Es klingt wie ein Kalauer, die spöttische Bemerkung liegt einem schnell auf der Zunge: Im modernsten Gefängnis der Schweiz gingen am Donnerstagmorgen die Lichter aus. Telefone blieben tot. Zellentüren waren blockiert. Und dann passierte zu allem Überfluss auch noch, was niemals passieren sollte: Im Knast versagte die Notstromversorgung, die Aggregate sind nicht angesprungen.

Die ersten Probleme gab es gegen 8.30 Uhr, wie Pablo Loosli, Direktor der Justizvollzugsanstalt Schachen in Deitingen, bestätigt. Vom Stromausfall war die ganze Anstalt betroffen: Türen liessen sich nicht mehr – wie in einem Gefängnis üblich – automatisch öffnen oder schliessen. Immerhin sind diese im Notfall auch mechanisch bedienbar. Betreuer führten die Häftlinge von den Arbeitsplätzen in ihre Zellen, die mit Schlüsseln abgeschlossen wurden.

«Gefahr hat nicht bestanden»

Die JVA Solothurn zählt bislang 37 Häftlinge – viele mit Rückfallgefahr. Zwei Zäune, Bewegungssensoren und rund 140 Kameras sorgen dafür, dass keiner von ihnen entfliehen kann. Auch die Sicherheitstechnik wurde nun unfreiwillig auf die Probe gestellt. Doch trotz dieser unangenehmen Situation: «Die Sicherheit in der Anstalt war zu keinem Zeitpunkt gefährdet», erklärt Loosli. Man sei auf solche Situationen vorbereitet. Das Sicherheitsdispositiv habe sich auch auf ein Notfallkonzept stützen können. Und die Bevölkerung? «Eine Gefahr hat nie bestanden», heisst es im Amt für Justizvollzug.

Panne im Knast: Stromausfall in der Justizvollzugsanstalt Solothurn

Bericht von TeleM1

Ein Gefängnis bietet immer Stoff für Diskussionen – und ein Gefängnis mit offenem Aussentor erst recht. Doch die Meldung eines Leserreporters, wonach das JVA-Tor während des Stromausfalls offenblieb, müsse man «entschieden dementieren». Auch dieses sei vom Personal manuell bedient worden, so Loosli. «Es wurde nur geöffnet, um das Mittagessen in die Anstalt zu bringen.» Nach vier Stunden konnten Techniker das Problem dann beheben.

Am Freitagnachmittag schliesslich die Gewissheit: Bauarbeiter waren für den Stromausfall verantwortlich. In der Anstalt, wo noch immer gebaut wird, wurden zu viele Geräte gleichzeitig ans Netz gehängt, was zu einer Überlastung führte. Es kam zu einem Kurzschluss, die Sicherungen wurden ausgelöst.

Klar ist unterdessen auch, warum die Notstrom-Aggregate nicht ansprangen: Die Stromüberlast auf einen Polleiter hat die Versorgung der ganzen Anlage unterbrochen. «Die Lastverteilung ist bereits angepasst worden», so Direktor Loosli. Eigentlich sollten die Aggregate einen Generator in Gang setzen, der die Anstalt wieder mit Strom versorgt. Unklar ist noch, ob ein juristisches Nachspiel droht.