Kanton Solothurn

Ausweis weg wegen der «Droge» Red Bull – und das ist nicht der einzige falsche Drogenschnelltest

Wenn ein Drogenschnelltest positiv ausfällt, wird noch eine Blutprobe analysiert. Für diese Zeit muss im Kanton das Billet abgegeben werden. (Symbolbild)

Wenn ein Drogenschnelltest positiv ausfällt, wird noch eine Blutprobe analysiert. Für diese Zeit muss im Kanton das Billet abgegeben werden. (Symbolbild)

Einem Solothurner wurde der Führerausweis abgenommen, weil ein Drogenschnelltest positiv ausfiel, obwohl er nur Red Bull getrunken hatte. Schnelltests haben Mühe beim Nachweis von Amphetaminen und auch von Designerdrogen. Jeder vierte Test ist falsch.

Zwei Wochen lang war Musiker Adnan Mursula, bekannt als «Ay Dee», seinen Führerschein los. Der Grund: Bei einer Polizeikontrolle wurde er positiv auf Amphetamine getestet, obwohl er nur Red Bull getrunken hatte

Dabei soll es sich aber nicht um einen Einzelfall handeln. Wolfgang Weinmann vom Insititut für Rechtsmedizin der Universität Bern warnt vor Falschergebnissen. «Je nach Anbieter kann jeder vierte Drogenschnelltest falsche Ergebnisse liefern», sagt er gegenüber «Blick». Gerade der Nachweis von Amphetaminen sei aufgrund von Kreuzreaktionen anderer Stoffe beim Schnelltest häufig nicht korrekt. 

Doch das ist nicht das einzige Problem der Drogenschnelltests: Laut der Kantonspolizei Zürich funktionieren die Drogenvortests für die meisten Medikamente und Designerdrogen nicht. Die Zürcher und die Korps von St. Gallen sowie Graubünden haben die Vortests deshalb abgeschafft. In Zürich wird auf das Urteilsvermögen der zuständigen Polizisten gesetzt.

Das hat auch Adnan Mursula erlebt: «Vor etwa einem Jahr war ich mit dem Auto in Zürich unterwegs und wurde auch angehalten. Ich musste einen Drogen- und Alkoholtest machen», erinnert sich der 34-Jährige. «Auch da war der Alkoholtest negativ, der Drogentest zeigte aber Amphetamine an.» Damals konnte er den Polizisten erklären, dass er nur Red Bull getrunken habe. «Sie haben mir mit der Taschenlampe in die Augen geleuchtet und einen Pupillentest gemacht. Danach haben sie mich weiterfahren lassen.» Anders in Biberist. Dort nahm ihm die Polizei sogleich den Führerschein ab und verordnete eine Blutprobe.

Solothurner Polizei erklärt sich

«Es ist Aufgabe der Polizei, für eine hohe Verkehrssicherheit die Fahrfähigkeit von Lenkern im Strassenverkehr festzustellen», erklärt Andreas Mock, Mediensprecher der Kantonspolizei Solothurn. «Dafür tragen wir eine Verantwortung. Im Vorgehen gibt es in der Tat leichte Unterschiede in einzelnen Kantonen.» In Solothurn ist der Drogentest als Unterstützung gedacht, um den subjektiven Eindruck mit einem objektiven Testverfahren zu ergänzen. «Mit dieser mehrstufigen Praxis machen wir mehrheitlich sehr gute Erfahrungen», so Mock. «2016 wurden von uns rund 270 Fälle beanzeigt, wo Autofahrer nachweislich unter Einfluss von Drogen unterwegs waren. Natürlich wurden viel mehr Tests durchgeführt, die allerdings negativ ausfielen.»

Der Sprecher räumt ein, dass offenbar eine Schwierigkeit bei der Anzeige von Amphetaminen bestehe. «Das behalten wir im Kanton Solothurn im Auge und analysieren das gründlich.»

Gefragt seien dabei auch Erfahrungen aus anderen Kantonen. Mock betont: «Ob dies zu einer Änderung der Praxis führt oder zu einem anderen Produkt für einen ergänzenden Vortest, können wir noch nicht sagen.»

Schadenersatz gefordert

Red-Bull-Trinker Adnan Mursula will nun Schadenersatz einfordern. Für Thierry Burkart, Nationalrat und Aargauer TCS-Präsident, ist sonnenklar: Der Mann, der aufgrund eines unzuverlässigen Tests in die Mühlen der Justiz geraten ist, sollte entschädigt werden. Fragt man Rechtsexperten, stehen die Chancen für den Solothurner Musiker aber eher schlecht. 

Drogen-Schnelltest am Ende?

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Ein Solothurner RedBull-Junkie musste wegen einem falschen Drogentest seinen Fahrausweis abgeben. Nun fordert der TCS-Präsident eine Entschädigung.

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