Marc ist 19 und hat vor ein paar Monaten die Matura mit Ach und Krach bestanden. Nun steht der Start ins Berufsleben an, finden seine Eltern Gerd und Bettine. Nach einer Phase des Ausruhens müsste der Jüngling jetzt sanft an den Ernst des Lebens, gemahnt werden. So wagt Vater Gerd ein Gespräch: «Hast du dich endlich um ein Praktikum gekümmert?» Sohn: «Läuft.» Vater: «Und was heisst das?» Sohn: «Mach ich noch.» Vater: «Und wann?» Sohn: «Ich sage doch, ich mache das noch.» So und ähnlich wird gesprochen im Hübner/Nemitz-Stück und sofort macht sich im Publikum ein grosser Wiedererkennungswert breit. Die Antriebslosigkeit des Sohnes offenbart auch die Beziehung der Eltern untereinander und zeigt Vorstellungen, Träume, Wünsche auf – wo sind sie hin?

Moderne, tolerante Eltern haben für jedes Problem eine Lösung. Sie räumen dem Nachwuchs jede Schwierigkeit aus dem Weg; dafür verlangt man aber auch, dass die gut gemeinten Vorschläge der Eltern erfüllt werden. Doch Marc streikt. Die Eltern fragen bei Kathrin, der grossen Schwester der Mutter um Rat. Sie hat schliesslich alleinerziehend zwei Söhne erfolgreich in die Welt hinaus entlassen.

Eines Tages verändert sich Marc und die Eltern konstatieren: Da muss ein Mädchen im Spiel sein. Tatsächlich stellt Marc ihnen seine Freundin Selma vor, die so ganz anders ist, als ihr phlegmatischer Sohn. Neben zwei Jobs und Abendschule unterstützt sie noch ihre psychisch labile Mutter Heidrun. Doch schon folgt das nächste Problem für Bettine und Gerd: Selma wird schwanger. Das könnte man ganz einfach mit Geld lösen. Oder soll man alles laufen lassen und darauf vertrauen, dass es die Jungen selbst irgendwie schaffen? Tatsächlich gibt es eine Lösung im Stück.

Schauspieler mit Bandbreiten

Nach «Die Firma dankt» zeigt Theater Orchester Biel Solothurn Tobs eine weitere Arbeit des Erfolgs-Autorenduos Hübner/Nemitz als Schweizer Erstaufführung. «Wunschkinder» wird unter der Regie von Cilli Drexel mit der spartanischen Ausstattung von Rebekka Zimlich gradlinig und auf die Texte vertrauend inszeniert. Beide geben ihr Haus-Debüt am Tobs.

Günter Baumann als Vater Gerd scheint die Väter-Rollen diese Spielsaison «gepachtet» zu haben. Diesmal gibt er ein forderndes, erfolgsverwöhntes Exemplar. Margit Maria Bauer ist als Mutter Bettine die aufopfernde Mutter und leicht frustrierte Ehefrau, die oft nahe am Abgrund der Verzweiflung steht. Und Barbara Grimm als Tante Kathrin weiss bei all ihrer Abgeklärtheit auch nicht weiter.

Atina Tabé verkörpert die sich immer an der Grenze zum psychischen Drama bewegende Heidrun glaubhaft und Tom Kramer gibt als verwöhnter, jedoch stark verunsicherter und immer wieder aufbegehrender Marc eine körperbetont-schwungvolle Darstellung. Die verliebte Selma wird von Tatjana Sebben gespielt, die zwischen jugendlichem Überschwang und verführter Ernsthaftigkeit schwankt.

Nächste Aufführungen in Solothurn: 6.6., 12.6.