Bildungskosten
Kosten für Fachhochschule Nordwestschweiz geben zu denken, aber die Regierung warnt vor Wachstumsstopp

Die Fachhochschule Nordwestschweiz mit dem Standort Olten schreibt durchaus Erfolgsgeschichte. Aber das kostet den Kanton auch eine Stange Geld. Dennoch warnt der Regierungsrat davor, der Fachhochschule einen Wachstumsstopp zu verordnen.

Urs Moser
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Der Fachhochschul-Campus in Olten.

Der Fachhochschul-Campus in Olten.

Bruno Kissling

Dass die Zahl der Studierenden steigt, ist grundsätzlich positiv, aber der Betrieb der Fachhochschule Nordwestschweiz kostet die vier Trägerkantone Aargau, Basel-Stadt, Basel-Landschaft und Solothurn auch eine schöne Stange Geld: insgesamt rund 937 Millionen Franken in der neuen Leistungsauftragsperiode 2021/24. Davon entfallen rund 150 Millionen auf den Kanton Solothurn, 37,5 Millionen pro Jahr.

Man verfolgt keine explizite Wachstumsstrategie

Die Summe gibt einer Gruppe von Kantonsräten dann doch zu denken. Angesichts der angespannten Finanzlage des Kantons in den kommenden Jahren stelle sich die Frage, ob das Wachstum der Fachhochschule so fortgeführt werden soll oder ob es Alternativen zur Wachstumsstrategie gebe und wie die aussehen könnten, heisst es in einem überparteilichen Vorstoss mit Daniel Probst (FDP, Olten) als Erstunterzeichner.

Führt man sich die am Dienstag vom Regierungsrat verabschiedete Stellungnahme zu Gemüte, entsteht nun aber der Eindruck, dass hier ein Missverständnis vorliegt. Die Fachhochschule verfolge nämlich schon seit Jahren keine eigentliche Wachstumsstrategie, heisst es dort. Und gerade das ist durchaus mit Risiken verbunden, auch finanziellen. Wohl nahm die Zahl der Studierenden an der Fachhochschule Nordwestschweiz stetig zu, aber in geringerem Ausmass als an anderen Fachhochschulen in der Schweiz.

Es zeigt sich folgendes Bild: In den Jahren 2009 bis 2012 verzeichnete die Fachhochschule Nordwestschweiz mit kumulierten 1,7 Prozent über drei Jahre ein deutlich unterdurchschnittliches Wachstum (das lag in den anderen Fachhochschulen landesweit bei 8,4 Prozent). Ab 2013 bis 2019 lag man dann mit kumuliert 4,2 Prozent tatsächlich über dem Mittel (3,1 Prozent), über die letzten zehn Jahre gesehen blieb die Fachhochschule Nordwestschweiz aber mit 3,6 Prozent insgesamt unter dem Durchschnitt von 5,2 Prozent. Gerade in den letzten Jahren entwickelte sich die Zahl der Neueintritte von Studentinnen und Studenten im schweizerischen Vergleich deutlich unterdurchschnittlich.

Ein zu kleines Wachstum könnte teuer werden

Das ist für die Trägerkantone nicht unbedingt von Vorteil, auch finanziell nicht. Denn ein (zu) schwaches Wachstum bedeutet einen Verlust von Marktanteilen, und das wäre kaum mit Einsparungen, sondern mit Kosten verbunden. Der Regierungsrat nimmt Bezug auf Zahlen des Bundesamts für Statistik: Man rechnet dort für die nächsten vier Jahre mit einer Zunahme des Potenzials an Fachhochschulstudenten um 6,5 Prozent.

Die Fachhochschule Nordwestschweiz rechnet in ihrer Planung aber nur mit einem Wachstum von 3,5 Prozent. Treten die Prognosen der Statistiker des Bundes ein, wird der Anteil von Studierenden aus der Nordwestschweiz steigen, die eine andere Fachhochschule besuchen – es tritt dann das ein, was mit dem Verlust von Marktanteilen gemeint ist.

Negative Auswirkungen auf Ausbildungskosten befürchtet

In den letzten zehn Jahren sind die Kosten pro Studierenden an der Fachhochschule Nordwestschweiz um 7,8 Prozent von 29'825 auf 27'512 Franken gesunken. Wenn sie nicht weiterhin wie beabsichtigt ein minimales Wachstum erzielen könne, werde dies wieder negative Auswirkungen auf die Ausbildungskosten pro Studierenden haben, gibt die Regierung zu bedenken.

Und wenn die Fachhochschule Nordwestschweiz darüber hinaus Marktanteile verlieren würde, erhielte sie erstens auch weniger Anteile an den Grundbeiträgen des Bundes und zweitens müssten die Trägerkantone dann gemäss einer interkantonalen Vereinbarung Beiträge an andere Fachhochschulen für «ihre» Studierenden leisten. Deshalb warnt der Regierungsrat:

«Eine Alternative zur eingeschlagenen Strategie würde Kosten auslösen, auf welche weder die Fachhochschule Nordwestschweiz noch die vier Trägerkantone Einfluss nehmen können.»