Getränkemarkt
Swissdrink-Geschäftsführer: «In diesen Wochen laufen Millionen von Litern Bier und Süssgetränken ab»

Der Getränkehandel leidet unter geschlossenen Restaurants, Bars und Klubs. Wie sehr, das weiss keiner besser als Swiss-Drinks-Geschäftsführer Stefan Gloor. Er sagt: «Die uns angeschlossenen Getränkehändler verloren seit Jahresbeginn 40 Millionen Franken Umsatz pro Monat.»

Sébastian Lavoyer
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Laut dem Verband der unabhängigen Getränkehändler sind Millionen von Litern von Bier und alkoholfreien Getränken vom Ablaufen bedroht.

Laut dem Verband der unabhängigen Getränkehändler sind Millionen von Litern von Bier und alkoholfreien Getränken vom Ablaufen bedroht.

Alex Spichale / AGR

Stefan Gloor, wie dramatisch ist die Situation bezüglich ablaufender Getränke schweizweit?

In diesen Wochen laufen Millionen von Litern Bier und Süssgetränke ab. Und das allein bei den Getränkehändlern. Wie es bei den Restaurants und den Herstellern aussieht, ist noch einmal eine ganz andere Frage. Das Schlimme ist, selbst wenn Ende April geöffnet werden sollte, wird es wohl nur schleppend wieder anziehen.

Warum ist die Situation so angespannt?

Swissdrink kann nicht für alle Getränkehändler sprechen, aber wir vertreten gut die Hälfte aller Getränkehändler des Landes und in Bezug auf den Umsatz gar rund drei Viertel. Unsere Mitglieder machen im Durchschnitt 75 Prozent ihres Umsatzes im Event- und Gastro-Bereich. Dieses Geschäft ist seit Anfang 2021 um rund 90 Prozent geschrumpft. Das entspricht einem Umsatzverlust von monatlich 40 Millionen Franken.

Zur Person

Geschäftsleiter Swissdrink

Geschäftsleiter Swissdrink

Stefan Gloor ist Geschäftsleiter von Swissdrink, dem grössten Verband unabhängiger Getränkehändler in der Schweiz. Rund 150 von über 300 Grossisten landesweit sind Swissdrink angeschlossen. Sie haben rund 2000 Mitarbeitende und beliefern gut 18'000 Gastronomiebetriebe in der ganzen Schweiz.

Wer leidet besonders?

Es gibt Händler, die auf Events spezialisiert sind, 90 und mehr Prozent ihres Umsatzes dort machen. Sie trifft es besonders hart. Und wir haben ein Gefälle zwischen Stadt und Land festgestellt. Das ganze Nachtleben liegt still, Events gibt es keine, die Restaurants sind geschlossen – das kriegt man in urbanen Gegenden noch viel stärker zu spüren.

Wie wirkt sich das auf die Händler aus?

Vor wenigen Wochen hat mir ein Händler aus Zürich gesagt, dass er Ware für eine halbe Million ausbuchen musste. Vor allem aus dem Gastrosortiment. Bier in Tanks, 3,3-Deziliter-Getränke im Glas und Harasse, Light-Produkte. Es geht ans Lebendige.

Gab es schon viele Konkurse bei Händlern?

Es geht nicht einmal nur um Konkurse. Wir vertreten zahlreiche Familienbetriebe, die Getränkehandel in zweiter oder dritter Generation machen. Die haben schon vor der Krise mit tiefer Marge gewirtschaftet und geben nun in der Krise auf – entweder gehen sie einer anderen Beschäftigung nach oder lassen sich frühzeitig pensionieren. Wir wissen von fünf, sechs die aufgehört haben.

Bringen die Staatshilfen nichts?

Doch, sehr sogar. Vor allem die Kurzarbeit. Die Härtefallregulierung ist als Idee gut, in der Praxis aber viel zu kompliziert. Das sagen unsere Mitglieder. Und das mussten auch wir feststellen. Es ist zu technisch, zu unterschiedlich von Kanton zu Kanton. Das hätte unsere Verbandskapazitäten überstiegen. Deshalb haben wir einen Treuhänder organisiert, bei dem sich unsere Mitglieder für eine Stunde kostenlos beraten lassen können.