Doping

Bruno Gisler und die Spray-Affäre: Ein fantasievoller Schlungg

Mit seiner abenteuerlichen Erklärung auf einen positiven Dopingtest erweist der Solothurner Schwinger Bruno Gisler dem Schwingsport einen Dienst: Der Verband muss sich nun ernsthaft mit dem Thema Doping auseinandersetzen.

Dieser Hosenlupf muss jetzt sein ... Wer putscht sich denn heute nicht auf? Untersuchungen zeigen: Schüler und Studenten tun es. Arbeiter, Angestellte und Chefs tun es. Velofahrer und Leichtathleten tun es. Alle tun es – aber sicher nicht Schwinger. Nein, diese bodenständigen «Bäremanis», diese von der Natur mit Muskelbergen beglückten, stets gutmütig lächelnden Nonprofit-Schollenwärter, nein, sie brauchen so Zeugs mit Sicherheit nicht.

Gut, vor einem Grippeli bleiben auch sie nicht verschont. Doch dann greift Mann höchstens zu einem naturbelassenen Schwangerschaftsmittel der Frau. Pardon, vergreift sich daran – wenn es blöderweise neben dem eigenen, naturbelassenen Vorsorge-Spray steht.

Genug der Ironie. Reden wir Klartext. Der Solothurner Schwinger Gisler Bruno ist am Eidgenössischen in einer Dopingkontrolle hängen geblieben und vom Verband für ein halbes Jahr gesperrt worden. Trainieren weiterhin erlaubt. Er wird somit schon bald wieder gereinigt in den Ring steigen können. Seit einer Woche wissen wir vom Missgriff des Bösen aus unserer Region. Die Geschichte will jedoch nicht zur Ruhe kommen. Wen wunderts. Gislers Erklärungsversuch zu seinem Befund war etwas gar abenteuerlich.

Die Öffentlichkeit ist sich in dieser Hinsicht zwar einiges gewohnt: Von verseuchter Zahnpasta über manipulierte Birchermüesli bis zu überhöhter körpereigener Stoffproduktion haben wir schon alles gehört. Doch des Spitzenschwingers Geschichte musste selbst einen Siegermuni stutzig machen. Die bei Gisler lokalisierte verbotene Substanz hat nämlich auch im Spray einer Schwangeren nichts zu suchen. Um dies herauszufinden, brauchte es nicht Sherlock Holmes.

Ein origineller Entlastungsversuch eines Landwirts. Dass jedoch ein staatlich anerkannter Kommunikations-Fachmann und ein Verbandsarzt mitgeholfen haben, der Allgemeinheit Sägemehl in die Augen zu streuen, hat dem überraschenden Dopingfall erst den sich multiplizierenden Nachrichtendrall verliehen.

Unschön. Bei allem Verständnis fürs Individuum: Wir sind es satt, immer noch abenteuerlichere Rechtfertigungen aufgetischt zu bekommen – so amüsant sie auch sein mögen. Klar wird nur alle drei Jahre um den Königstitel gerungen. Klar sind viele Trainingsstunden investiert worden. Klar kommt ein Unwohlsein höchst ungelegen. Klar versucht man mit allen Mitteln, dagegen anzukämpfen. Aber wenn schon mit allen, dann bitte mit der nötigen Umsicht.

Schwinger geben körperlich betrachtet etwas her. Ihre Auftritte sind imposant. In sie projizieren wir nebst Stärke noch so gerne Reinheit und Aufrichtigkeit. Doch Schwinger sind keine Übermenschen. Hätte uns Bruno Gisler mit der Fläschchen-Story doch nur verschont.

Hätte er doch nur gesagt, wie es wirklich war. Damit hätten wir leben können. Wir hätten so gerne weitergeträumt. Immerhin, einen guten Dienst hat Gisler dem Schwingsport erwiesen: Der Verband muss sich mit der Dopingfrage ernsthaft beschäftigen und die Jungschwinger wissen jetzt, wie sie es diesbezüglich sicher nicht anstellen sollten.

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