Lokführermangel

Busse auf «Läufelfingerli»-Linie: Der Kanton Solothurn prüft Schritte gegen die SBB

Das Läufelfingerli in Rümlingen (BL)

Das Läufelfingerli in Rümlingen (BL)

Weil Lokführer fehlen, wird die «Läufelfingerli»-Linie zwischen Olten und Sissach kurzerhand auf Busbetrieb umgestellt. Der Kanton Solothurn spricht von einem «Armutszeugnis» und interveniert als Besteller und Zahler wegen dieser «unglücklichen Massnahme» bei den Bundesbahnen.

Wegen interner Fehlplanung fehlen den SBB Lokführer. Deshalb stellen die Bundesbahnen den Betrieb einzelner Bahnlinien ab 7. September bis zum Fahrplanwechsel Mitte Dezember kurzerhand auf Busersatz um. Im Einzugsgebiet des Kantons Solothurn betroffen ist insbesondere das «Läufelfingerli», die S9-Linie, die zwischen Olten, Läufelfingen und Sissach verkehrt.

Allerdings nicht nur, wie Kjell Kolden auf Anfrage bestätigt. Laut dem Abteilungsleiter Öffentlicher Verkehr beim kantonalen Amt für Verkehr und Tiefbau fällt auch ein Zug der S3 (Abfahrt Olten 6.36 von Olten nach Basel) aus. Und: «Zudem sind wir voraussichtlich ab dem 10. Oktober, jeweils Samstag und Sonntag, auch von der Einstellung der Linie S29 (Sursee–Zofingen – Olten – Aarau –Turgi) direkt betroffen.»

Der Kanton, als Besteller und Bezahler des SBB-Angebotes, sei sehr kurzfristig über diese Massnahmen informiert worden, so Kolden. Auf Fachebene rund zwei Wochen und auf politischer Ebene zwei Tage vor der offiziellen Bekanntgabe der Massnahme durch die SBB.

«Einseitige Nichterfüllung» der bestellten Leistung

«Wir können die Massnahme vor dem Hintergrund des akuten Lokführermangels zwar nachvollziehen», räumt der ÖV-Zuständige ein. Aber: «wir erachten die Massnahme als sehr ­unglücklich und als ein Armutszeugnis für die SBB.» Die kantonalen Instanzen hätten bei den SBB sofort mündlich auf die «einseitige Nicht-Erfüllung unserer bestellten Leistung hingewiesen», so Kolden. Zudem habe Bau- und Justizdirektor Roland Fürst schriftlich bei SBB-CEO Vincent Ducrot interveniert. Bisher seien dazu noch keine offiziellen Stellungnahmen seitens der Bundesbahnen eingetroffen.

Die Solothurner Politik steht mit ihren Protesten nicht allein da: Auch die Bau- und Umweltschutzdirektion des vom «Läufelfingerli»-Entscheid mitbetroffenen Nachbarkantons Basel-Landschaft, forderte letzte Woche die SBB dazu auf, «den Entscheid zu revidieren». Auf nationaler Ebene ist die Forderung aufgekommen, dass betroffene Kantone und der Bund ihre Abgeltungen an die SBB entsprechend reduzieren sollten.

Gemeinsames Vorgehen mit anderen Betroffenen

Und wie will der Kanton Solothurn nun weiter vorgehen, wenn die Leistungen nicht in jener Form erbracht werden, die er bestellt hat und bezahlt? Werden zum Beispiel die Zahlungen an die SBB gekürzt? «Grundsätzlich sehen wir eine juristische und finanzielle Aufarbeitung vor», umschreibt Kjell Kolden die nächsten Schritte: «Wir werden zusammen mit den anderen betroffenen Bestellern – Kantonen und Bund – die Möglichkeiten prüfen und uns mit ihnen abstimmen.» Um Aussagen zu den Konsequenzen für die einzelnen Linien zu machen, sei es deshalb noch zu früh.

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Autor

Urs Mathys

Urs Mathys

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