In der Solothurner Gemeinde hat sie die Firma Balance AG gegründet und ein leerstehendes Einfamilienhaus gemietet.

Die Aufregung im Binninger Villenquartier war vor Jahresfrist gross, als die Nachbarschaft bemerkte, dass sich im ehemaligen Anwesen des Immobilienunternehmers Urs Gribi eine forensisch psychiatrische Wohngruppe eingerichtet hatte. Unterschriften wurden gesammelt, die Bildung einer bürgerwehrähnlichen Patrouille wurde erwogen. Dabei war das Wohnheim bereits seit Herbst 2015 eingemietet, und von den Bewohnern, die aufgrund ihrer psychischen Erkrankung straffällig geworden sind, ging keine Gefahr aus. Die Aufwallung brachte jedoch zutage: Die Wohngruppe verfügte von den Behörden unbemerkt oder toleriert über keine Betriebsbewilligung.

Keine Aussicht auf Bewilligung

Beim Start hatten sich die beiden Initianten des Heims, Svetlana Arsenijevic und Samuel Mathys, um eine behördliche Zulassung beworben. Die beiden hatten sich in der Pflege bei den Universitären Psychiatrischen Kliniken (UPK) Basel kennen gelernt und beschlossen, sich selbstständig zu machen. Mathys kandidiert derzeit als Parteiloser für die Wahl in die Baselbieter Regierung. Er sagt, die Behörden hätten von Anfang an gesagt, dass die Auflagen für eine so kleine Institution eigentlich kaum erfüllt werden könnten und das Heim besser unter dem Dach einer bestehenden, grösseren Institution gestartet werden solle. Doch dies habe Arsenijevic nicht gewollt.

So startete die Wohngruppe ohne Bewilligung und gemäss Mathys unter prekären finanziellen Bedingungen. Er selbst habe als Heimleiter im ersten Jahr lediglich 16 000 Franken verdient und damit weniger als andere Familienangehörige von Svetlana Arsenijevic, die ebenfalls im Betrieb mitwirkten. Die Buchhaltung habe zudem der Sohn geführt, doch Einblick in die Bücher habe er nicht erhalten, sagt Mathys, der ab Anfang 2018 schrittweise ausgestiegen ist und nach eigenen Angaben sein Erspartes verloren hat.

Nach dem Widerstand im Quartier startete die Wohngruppe einen zweiten Versuch, eine Betriebsbewilligung zu erhalten, flankierend reichte sie zudem ein Baugesuch für eine Zweckänderung ein. Das Unterfangen schien jedoch hoffnungslos, wie aus vorliegenden Unterlagen hervorgeht. Das Baselbieter Sozialamt schrieb etwa in seiner Stellungnahme: «Es fehlen der Gesuchstellerin offensichtlich elementare Kenntnisse zum Führen eines Heimes.» Es mangelte an den baulichen Voraussetzungen, arbeitsrechtliche Verstösse wurden festgestellt, unsachgemässe Medikamentenabgabe wurde gerügt. Gegen die ablehnenden Entscheide legte die Wohngruppe zwar Beschwerde ein, doch faktisch wurde das Heim in Binningen Ende vergangenen Jahres liquidiert.

Gesuch in Solothurn hängig

Seit November läuft der Neustart in Dornach mit einer neuen, erneut von Arsenijevic geführten Firma. Diese hat sich ein ähnliches Umfeld wie zuvor in Binningen ausgesucht. Das angemietete 8 1/2-Zimmer-Einfamilienhaus eines ehemaligen Syngenta-Kadermitarbeiters steht an Hanglage mitten im Villenviertel und verfügt über einen abgeschirmten, grossen Garten. Per Stellenanzeige ist derzeit eine stellvertretende Heimleitung gesucht. Und bei den Behörden wurde das Gesuch um eine Heimbewilligung gestellt. Dies bestätigt Claudia Hänzi, Leiterin des kantonalen Amts für soziale Sicherheit. Die Wohngruppe dürfe starten, wenn eine Bewilligung vorliege. Das Gesuch werde unvoreingenommen geprüft, sagt Hänzi.
Svetlana Arsenijevic reagierte weder auf telefonische noch auf schriftliche Anfragen. Ihre Wohngruppe Horizonte GmbH wurde mittlerweile nach Zürich umgemeldet. An gleicher Zürcher Adresse ist eine Firma gemeldet, die zuvor der Familie Arsenijevic gehörte und nun mit dem Vertrieb von Druckerpatronen beschäftigt ist.