«Auf einen Kaffee mit...»

«Mein Comeback war wie ein kleiner Sieg»: Sandra Boner blickt nach Brustkrebs in die Zukunft

Wird ständig gefragt, wie das Wetter wird: Sandra Boner.

Wird ständig gefragt, wie das Wetter wird: Sandra Boner.

Auf einen Kaffee mit Sandra Boner, Moderatorin bei SRF Meteo. Die Wetterfrau aus Solothurn kommt zurück nach erfolgreich überstandenem Brustkrebs.

Sandra Boner – beim Namen der 45-jährigen Solothurnerin und zweifachen Mutter denkt man vermutlich gleich an «SRF Meteo». Dort arbeitete Boner seit dem Jahre 2002, bis sie sich 2018 aufgrund einer Brustkrebserkrankung zurückzog. Nach einer zehnmonatigen Auszeit feierte sie Anfang 2019 ihr Comeback. Bei einer Tasse Kaffee gestattet die «Wetterfee» nun einen Einblick in ihr Leben.

Boner ist in Solothurn aufgewachsen und wünscht sich dasselbe für ihre Söhne. «Man ist schnell in der Natur und hat trotzdem viele kulturelle Anlässe wie die Film- oder Literaturtage. Ich habe das Gefühl, der Solothurner Charme würde mir fehlen, denn dies ist meine Heimat.» Deswegen macht es ihr nichts aus, mit dem Zug zur Arbeit nach Zürich zu pendeln. Ihr Arbeitstag beginnt am frühen Morgen mit dem Wecken der Kinder und endet um 23.15 Uhr, sobald sie in Solothurn wieder aus dem Zug steigt. Für sie sind lange Arbeitszeiten keine Belastung, sondern eher ein Vorteil. «Für mich ist dies gäbig», meint Boner und erklärt, dass sie so ihr 60-Prozent-Pensum in zwei Arbeitstage packen könne. Während ihrer Laufbahn beim Schweizer Fernsehen sei sie wegen ihrer Berufstätigkeit als Mutter auch auf Kritik gestossen. Solche Kritik kann sie jedoch nicht ganz verstehen. «Ich finde es verrückt, dass man 2020 immer noch gefragt wird: ‹Was machst du eigentlich mit deinen Kindern?› Meinen Mann fragt man das nie».

«Eine Herausforderung, das Wetter nicht zu werten.»

Wenn sie auf dem Meteodach im Leutschenbach steht, dann hat sie am liebsten eine leicht bewölkte Wetterlage bei 20 Grad Celsius. «Da ich schnell kalt habe, habe ich den Frühling und den Herbst sehr gerne». Trotzdem muss sie bei jedem Wetter vor die Kamera. «Die grösste Herausforderung ist, dass ich meine Persönlichkeit manchmal auch ein bisschen zurückstecke und zum Beispiel auch einbringen muss, dass Kälte, Schnee und Regen gut sind. Es ist eine Herausforderung, das Wetter nicht zu werten».

Je nach Wetterlage kann auch das Moderieren selbst zu einer Herausforderung werden. «Wenn es heiss ist und die Sonne blendet, dann ist das genauso unangenehm, wie wenn es minus fünf Grad hat und windet.» Solche Umstände wirken sich jedoch nicht auf Boners Faszination für ihre Arbeit aus. «An der Meteorologie finde ich spannend, dass es eine sehr wissenschaftliche Methode und gleichzeitig ein Blick in die Zukunft ist.»

Neue Energie tankt Boner, indem sie ihre Freizeit mit ihrer Familie verbringt. Aber auch dann ist immer etwas los. «Stillstand gibt es bei uns Zuhause nicht.» Man besucht zusammen Museen und kulturelle Anlässe oder verbringt Zeit in der Natur. Manchmal wird ein Spiel des FC Solothurn besucht, und an Kreativität soll es bei der Familie Boner auch nicht fehlen. «Am Wochenende machen wir viel miteinander. Momentan sind wir gerade am Basteln für die Fasnacht.»

Die Rückkehr: «Es war wie ein kleiner Sieg»

Sandra Boners Welt war jedoch nicht immer so heil. Als sie ihr Comeback beim Schweizer Fernsehen gab, hatte sie eine schwere Zeit hinter sich. Über ihr Comeback erzählt sie: «Es war ein sehr emotionaler Moment. Es war nicht so, dass mir das Moderieren wahnsinnig gefehlt hätte, aber für mich war es wie ein kleiner Sieg, um zu sagen, ich bin wieder hier, ich bin noch nicht weg.» Neben ihrem Umfeld war auch die öffentliche Anteilnahme aufbauend für sie. Heute sieht sie die Welt mit anderen Augen. «Wenn man so etwas erlebt hat, dann merkt man, dass man nicht lebt, um zu arbeiten, sondern um zu leben.» Sie ist froh, wieder vor der Kamera zu stehen. «Es ist auch ein gutes Zeichen, dass ich nach diesem Erlebnis merke, dass ich gerne wieder arbeite.»

Was das Jahr 2020 angeht macht Boner einen Schritt nach dem anderen. «Grosse Projekte habe ich eigentlich keine.» Momentan geniesst sie es, wieder bei SRF Meteo zu moderieren. Auch in der Stadt Solothurn engagiert sie sich dieses Jahr. «Dieses Jahr feiert die Stadt Solothurn das 2000-Jahr-Jubiläum. Ich freue mich auf die vielen speziellen Anlässe und ein Teil dieser Geschichte zu sein, schliesslich ist Solothurn mein Zuhause und mein Herzblut.»

Dazu, wie ihre Kinder damit umgehen, dass sie ein bekanntes Mami haben, meint sie: «Ich habe das Gefühl, dass sie ein bisschen ein komisches Weltbild haben, denn ich werde ständig gefragt, wie das Wetter wird.» Trotz ihrer Bekanntheit durch das SRF hat sie sich jedoch nicht verändert. «Ich bin stolz darauf, dass ich 18 Jahre in der Öffentlichkeit stehe und trotzdem noch die Sandra Boner bin.»

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