Beschäftigung
Die Uhrenindustrie ist die Jobmacherin par excellence

Standort Solothurn profitiert vom Boom: Die Schweizer Uhren- und Mikrotechnikindustrie ist eine Jobmaschine. Die Branche zählte 2013 in der Schweiz über 57 000 Arbeitsplätze. Dies entspricht einem Plus von knapp 20 000 Jobs innert 13 Jahren.

Franz Schaible
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Der Uhrenboom macht Uhrmacher und Uhrmacherinnen zu gefragten Fachkräften, auch im Kanton Solothurn.

Der Uhrenboom macht Uhrmacher und Uhrmacherinnen zu gefragten Fachkräften, auch im Kanton Solothurn.

Oliver Menge

Zahlen sagen nicht immer alles, aber in diesem Fall viel: Die Schweizer Uhren- und Mikrotechnikindustrie ist eine Jobmaschine. Die Branche zählte 2013 in der Schweiz über 57 000 Arbeitsplätze. Dies entspricht einem Plus von 53,4 Prozent oder knapp 20 000 Jobs innert 13 Jahren, wie der Arbeitgeberverband der Branche kürzlich bekannt gab.

Auch im Kanton Solothurn ist der Industriezweig auf Wachstumskurs. Die Zahl der Arbeitsplätze ist um fast ein Viertel gestiegen (siehe Tabelle). Mit 4212 Jobs ist der Kanton Solothurn für die Schweizer Uhrenindustrie und ihre Zulieferer der sechstwichtigste Standort. Besonders bemerkenswert ist, dass die Branche die während der schweren Wirtschaftskrise von 2009 bis 2010 verlorenen Arbeitsplätze in den Folgejahren mehr als kompensieren konnte.

Uhrenboom generiert Arbeitsplätze

Treiber der Beschäftigung ist der gute Geschäftsgang der Branche. So wuchsen die Uhrenexporte im vergangenen Jahr um knapp 2 Prozent und erreichten mit 21,8 Milliarden Franken einen neuen Rekordstand. Und bereits nach den ersten fünf Monaten 2014 zeichnet sich erneut ein Rekordjahr ab. Die Exporte erhöhten sich um 3,3 Prozent, wie der Verband der Schweizerischen Uhrenindustrie vergangene Woche an seiner Generalversammlung bekannt gab.

Aber ein längerer Vergleich zeigt, dass sich nach den hohen Wachstumsraten in den Jahren 2010 (+ 22 Prozent), 2011 (+ 19 Prozent) und 2012 (+ 11 Prozent) die Entwicklung wieder normalisiert. Dies schlägt auch auf die Beschäftigung durch. So wuchs 2013 im Kanton Solothurn der Personalbestand um «nur» 1,2 Prozent. Das Klima sei wegen des Exportrückgangs in Asien und den ungünstigen Wechselkursen unsicher. «Die geringere Zunahme an Arbeitsplätzen deutet auf eine gewisse Vorsicht hin», schreibt der Arbeitgeberverband.

Vorsicht macht sich breit

Diese Vorsicht bestätigt eine Umfrage unter Firmen in der Region. Nachdem die Solothurner Uhrenherstellerin Chrono AG in den Vorjahren den Personalbestand stetig auf rund 40 Angestellte erhöhte, ist jetzt eine Pause angesagt. «Für 2014 sehen wir keine Erweiterung des Personalbestandes vor», sagt Co-Inhaber Markus Ingold. Zwar habe man 2013 den Umsatz «noch einmal deutlich steigern können». Für das laufende Jahr erwartet Ingold aber eine Stagnation oder gar einen leichten Umsatzrückgang. Denn entgegen dem generellen Trend sind die Exporte von Schweizer Quarzuhren in den ersten fünf Monaten rückläufig. «Da wir zu 95 Prozent Quarzuhren produzieren, sind wir von dieser Entwicklung nicht ausgenommen.»

Ein ähnliches Bild bezüglich Arbeitsplatzentwicklung zeichnet André Bernheim, Co-Chef der Mondaine Watch AG in Biberist, wo rund 75 Angestellte beschäftigt sind. «Wir haben keine Erhöhung der Anzahl der Arbeitsplätze vorgesehen.» Dagegen erwartet Bernheim nach starkem Wachstum 2013 – je nach Segment zwischen 25 und 50 Prozent – für das laufende Jahr ein weiteres Umsatzplus.

Von einem «bewegten 2013» spricht Bruno Jufer, Chef der Grenchner Eterna AG. Nach verschiedenen Führungswechseln (wir berichteten) sei nun wieder Ruhe eingekehrt. Der neue Auftritt mit neuen Kollektionen an der Baselworld trage die ersten Früchte. Jufer sagt für 2014 ein Umsatzplus von 50 Prozent voraus, um anzumerken, dass im Vorjahr die Verkäufe um 20 Prozent eingebrochen seien. Die Zahl der Arbeitsplätze werde zwar von 50 auf 55 anstiegen. Im Vorjahr sei die Stellenzahl aber restrukturierungsbedingt von 62 auf eben 50 gesunken. Generell erwartet Jufer für die Uhrenbranche ein Wachstum, aber nicht mehr so hoch wie in den Vorjahren. Scheinbar unberührt von Vorsicht und Unsicherheiten marschiert die Swatch-Gruppe voran. In den vergangenen beiden Jahren schuf Swatch in der Schweiz rund 2000 neue Jobs.

Auch Zulieferer profitieren

Vom Uhrenboom profitieren auch die Zulieferer, so etwa die Feller Pivotages SA in Grenchen. «Wir entwickeln uns positiv. 2013 konnten wir den Personalbestand innerhalb der Gruppe um einen zweistelligen Prozentsatz erhöhen», erklärt Geschäftsleiter Martin Rüegsegger. Der Betrieb ist spezialisiert auf die Herstellung von Kleinstbestandteilen für mechanische Uhrwerke. Auch 2014 sollen weitere neue Arbeitsplätze geschaffen werden.

Die gute Auftragslage sei aber nicht nur auf die Uhrenindustrie zurückzuführen, hält Rüegsegger fest. Kleinstteile, welche eine entsprechende Fertigungskompetenz erfordern, würden auch mehr und mehr in anderen Branchen, zum Beispiel in der Medizinaltechnik, benötigt. Deshalb würden zunehmend auch andere Industriezweige beliefert. Als Vorteil bezeichnet Rüegsegger den Standort Grenchen. «Für ein auf Mikrokomponenten spezialisiertes Unternehmen ist Grenchen innerhalb der Region vom Genfersee bis Schaffhausen ein sehr guter Standort.»

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