiert werden.

Bettwanzen gleich Belohnung

Für das Training benutzt Moritz Glasröhrchen mit Bettwanzen, die er bei einem englischen Forscher bestellt. Und jede Menge Hunde-Leckerli. Zuerst bringt er Sphinx bei, den Duft der Wanzen mit «Belohnung» in Verbindung zu bringen. Dazu hält er ihr ein Röhrchen mit den Insekten unter die Nase. Sobald sie zu schnüffeln beginnt, kriegt sie ein Leckerli.

Später versteckt er das Röhrchen unter einer von drei Kartonkisten. Gibt Sphinx bei der richtigen Kiste an, wird sie wieder belohnt. So soll das Finden der Insekten für sie zum Erfolgserlebnis werden. Bei den Einsätzen können andere Düfte aber von ihrer Mission ablenken, sagt der Bettwanzen-Sucher. Katzenklos, Putzmittel oder Esswaren.

Deshalb muss Moritz Sphinx immer wieder beibringen, dass sie Wanzen finden soll. «Ein Hund ist kein Gerät, das man kalibrieren kann und danach funktioniert es», so der Oberbuchsiter. Trotz strenger Arbeit sei die Wanzen-Suche für ihn eine «Herzensangelegenheit».

«Angefangen hat es mit einem schlechten Scherz», erinnert sich der 35-Jährige. Er hatte damals – vor rund vier Jahren – Sphinx frisch aus dem Tierheim geholt und schon die Idee, eine Spürhündin aus ihr zu machen. Ein Kollege habe dann scherzhaft gemeint, Moritz könne ja Bettwanzen suchen. Und Moritz dachte sich: «Warum eigentlich nicht?»

Mittlerweile hat er noch zwei andere Hunde: Die zweijährige Valkyra, die er zusätzlich zur Schimmel-Spürhündin ausbildet, und Ferrus, der künftig als «Lehrling» mit Sphinx auf Bettwanzen-Suche gehen soll. Der Hundehalter möchte Valkyra zudem zur Therapiehündin ausbilden – zur Begleitung von traumatisierten Menschen, die beispielsweise vor Gericht
aussagen müssen.

Hauptberuflich Wanzen suchen

Viele Leute geben nicht gerne zu, dass ihr Zuhause von Ungeziefer befallen ist. «Das ist ein heikles Thema», erklärt Moritz. «Schliesslich geht es um die eigenen vier Wände: Plötzlich wird man attackiert und ist wehrlos.» Zudem würden heutzutage viele Menschen Insektenbefall als Zeichen mangelnder Hygiene deuten. Aber: «Je sauberer die Umgebung ist, desto weniger Konkurrenz haben die Bettwanzen.» Wenn sich Ungeziefer einnistet, habe das überhaupt nichts damit zu tun, dass jemand Essensreste herumliegen lässt.

Noch wird Moritz mit seiner Spürhündin zu selten aufgeboten, um den Suchdienst hauptberuflich anzubieten. «Man wird leider schnell als Hobby-Hündeler abgestuft», sagt er. Sein Traum sei es, eines Tages von der Bettwanzen-Suche leben zu können.