Gasversorgung
Firmen wird kurzzeitig der Gas-Hahn zugedreht

Weil Gas zurzeit gefragt und deshalb teuer ist, haben verschiedene Firmen kurzfristig auf andere Energiequellen aumgestellt. Sie verpflichten sich dazu, wenn es längere Zeit kalt ist.

Elisabeth Seifert
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Gas-Lager

Gas-Lager

Solothurner Zeitung

Die für unsere Breiten ungewöhnliche Kälte erfordert nicht alltägliche Massnahmen, gerade auch im Bereich der Energieversorgung: Rund 50 Firmen im Grossraum Solothurn und Olten verzichten seit Montagnachmittag auf Erdgas - und haben vollständig auf Öl oder auch Holz umgestellt. Der Grund dafür ist aber nicht ein genereller Engpass beim Erdgas, wie man wegen der aktuellen Weigerung Russlands, Gas in den Westen zu liefern, vielleicht meinen würde.

«Wir könnten durchaus Gas einkaufen», meinte gestern Hans Wach auf Anfrage dieser Zeitung. Er ist Geschäftsführer des Gasverbundes Mittelland AG (GVM), über den die regionalen Energieversorger Regio Energie Solothurn, die Aare Energie AG Olten und die Sogas AG das Erdgas beziehen. «Aufgrund des hohen derzeitigen Bedarfs in ganz Europa ist der Erdgas-Preis aber entsprechend hoch.»

Reguläre Abschaltverträge
Der Gasverbund Mittelland ist eine von vier grossen Gasgesellschaften in der Schweiz, die aufgrund der Kälte derzeit alle ähnliche Massnahmen ergreifen. Der Gas-Hahn wird den betreffenden Firmen dabei im Rahmen ordentlicher Abschalt- bzw. Umschaltverträge zugedreht. «Unternehmen, die bereit sind, zu Spitzenzeiten kurzzeitig auf Erdgas zu verzichten, können dafür von besonders günstigen Erdgaspreisen profitieren», erläutert der GVM-Geschäftsführer den Nutzen für die betreffenden Firmen. Die Gasgesellschaften ihrerseits müssen nicht allzu grosse Gasmengen einkaufen, die sie dann in milden Wintern nicht absetzen können.

Zuletzt hat der Gasverbund Mittelland vor zwei Jahren die regionalen Energieversorger angewiesen, einen Teil ihrer Abschaltverträge für einige Tage zu aktivieren. Hans Wach: «Die Massnahme wird immer dann nötig, wenn die Temperaturen längerfristig unter die Grenze von vier Grad minus fallen.» In der letzten Woche habe man noch auf volle Speicher zurückgreifen können, für die kommenden Tage müsse der Verbrauch aber etwas zurückgefahren werden. Voraussichtlich aufs Wochenende, wenn die Temperaturen steigen, würden die betreffenden Firmen wieder ans Gasnetz angehängt.

Vor allem Grossverbraucher
Die Regio Energie Solothurn hat gemäss Auskunft von Sandra Hungerbühler, Leiterin Marketing und Kommunikation, insgesamt mit rund 30 Unternehmen Abschaltverträge abgeschlossen. «Bei acht Kunden haben wir am Montag umgeschaltet.» Es handle sich dabei um Firmen, deren jährlicher, durch Erdgas abgedeckter, Energieverbrauch bei 600 000 Kilowattstunden und mehr liegt. Konkrete Namen will Hungerbühler keine nennen. Die Umschaltung sei aber überall problemlos erfolgt. Im Versorgungsgebiet der Aare Energie AG Olten, die rund 100 Abschaltverträge unterhält, sind etwa 40 Firmen von der derzeitigen Massnahme betroffen. Kontaktiert hat die Aare Energie Olten laut Beat Erne, Leiter Kommunikation und Marketing, diesmal einzelne Firmen im Raum Schönenwerd und Olten und sämtliche Firmen mit Abschaltverträgen in der Region Thal-Gäu-Bipperamt. In dieser Region arbeitet der Oltner Energieversorger dabei eng mit der Sogas AG zusammen.

Auch Bell in Oensingen betroffen

Einer der grösseren Kunden der Sogas AG ist die Firma Bell in Oensingen, die sich seit Jahren vertraglich dazu verpflichtet, zu Spitzenzeiten von Gas auf Öl umzustellen. Betroffen sei die Energieversorgung der Reinigungsarbeiten, wie Davide Elia, Leiter Marketing und Kommunikation, gestern sagte. «Normalerweise werden die Maschinen durch Erdgas angetrieben, die Energiezufuhr kann aber problemlos auf Öl umgestellt werden.» Man habe entsprechende Reserven für solche Fälle gelagert.