Erst letzten Mai kündigte Mitel Schweiz AG an, dass mit Manuel Ferre Hernandez ein neuer Managing Director das Ruder übernimmt. Dieser werde sich nun darum kümmern, «weiteres Wachstum zu forcieren». Doch statt vorwärts, gehts mit dem Hersteller von Telekommunikationssystemen zumindest am Standort Solothurn rückwärts: 26 von 65 Beschäftigten wurde Ende September gekündigt.

Auf Anfrage bei Mitel Schweiz AG wird von der Zürcher Zentrale des kanadischen Konzerns zunächst an einen Mitarbeitervertreter verwiesen, der dann aber doch nichts sagen darf. Schliesslich erklärt die Direktionsassistentin, dass Fragen zur Standort-Zukunft an die Geschäftsleitung in Deutschland zu stellen seien – doch bleibt die Beantwortung bis Redaktionsschluss am Freitagabend aus.

«Wir befürchten, dass es bis zum vollständigen Rückzug von Mitel aus der Schweiz nur noch eine Frage der Zeit ist», bringt Zabedin Iseini von der Gewerkschaft Syna die Ängste des Personals auf den Punkt. Die vierte Entlassungswelle innert Jahren – letztmals, im Juli 2018, gabs 23 Entlassungen – zeige doch «dass die Salamitaktik bei Mitel weitergeht». Jedenfalls sei es «ein Hohn, dass das Unternehmen die Abbauschritte immer mit denselben Stichworten – veränderter Markt, sinkende Preise, stärkere Konkurrenz – begründet».

Auch der Arbeitnehmerverband Angestellte Schweiz kritisiert den Stellenabbau scharf: «Die grosse Zeit der Entwicklung von Telefonielösungen aus der Schweiz ist bei Mitel definitiv vorbei.» Schon wieder würden Arbeitsplätze in diesem Unternehmen verschwinden. Ja, es müsse «gemäss Aussagen des Managements damit gerechnet werden, dass gewisse Bereiche in der Schweiz gar nicht mehr weitergeführt werden».

Angestellte Schweiz kritisiert fordert, dass der Stellenabbau noch einmal gründlich hinterfragt werden müsse. Es sei ein «grosser Fehler, dass Mitel künftig auf noch mehr Schweizer Know-how verzichtet und somit ihr langjähriges Markenzeichen, nämlich das hohe Qualitätsniveau, noch mehr torpediert.» Die Firma habe ihr Geschäft mit qualitativ hochstehenden Produkten und Dienstleistungen hierzulande über Jahrzehnte absolut rentabel betrieben. Der drohende Know-how-Verlust gefährdet mit dem geplanten Abbau letztlich auch die vorläufig nicht betroffenen Stellen», wird befürchtet.

Bei der Übernahme waren es noch 240 Mitarbeitende

Vergangenen Mai hatte Mitel vermeldet, dass der langjährige Geschäftsführer Ulrich Blatter in den Ruhestand trete und vom auch für Deutschland zuständigen Manuel Ferre Hernandez abgelöst werde.

Mitel Schweiz ist aus Aastra Telecom Schweiz (noch früher Ascom) heraus entstanden, die 2014 zusammen mit ihrem Mutterkonzern vom kanadischen Mitel-Konzern übernommen wurde. Damals waren für das Unternehmen in der Schweiz rund 240 Mitarbeitende tätig, derzeit zählt Mitel Schweiz noch 65 Stellen.
Urs Mathys