«24. Februar 1991». Das Datum kommt wie aus der Pistole geschossen. Dieser Tag markierte sowohl die Geburtsstunde von Radio 32 als auch den Beginn von Dani Fohrlers journalistischer Laufbahn. Seither hat der eloquente Solothurner in der Radio- und Fernsehbranche fast alles erlebt. Sein Weg führte ihn von privaten Radio- und Fernsehstudios über das damalige DRS 1 bis hin zum Schweizer Fernsehen. Zuletzt moderierte er die Sendung «G&G Weekend» und begrüsste regelmässig prominente Gäste zum Gespräch. Ende Jahr war aber Schluss. Doch der Reihe nach.

Dani Fohrler, 52, lebenslänglicher Solothurner, war im Gründungsteam von Radio 32 mit dabei. Eine gehörige Portion Nostalgie schwingt mit, während er aus dieser Zeit erzählt. Ganz speziell in Erinnerung geblieben ist ihm der rege Austausch mit den Hörern. «Die Wertschätzung vom Publikum ist unglaublich», schwärmt er. «Sogar heute noch werde ich auf dem Märet auf diese Zeit angesprochen.» Eine Person kommt ihm dabei ganz besonders in den Sinn, wenn auch nicht nur aus positiven Gründen: Regelmässig habe ihn ein Kritiker mit Post eingedeckt.

Manchmal lobend, meistens jedoch kritisierend. Mit der Zeit habe er bereits den Briefumschlägen angemerkt, auf welche Seite der per Schreibmaschine verfasste Inhalt diesmal kippen würde. «Wenn mein Kritiker so energisch in die Tasten gehauen hat, dass das «o» in der Anschrift «Fohrler» ein Loch ins Papier gerissen hatte, wusste ich: Ojeh, jetzt kommt wieder was.» Mittlerweile nimmt er diese Geschichte gelassen: Das gehört halt einfach dazu und man muss auch einstecken können.»

«Spielplatz» Fernsehen

Apropos einstecken: Davon musste er einiges bei seiner nächsten Station: dem Privatsender TV3. «Da ist alles passiert, was passieren durfte, aber auch, was eigentlich nicht hätte passieren dürfen. Das war ein schöner Spielplatz», erinnert sich Fohrler fast ein wenig wehmütig. Und spielt damit insbesondere auf die Sendung «Jugend und Gewalt» an, die dank Osman und Konsorten im Netz Kult-Status erlangt hat. «Undenkbar, dass etwas derartiges heute, da alle Sendungen bis ins kleinste Detail durchgeplant sind, passieren könnte», erzählt er. Doch damals, kurz vor der Jahrtausendwende, war man offenbar bereit, volles Risiko zu nehmen. Und prompt lief die Sendung komplett aus dem Ruder. «Das war eigentlich das Beste, was uns hätte passieren können», ist Fohrler nachträglich überzeugt. Dies beweise alleine schon der Umstand, dass man sich heute noch an die Sendung erinnere.

Eigentlich passiere im Fernsehen sowieso viel zu wenig, erzählt Fohrler weiter. «Dabei wird es erst dann so richtig spannend, wenn etwas nicht nach Plan verläuft. Da muss man dann als Moderator aber auch einstecken können.»

Zurück zur ersten Liebe

Als TV3 nach nur wenigen Jahren eingestellt wurde, wandte sich Fohrler wieder seiner ersten Liebe zu: dem Radio. Er kam beim damaligen DRS 1 unter. Seiner Kernkompetenz, dem Live-Gespräch mit Gästen, blieb er indes treu. In Sendungen wie «Persönlich», die er übrigens heute noch moderiert, hat er bereits unzählige Gäste zum Gespräch begrüsst. «Es sind die Menschen, die mich interessieren. Im Live-Talk habe ich die grösste Herausforderung und auch die grösste Befriedigung.» Und wenn er Radio und Fernsehen so vergleicht? Der offensichtliche Unterschied sei natürlich die ganze Technik, die wegfalle. Beim Radio braucht es weder Kameras noch Make-up. Dies würde dann aber auf einer ganz anderen Ebene einen Unterschied machen: «Im Gespräch im Radio entsteht dadurch eine höhere Intimität. Darin ist dieses Medium unschlagbar.» Den Leuten den Teppich auszubreiten, ihnen die Nervosität zu nehmen und mit ihnen live ein Gespräch zu führen, sei die schönste Herausforderung überhaupt. Fohrler steigert sich in einen richtiggehenden Lobgesang aufs Radio hinein. Wie wichtig ihm sein Beruf ist und wie persönlich er ihn nimmt, ist unübersehbar. «Das Radio ist meine berufliche Lebensbeziehung», endet er. Ob der Wortkreation muss er dann selber etwas schmunzeln. Er kommt ins Sinnieren: «Ich bin mir nicht sicher, ob das das richtige Wort ist ...» Er hält kurz inne, denkt darüber nach und kommt zum Schluss: «Doch, doch.»

Der Mann ist kaum zu bremsen. Über die Freuden an seinem Beruf und über das grosse Privileg, von klein auf seinen Traum leben zu können, könnte er wohl stundenlang referieren. Und dies so frisch von der Leber weg und auf eine so authentische Art und Weise, dass man ihn auch gar nicht bremsen möchte. «Dieses weisse Blatt» – er zeigt auf den Papierblock, der für das Interview auf dem Tisch liegt – «muss ich auch jeden Tag wieder füllen. Wieder und wieder. Das ist sehr herausfordernd und sehr anstrengend. Aber ein voller Genuss.»

Abschied von «G&G»

Sein Talent fürs Live-Gespräch hat Fohrler zuletzt bei der Sendung «G&G Weekend» beim Schweizer Fernsehen unter Beweis gestellt. Unvergessen bleibt der Moment, als Millionärsgattin Irina Beller das Zepter an sich riss und sich auf dem Sofa räkelte. Schmunzelnd erinnert sich der Talk-Maestro an diese Episode. Ende vergangenen Jahres dann fiel der Gesprächsteil der Sendung Umstrukturierungen zum Opfer. Daraufhin ist auch Fohrler gegangen. «Ohne werten zu wollen, was andere machen: Für mich muss es einfach ein Gespräch mit Menschen sein.»

Und was bringt die Zukunft? Für SRF 1 wird er weiterhin moderieren. «Daneben freue ich mich darauf, etwas kürzerzutreten.« Und weiter: «Offen bin ich grundsätzlich für alles. Es muss nicht einmal zwingend Radio oder Fernsehen sein. Hauptsache, ich kann live mit Menschen reden. Das ist ja auch das Einzige, was ich kann.»