Autobahn-Ausbau

Sechs Spuren für 886 Millionen Franken: Ein Ausbau für die nächste Generation

Seit einigen Tagen machen entlang der A1 von Härkingen bis Luterbach aberhunderte von Profilstangen auf den geplanten Dreispur-Ausbau der Autobahn A1 zwischen Härkingen und Luterbach aufmerksam.

A1 Autobahn Ausbauprojekt Dreispur Härkingen-Luterbach

Seit einigen Tagen machen entlang der A1 von Härkingen bis Luterbach aberhunderte von Profilstangen auf den geplanten Dreispur-Ausbau der Autobahn A1 zwischen Härkingen und Luterbach aufmerksam.

Fachleute stellen das Riesenprojekt zwischen Luterbach und Härkingen vor.

Das Astra, das Bundesamt für Strassen, Sektion Zofingen, ist zuständig für die Projektierung des Autobahn-Strassenabschnittes von vier auf sechs Streifen zwischen Härkingen und Luterbach. Gestern präsentierten in Oensingen Fachleute verschiedener involvierter Gremien die Medien und die Bevölkerung über das Projekt.

Dieses soll einerseits eine Engpassbeseitigung für einen der meist befahrenen Autobahnabschnitte in der Schweiz zum Ziel haben, andererseits auch die Verflüssigung des gesamten Verkehrs in der Region. Denn, so sagte Richard Kocherhans, der Filialchef des Astra in Zofingen: «Damit soll der Verkehr auf den Kantonsstrassen wieder planbar sein.»

Der ganze Projektperimeter (rot) zwischen Luterbach und Härkingen. Die 1966/67 gebaute Nationalstrasse genügt den heutigen Anforderungen nicht mehr. Umkreist sind die wichtigsten Massnahmen.  Ill: zvg

Der ganze Projektperimeter (rot) zwischen Luterbach und Härkingen. Die 1966/67 gebaute Nationalstrasse genügt den heutigen Anforderungen nicht mehr. Umkreist sind die wichtigsten Massnahmen. Ill: zvg

Mit dem Ausbau gehen verschiedene Verbesserungen einher: Die Lärmschutzverordnung des Bundes wird umgesetzt; die Wildtierkorridore werden erstellt; die Verkehrssicherheit soll erhöht werden (auf diesem Strassenabschnitt ereignen sich jährlich 200 Verkehrsunfälle mit rund 150 Verletzten); das 60- bis 70-jährige Nationalstrassennetz und dessen Signalisationen und Leiteinrichtungen werden saniert und modernisiert.

Manfred Misteli, der zuständige Projektleiter des Astra zählte auf: «Auf dem betroffenen Projektperimeter sind die Instandsetzung von 35 Kunstbauten, die Verbreiterung von 9 Objekten, der Ersatz von 14 Objekten, 6 Neubauten und der Abbruch eines Objektes geplant. Zudem werden die meisten Lärm- und Schutzwände erhöht und verbessert, sowie neue Strassenabwasseranlagen neu- und umgebaut.» Wichtige Massnahmen sind auch die Korridore für Wildtiere bei Wangen a. A. und derjenige bei Oberbuchsiten. Dazu kommt die Verbreiterung der Aarebrücke um zwei Spuren, was eine eigentlich zusätzliche neue Brücke bedeutet. Ebenfalls wird eine neue Dünnernbrücke im Gäu entstehen. Heute nicht mehr befriedigende Autobahnanschlüsse und Zubringer werden ebenfalls verändert und wo nötig verbreitert. Dies betrifft insbesondere jene von Oensingen und Egerkingen. Zudem beteiligt sich das Astra an den Kosten für die Umfahrung von Aarwangen.

Die Ein- und Ausfahrt Egerkingen wie sie heute ist und wie sie werden soll (gelb).

Die Ein- und Ausfahrt Egerkingen wie sie heute ist und wie sie werden soll (gelb).

Fruchtfolgeflächen FFF

Für den Ausbau der Strecke wird Landwirtschaftsland, Fruchtfolgefläche beansprucht, und zwar in der Grössenordnung von 102 000 Quadratmeter. Misteli erklärte, dass in Zusammenarbeit mit den Fachbehörden der Raumplanung, des Bodenschutzes und den Landwirten im Kanton Solothurn Vereinbarungen getroffen werden konnten. Da die Ersatzflächen für die Fruchtfolgeflächen, kurz FFF genannt, im Kanton Solothurn ausserhalb des Nationalstrassenperimeters liegen, wurde der Kanton Solothurn vom Bund damit beauftragt, die entsprechende Planung auszuarbeiten. Rolf Glünkin, Amt für Raumplanung Kanton Solothurn, erläuterte das dafür notwendige Vorgehen. «Die Planung sieht vor, in vier Teilgebieten in Deitingen, Flumenthal, Härkingen und Neuendorf Flächen für die FFF auszuscheiden und diese damit aufzuwerten. Für diesen Vorgang werden die Pläne zur Mitwirkung in den betroffenen Gemeinden nach Mitte August aufgelegt. Mit dem Sechsspur-Ausbau wurde auch beschlossen, einen Wildtierkorridor bei Oberbuchsiten zu realisieren. Dabei soll eine Wildtierbrücke über die A1 gebaut werden. Die nun geplante Wildführung kostet einen zweistelligen Millionenbetrag. «Damit die Wildtiere den richtigen Weg finden, werden natürliche Strukturen in Form von Hecken geschaffen, welche den Weg der Tiere leiten», erklärte Glünkin. Zudem sollen diese Niederhecken so angelegt werden, dass sie der Landwirtschaft auch als ökologische Ausgleichsflächen dienen können. Auch diese Pläne werden in einem öffentlichen Mitwirkungsverfahren aufgelegt.

Manfred Misteli, Projektleiter des Astra für den Ausbau, erklärt die Details.

Manfred Misteli, Projektleiter des Astra für den Ausbau, erklärt die Details.

Strassenbau in drei Etappen

Die gesamte Bauzeit beläuft sich auf acht Jahre, erklärten die Experten. Davon seien sechs Jahre für den eigentlichen Bau geplant, zwei Jahre dauert es noch, bis alle Installationen eingerichtet sind. Der Ausbau wird in drei Etappen gegliedert. In der ersten Phase werden die Kunst- und Neubauten verbreitert, respektive erstellt, die Entwässerungsanlagen gebaut und Lärmschutzwände und Stützkonstruktionen gebaut. Gleichzeitig werden die jeweiligen Fahrbahnen für die kommenden Bauphasen erweitert, da die Strecke während einer zweiten und dritten Phase nur noch auf einer Spur befahrbar sein wird. Das bedingt, dass dann während je eines Jahres der Verkehr auf vier verengten Fahrspuren geführt werden muss. Beim Bau wird in drei Abschnitte gegliedert: Abschnitt West 5,2 km, Abschnitt Mitte 8 km und Abschnitt Ost 7,6 km. Man rechne mit einem frühest möglichen Baubeginn im Jahr 2022, sodass der Ausbau bis 2030 beendet sein wird. Bei den Kosten wird die Zahl von 886 Mio Franken genannt. Rund 620 Mio Franken werden für die eigentliche Engpassbeseitigung eingesetzt, 266 Mio Franken für den Unterhalt.

Öffentliche Planauflage läuft

Die Pläne des vollständigen Ausführungsprojektes mit Umweltverträglichkeitsbericht und Rodungsdossier liegen ab sofort bis 7. Juni 2018 während der ordentlichen Schalteröffnungszeiten zur Einsichtnahme auf. Im Kanton Solothurn in Deitingen, Derendingen, Egerkingen, Flumenthal, Härkingen, Kestenholz, Luterbach, Neuendorf, Niederbuchsiten, Oberbuchsiten, Oensingen und beim Bau- und Justizdepartement Solothurn. Im Kanton Bern in Niederbipp, Oberbipp, Wangen a. A. und Wiedlisbach.

Alle Daten, Pläne zum Auflageverfahren sowie Berichte und Fakten unter: www.so.ch und unter www.6streifen.ch.

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