Obsternte
Nach dem Frost ist für die Bauern vor dem Frost

Der Aprilfrost 2017 zerstörte 75 Prozent der Kirschenernte im Kanton. Doch eine Versicherung gegen den Frost ist selten. Sie frisst den Obstproduzenten in der Regel zu viel vom Gewinn weg.

Benildis Bentolila
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Um Frostschäden zu verhindern, wurden wie hier nördlich des Juras Frostkerzen aufgestellt. Trotzdem gingen die Ernten im Kanton stark zurück.

Um Frostschäden zu verhindern, wurden wie hier nördlich des Juras Frostkerzen aufgestellt. Trotzdem gingen die Ernten im Kanton stark zurück.

Picasa;Franz Schweizer (zvg);

Wie könnte es anders sein – der Aprilfrost 2017 war das grosse Thema an der 8. Nordwestschweizer Obstbautagung im Zivilschutzzentrum Eiken. Denn laut Schätzungen waren die Mindererträge im 2017 gegenüber dem Durchschnitt der letzten Jahre für den Kanton Solothurn riesig: 75 Prozent weniger Kirschen; 60 Prozent weniger Zwetschgen; 45 Prozent weniger Birnen; rund 40 Prozent weniger Äpfel. Die Referenten empfahlen, wie den Herausforderungen auf Obstbetrieben im Rahmen des Klimawandels mit Risikomanagement einigermassen beizukommen ist.

Doch Philipp Gut, Leiter Fachstelle Spezialkulturen am Wallierhof, hielt nach der Tagung fest, die Referate hätten gezeigt, dass es nicht einfach sei, sich auf ein Naturereignis wie Frost vorzubereiten: «Von verschiedenen Seiten wurden Wege und Möglichkeiten aufgezeigt, wie die Auswirkungen einigermassen aufgefangen werden können.» Er fuhr weiter, ein sicherer Schutz der Kulturen sei kaum möglich und würde viel Geld kosten und einen grossen Arbeitsaufwand bedeuten. Eine Versicherung würde einen grossen Teil des Gewinns wegfressen. «Leider», meinte er, «gibt es für solche aussergewöhnlichen Wettervorkommnisse kein sicheres Konzept.»

Obstplantage aus Wangen bei Olten und Boningen in der Kälte
9 Bilder
Obstbauer Mathias Anderegg mit einem der drei Frostschutzgebläse in der Apfelplantage in Wangen bei Olten
Sind die Blüten einmal offen, sind sie nicht mehr geschützt gegen die Kälte
Michael Studer aus Boningen auf dem Erdbeerfeld. Die Früchte befinden sich teilweise unter Flies. Das Gewicht des Schnees drückt den Stoff nach unten und kann die Früchte verformen.
Eine Erdbeerpflanze im Schnee
Karin Studer-Stirnimann in einem der Treibhäuser

Obstplantage aus Wangen bei Olten und Boningen in der Kälte

Bruno Kissling

Der nächste Frost ist so sicher wie das Amen in der Kirche

Die Obstproduzenten Andi Steinacher, Schupfart, Kurt Rennhard, Leuggern, und Ernst Lüthi, Ramlinsburg, blickten zum Einstieg zurück auf ihre eigenen Erfahrungen anlässlich der Frosttage und -nächte. Dabei tauchten erste Ideen auf, wie man sich besser vorbereiten könne. Kurt Rennhard stellte den «Schnitzelblitz» vor, eine Erfindung seines Sohnes. Mit dem Gefährt lassen sich Schnitzel rasch und unkompliziert in den Anlagen verteilen, um sie dann in Brand zu setzen.

Leonhard Steinbauer, Leiter der Versuchsstation Obst- und Weinbau Haidegg/Steiermark, begann seinen Vortrag «Nach dem Frost ist vor dem Frost» mit der Aussage: «Der nächste Frost ist so sicher wie das Amen in der Kirche.» Verständlich legte er dar, wie Frostgefahren bekämpft werden können im Kern- und Steinobstbau und hielt fest, Obstproduzenten müssten sich immer wieder grundsätzliche Fragen stellen: An welchen Standorten kann ich noch anpflanzen? Welche Sicherheit ist für mich ausreichend? Welche Tiefsttemperaturen möchte ich bekämpfen? Mit welcher Anzahl Frostnächten ist zu rechnen? Wie will ich Schäden durch Frost verhindern (Prävention, Frostberegnung, Luftumwälzung, Frostheizung)?

Hagelversicherung kann jetzt auch Frostversicherung sein

Gespannt waren die Teilnehmer auf das Thema «Ernte- und Frostversicherung». Hansueli Lusti von der Schweizer Hagelversicherung freute sich, dass neben den bisherigen gedeckten Risiken (Hagel, Erdrutsch, Blitz, Brand, Erdbeben, Sturm, Überschwemmung, Wiederherstellung des Kulturlandes, Schneedruck) neu unter dem Namen «Klima+» das Frostrisiko eingeschlossen werden könne. Marcel Stäheli von CelsiusPro erläuterte das Angebot von Zertifikaten für Wetterrisiken. Dabei wird eine im Voraus festgelegte Summe ausbezahlt, wenn beispielsweise Frosttage und -nächte sowie bestimmt Minusgrade hintereinander sich entsprechend dem versicherten Risiko entwickeln.

«Mein Kopf ist voll von Ratschlägen, Ideen, Hinweisen und Meinungen», meinte ein solothurnischer Tagungsteilnehmer gegen Abend beim Hinausgehen, «sodass ich nun nach Hause gehen und das aussortieren muss.» So fühlten sich wohl die meisten der rund 120 Teilnehmer. Organisiert hatte die Tagung der Verband der Aargauer Obstproduzenten VAOP zusammen mit dem Landwirtschaftlichen Zentrum Liebegg.