Schiessanlagen
Die Vergangenheit lastet bleiern: Auch im Schwarzbubenland werden die Kugelfänge saniert

Der Kanton Solothurn saniert Region um Region die Kugelfänge von Schiessanlagen. Jetzt ist das Schwarzbubenland dran.

Urs Mathys
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Im Grundwasserschutzgebiet: Der Kugelfang (hinten rechts im Bild) der 50-Meter-Schiessanlage «Grien» in Breitenbach ist eines der Sanierungsobjekte.

Im Grundwasserschutzgebiet: Der Kugelfang (hinten rechts im Bild) der 50-Meter-Schiessanlage «Grien» in Breitenbach ist eines der Sanierungsobjekte.

Kenneth Nars

Jeder Schuss ein Treffer. Zumindest in die Kugelfänge helvetischer Schiessanlagen. Was sich dort in Jahrzehnten beim zivilen und militärischen Schiessbetrieb an giftigen Schwermetallen wie Blei und Antimon angesammelt hat, das hat nicht nur Gewicht und ist schädlich für die Umwelt, sondern geht auch ins gute Geld.

70 Mio. Franken müssen alleine im Kanton Solothurn für die Sanierung der 221 belasteten Standorte bei Schiessanlagen investiert werden, bestätigt Stephan Margreth auf Anfrage. Bei dieser Summe soll es auch bleiben, versichert der wissenschaftliche Mitarbeiter Bodenschutz im Amt für Umwelt (AfU) gestützt auf die Erfahrungen in der Pilotregion äusseres Wasseramt. Dort waren 2019 bereits 13 der kantonsweit 221 belasteten Standorte saniert worden: «Die dabei angefallenen Kosten decken sich mit unserem Kostenmodell.»

Übrigens: Der Bund, für dessen Armee ja nicht zuletzt das Schiessen geübt wird, steuert lediglich 20 Mio. Franken an die 70 Mio. Sanierungsaufwand bei. Und anders als in anderen Kantonen müssen sich Solothurner Gemeinden und Schützenvereine nicht an den anfallenden Kosten beteiligen. Dies nach einem geschickten Lobbying des Einwohnergemeindeverbandes in den letzten Jahren.

Reale Gefahr für Mensch und Umwelt

Nach Angaben von Margreth sind im Kanton insgesamt 132 Schiessanlagen noch in Betrieb, weitere 89 Anlagen sind in früheren Jahren stillgelegt worden. «Wir gehen davon aus, dass die allermeisten Schiessanlagen sanierungsbedürftig sind», macht der Fachmann klar. Denn Schwermetalle wie Blei und Antimon, die mit jedem einzelnen von Tausenden von Projektilen in den früher aus Erdwällen bestehenden Kugelfängen gelandet sind, können eine reale Gefahr für Mensch und Umwelt darstellen. Dies nicht zuletzt dort, wo gar Grundwasserschutzgebiete direkt betroffen sind.

Grund genug, von Gesetzes wegen zu handeln. Das AfU hat den Kanton in 19 Sanierungslose aufgeteilt, wo die Sanierungen innerhalb von 20 Jahren durchgeführt werden sollen. «Sanierungsregionen mit Anlagen in Gewässerschutzzonen werden zuerst untersucht und saniert», so Margreth.

Schwarzbubenland ist zweite Sanierungsregion

Deshalb kommt nun das Schwarzbubenland bereits als zweites Sanierungslos zum Zug. Denn zwei der 15 belasteten Standorte bei Schiessanlagen (mit insgesamt 18 Kugelfängen) befinden sich in einer Grundwasserschutzzone S2. Es sind dies die Schiessanlagen «Geissgädeler» in Seewen (eine 25- und eine 50-Meter-Anlage) sowie die Anlage «Grien» (50 Meter) in Breitenbach.

Damit die Wasserfassungen auch in mittelfristiger Zukunft sicher sind, müssen diese Anlagen zeitnah saniert werden.

(Quelle: Stephan Margreth, Kantonales Amt für Umwelt)

Margreth versichert: «Kurzfristig geht keine Gefahr von den mit Blei und Antimon belasteten Kugelfängen aus. Das Wasser wird regelmässig kontrolliert und es werden keine Schadstoffe im Wasser festgestellt.» Aber: «Damit die Wasserfassungen auch in mittelfristiger Zukunft sicher sind, müssen diese Anlagen zeitnah saniert werden.»

Sanierungsarbeiten sind ausgeschrieben

«Zeitnah» heisst für die Region Dorneck-Thierstein bereits 2021. Seit Herbst letzten Jahres sind die 15 Standorte – verteilt auf die Gemeinden Seewen, Breitenbach, Fehren, Himmelried, Meltingen, Nunningen und Zullwil – einer altlastenrechtlichen Voruntersuchung unterzogen worden. Gestützt darauf wurden nun im Amtsblatt die entsprechenden Baumeisterarbeiten ausgeschrieben. Interessierte Firmen haben Frist, ihre Gebote bis 3. Dezember einzureichen.

Der Ausschreibung ist zu entnehmen, dass die Arbeiten bereits Ende Oktober nächsten Jahres «ohne Unterbruch» fertiggestellt sein müssen. Angesichts von 18 zu sanierenden Kugelfängen nicht ein etwas gar ambitionierter Zeitplan? Stephan Margreth winkt ab: «Aufgrund der Erfahrungen aus der Sanierungsregion 1 Wasseramt ist das realistisch.»

Aktuell laufen die Untersuchungen im Thal

Als drittes Sanierungslos stehe anschliessend das Thal an, erläutert Margreth den nächsten Schritt: «Aktuell finden die altlastenrechtlichen Voruntersuchungen an 14 belasteten Standorten bei Schiessanlagen in den Gemeinden Gänsbrunnen, Welschenrohr, Aedermannsdorf, Herbetswil, Laupersdorf und Matzendorf statt.» Gestützt auf diese Sondierungen würden nächstes Jahr die Sanierungsarbeiten ausgeschrieben und 2022 ausgeführt.

10160 Kubikmeter Erdreich von 15 belasteten Standorten

Bis vor wenigen Jahren, bevor Scheibenstände von Schiessanlagen mit modernen Kugelfängen ausgestattet wurden, hatten aufgeschüttete Erdwälle oder natürliche Hänge die Bleiprojektile zu «schlucken». Entsprechend sei das «Belastungsbild grundsätzlich bei allen Schiessanlagen gleich», erklärt Stephan Margreth, vom Solothurner Amt für Umwelt (AfU). Das Ausmass und die räumliche Ausdehnung der Schwermetallbelastungen in und neben den Kugelfängen seien stark von der Dauer und der Intensität der Nutzung abhängig, so der wissenschaftliche Mitarbeiter Bodenschutz und Geologie.

Bezüglich des Umfangs der Sanierungsmassnahmen kann entsprechend auf die vom AfU für jeden Standort durchgeführte altlastenrechtliche Voruntersuchung sowie auf Messungen vor Ort abgestellt werden. Je nach Höhe der Belastung muss entsprechend viel Erdreich hinter den Zielscheiben und im umliegenden Streubereich abgetragen werden. Schwach belastetes Erdreich kann Deponien zugeführt werden, stärker kontaminiertes Material muss in einer Bodenwaschanlage gereinigt werden.

Stephan Margreth schätzt die Menge an zu entsorgendem belastetem Kugelfangmaterial und Erdreich bei den Schiessanlagen im Schwarzbubenland auf zwischen rund 50 und 1800 Kubikmeter. «Die zu entsorgende Gesamtmenge für alle Schiessanlagen dieser Region zusammen schätzen wir auf rund 10160 Kubikmeter belastetes Material.» (ums.)