Sprichwörtlich im letzten Moment wurde das Energiegesetz des Bundes im Kanton Solothurn angenommen. Nach 108 von 109 ausgezählten Gemeinden führten die Gegner der Energiestrategie 2050 knapp mit 50,7 zu 49,3 Nein-Stimmen. Die Stimmbürgerinnen und -bürger der Stadt Solothurn sorgten dann als letzte Gemeinde für den Umschwung. Am Schluss wurde das Energiegesetz mit 50,6 zu 49,4 Prozent angenommen. Die Differenz zwischen dem Ja- und Neinlager betrug lediglich 904 Stimmen. Damit gehört Solothurn zu den 22 Kantonen, welche die eidgenössische Vorlage angenommen haben.

Knappes Resultat abgezeichnet

Damit wurde die Neuausrichtung der Schweizer Energiepolitik im landesweiten Vergleich sehr, sehr knapp angenommen. Schweizweit sagten nämlich 58 Prozent Ja und 42 Prozent Nein. Der hohe Nein-Anteil im Kanton Solothurn überrascht indes nicht. So hatte etwa die FDP-Kantonalpartei im Gegensatz zur nationalen Mutterpartei die Nein-Parole beschlossen. Ebenso empfahl der Kantonal-Solothurnische Gewerbeverband entgegen dem nationalen Dachverband ein Nein in die Urne zu legen.

Hinzu kommt, dass Solothurn mit dem AKW Gösgen ein Standortkanton der Atomenergie ist. So lehnten etwa die nahen Bezirke Gösgen (deutlich) und Olten (knapp) das neue Gesetz ab. Krass im Vorteil waren die Nein-Wähler in der AKW-Standortgemeinde Däniken: Mit 70 zu 30 Prozent versenkten die Stimmbürger die Vorlage.

Stahlwerk-Umgebung sagte Ja

Auffallend ist, dass in den grösseren Gemeinden rund um das Stahlwerk Gerlafingen die Befürworter der neuen Energiepolitik deutlich obenaus schwangen. Das Stahlwerk mit seinen rund 500 Mitarbeitenden ist einer der landesweit grössten Energieverbraucher. Die Ja-Anteile lagen in den Standortgemeinden Gerlafingen und Biberist bei 53 respektive 56 Prozent. Auch die nahegelegenen Industriegemeinden Derendingen sagten mit 52 Prozent und Zuchwil mit gar 58 Prozent Ja.

Offensichtlich hat sich der aktive Einsatz für die Vorlage durch den Leiter der Stahl Gerlafingen AG, Daniel Aebli, gelohnt. Er hat sich nämlich im Gegensatz zum Branchenverband Swissmem öffentlich für das neue Energiegesetz eingesetzt und auch mit dem Argument Arbeitsplatzsicherheit gefochten. Stellen in Gewerbe und Industrie würden so zukunftsgerichtet erhalten.

Grenchen sagte Nein

Für das Ja sorgten primär die beiden Städte Solothurn und Olten, welche das Gesetz deutlich annahmen. Dasselbe gilt für die meisten grösseren Gemeinden. Einzig Grenchen lehnte als Stadt das Gesetz ab. Ja sagten die Bezirke Solothurn (mit 68 Prozent am höchsten), Wasseramt, Bucheggberg und Dorneck. Abgelehnt wurde die Vorlage in den Bezirken Thal (mit 59 Prozent Nein am stärksten), Lebern, Olten, Gösgen, Gäu und Thierstein.