Street-Music-Festival
Nicht nur Musik brachte die Gasse zum Kochen

Wieder einmal machte die ganze Welt einen musikalischen Kurzbesuch im Unteren Winkel. Die Münchner «ZiehGäuner» legten am Samstag mit ihrer fröhlichen Musik die Basis für einen Abend voller guter Laune.

Hans Peter Schläfli (Text und Bild)
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Street Music Festival Solothurn
11 Bilder
Das Publikum war begeistert
Posaunist Jakob Mayr von den ZiehGäunern
Die Eigebröi Street Band versteckte sich etwas in einer dunklen Ecke
Äl Jawala
Der medizinische Notfall war ein schwerer Dämpfer für die Stimmung
Das Publikum machte begeistert mit
Die ZiehGäuner am Street-Music Festival
Steffi Schimmer von Äl Jawalla
Das berühmte Risotto bekommt seine geheime Zutat
Phillip Zeltner vom Fischermanns Orchestra am Balafon

Street Music Festival Solothurn

Wenn es aus dem Unteren Winkel Klänge wie aus dem Balkan durch die ganze Vorstadt dringen, dann ist es Zeit für das traditionsreiche Street-Music-Festival. Immer wieder mischte sich Fremdes mit vermeintlich vertrauten Klängen. Da groovt der Ska auch mal in Funk-Manier und dann machen die «ZiehGäuner» ihrem Namen alle Ehre – indem sie eben durch den Balkan zigeunern. Mit leicht anzüglichen, bayrischen Texten wurde das Publikum in die Show integriert, was die Stimmung zum Kochen brachte.

Am Kochen war da auch die riesige Pfanne mit dem rassigen Risotto - wie jedes Jahr. So sollen nicht nur die Ohren, sondern auch der Gaumen verwöhnt werden. «Beim Rotwein und bei den Essen werden wir diesmal wegen der grossen Hitze wohl eine Einbusse spüren», sagte Martin Wagmann, der seit der ersten Durchführung 1997 zu den Organisatoren gehört. Dafür liefen die kalten Getränke hervorragend.

Kraftvolles von der «Hausband»

Dann gönnten sich Wagmann und die weiteren Organisatoren nach drei Jahren endlich wieder einen eigenen Auftritt: Ihre «Eigebröi Street Band» ist eine veritable Solothurner Brassband. Sie spielen ohne jegliche Verstärker kraftvollen, modernen New-Orleans-Jazz, gemischt mit Funk, Reggae, Blues und Balladen. Sie verkauften sich fast etwas unter ihrem Wert. «Eigebröi» traten neben der Bühne auf und verschwand vor allem beim zweiten Set fast in der Dunkelheit. Ein kleiner Tipp: Nächstes Jahr wollen Euch die Fans wieder im Scheinwerferlicht sehen!

Den krönenden Abschluss des Samstagabends machte die im Unteren Winkel bereits bekannte Balkan-Combo Äl Jawala aus Freiburg im Breisgau mit ihrem Gypsy- und Klezmersound. Als waschechte Street-Music-Band tingeln die Schwarzwälder quer durch Europas Strassen und nehmen dabei Inspirationen vom Atlantik bis ans Schwarzem Meer mit.

Einen schweren Dämpfer musste die Stimmung kurz vor neun Uhr erfahren. Ein Mann brach am Festtisch mit gesundheitlichen Problemen zusammen. Herzprobleme, vermutlich verstärkt durch die Hitze, dürften der Grund gewesen sein. Eine Ärztin, die am Fest war, übernahm die ersten Rettungsmassnahmen in Form einer Herzmassage. Die Ambulanz aus dem nahen Bürgerspital war rasch vor Ort und konnte den bewusstlosen Mann in die Pflege überführen.

Ein Teppich aus Weltmusik

Die Bands nahmen nach dem doch etwas schockierenden Ereignis ihr Programm mit etwas ruhigeren Klängen wieder auf, aber ein Teil des Publikums hatte daraufhin keine Lust mehr aufs Feiern und ging nach Hause. An der Bar klang dann der Sommerabend aus. «Es war unter diesen Umständen ein gut besuchtes Fest», zog Martin Wagmann eine erste Bilanz. «Allerdings wäre es gut, wenn wir einen Sponsoren finden könnten, der uns mit einer Risikogarantie für unvorhersehbare Eventualitäten den Rücken freihalten würde.»

An der sonntäglichen Matinée legte dann noch das «Fischermanns Orchestra» aus Luzern einen stimmigen Teppich aus Weltmusik aus. Der ganz spezielle Klang des afrikanischen Balafons hätte ein etwas grösseres Publikum verdient gehabt, doch die erdrückende Hitze liess nur etwa drei Dutzend «Hartgesottene» dem Schatten entlang schleichen. Die brütende Sonne hatte Solothurn ins kühle Exil in die Badi oder an die Aare getrieben. Bleibt zu hoffen, dass die Nonprofit-Veranstaltung trotzdem eine «schwarze Null» schreiben wird, damit es in einem Jahr das 17.Street-Music Festival geben wird.

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