Interview

Solothurner Nationalrätin Franziska Roth hat Interesse an SP-Präsidium

Solothurns einzige Parlamentarierin in Bern: SP-Kantonalpräsidentin Franziska Roth wurde am 20. Oktober in den Nationalrat gewählt. Die Stadtsolothurnerin verdrängte SP-Mann Philipp Hadorn.

Solothurns einzige Parlamentarierin in Bern: SP-Kantonalpräsidentin Franziska Roth wurde am 20. Oktober in den Nationalrat gewählt. Die Stadtsolothurnerin verdrängte SP-Mann Philipp Hadorn.

SP-Kantonalpräsidentin Franziska Roth zur Lage der SP Schweiz und ihre Ambitionen auf das nationale Präsidium.

SP-Präsident Christian Levrat geht. War es an der Zeit?

Franziska Roth: Ich sage aus voller Überzeugung: Er hat einen guten Job gemacht. Aber 12 Jahre sind eine lange Zeit. Für ihn und die Partei ist es richtig, dass es frischen Wind gibt. Es zeugt von seiner Arbeit, dass es genug Leute gibt, die das können und wollen. Er hat dazu genügend Raum gelassen.

War der Rücktritt nach der Wahlniederlage zwingend?

Ich bin sicher, dass sein Entscheid kein Hüftschuss ist. Er hat diesen seriös geplant. Es liegt auch nicht an einem Präsident alleine, wenn man einen Niederlage einfährt.

Seit 100 Jahren lag der Wähleranteil der SP noch nie so tief. Was läuft schief?

Wir haben die richtigen Themen. Aber die Frage ist: Wie bringen wir die Themen zu den Leuten? Wir haben zu wenig Gewicht darauf gelegt, näher bei den Leuten zu sein.

Naja, in Solothurn hat die SP verloren, trotz Nähe, trotz Telefonkampagnen und Quartierbesuchen.

Wir haben «nur» 1,5 Prozent verloren. Wenn wir diese Kampagnen nicht gemacht hätten, wäre der Verlust sicher höher gewesen im Kanton. Aber, ja: Ich habe unsere Kommunikation, etwa die Plakate, nicht ganz glücklich gefunden. Wir haben zu wenig erzählt, wie wir unsere Themen umsetzen.

Es war ein Klima- und Frauenwahljahr. Beides sind Themen der SP. Sie erlitten trotzdem Verluste.

Eben: Wir haben die richtigen Themen. Wir haben uns von Anfang an fürs Frauenstimmrecht eingesetzt. Aber die Frage ist: Wie reden wir über unsere Themen? Wir müssen so kommunizieren, dass wir nicht nur die Lösungen haben, sondern auch wieder die Partei werden, von der man am Stammtisch sagt: Sie hat die Lösungen.

Wie soll dies gehen?

Wir müssen zu den Leuten und sie überzeugen. Wir kennen Leute, die täglich «krüppeln» und trotzdem nicht genug verdienen. Wir kennen Frauen, die nicht gleich viel verdienen. Wir kennen 50-Jährige, die keine Arbeit mehr finden. Zu allen diesen Problemen haben wir Lösungen parat. Diese müssen wir zu den Leuten bringen. Wir müssen zeigen, dass wir mit unseren Vorschlägen im Parlament nicht durchkommen, weil andere Parteien nicht die Menschen, sondern das Geld ins Zentrum stellen und so unsere Lösungen kaputt machen.

Das klingt nach dem Einsatz für die Kleinen. Ist die SP nicht zu sehr zur Mittelstandspartei gut verdienender Akademiker geworden?

Wir kämpfen klar auch für den Mittelstand. Denn dieser ist heute bedroht. Die Schere zwischen arm und reich geht nach wie vor auf. Für viele ist das Umverteilen ein Schimpfwort. Für uns bedeutet es, Solidarität und Gerechtigkeit herzustellen. Der Mittelstand soll nicht bluten.

Braucht es nun eine Frau an der Spitze der SP Schweiz?

Ganz klar: Ja. Aber auch ein Co-Präsidium ist für mich vorstellbar. Es braucht Leute, die gerne debattieren, die gerne zuhören und gerne reden.

Das tönt nun sehr nach Franziska Roth.

Ich bin bereit, Verantwortung zu übernehmen. Ich mache mir Gedanken über das Amt, führe Gespräche und kläre ab, was es bedeuten würde, ein solches Amt zu übernehmen.

Sie beginnen aber erst als Nationalrätin in Bern. Käme ein solches Amt nicht sehr früh?

Es gibt immer Pros und Contras. Ich kann mich recht schnell in etwas hineinarbeiten. Das ist eine Frage des Engagements. Ich habe Führungserfahrung in einem Kanton mit sehr unterschiedlichen Regionen.

Sie sind aber pointiert links. Ist dies für die SP nun die richtige Ausgangslage?

Es spielt keine Rolle, ob ein Präsident am rechten oder linken Flügel der SP angesiedelt ist. Man muss in diesem Amt beide Flügel zu Wort kommen lassen, das Gesagte sortieren und mögliche Lösungen finden. Es geht darum, lustvoll miteinander zu debattieren. Wir Genossinnen und Genossen dürfen interne Kontroversen nicht scheuen und müssen Unstimmigkeiten aushalten können, bis ein gemeinsamer Weg gefunden ist. In der Solothurner Kantonalpartei war es mir immer ein grosses Anliegen, zu diskutieren. Ich fand es auch falsch, dass man im Vorfeld der Wahlen nicht über die EU-Frage diskutiert hat. Wir hätten mit den Leuten über das Rahmenabkommen reden müssen. Denn für viele hängt der Job von einer Lösung in dieser Frage ab.

Haben Sie Gespräche geführt, etwa für eine Doppelspitze?

Soweit bin ich noch nicht. Aber ich habe Telefone gehabt.

Sie führen die Solothurner SP seit 2012. Wie geht es da weiter?

Personalpolitik ist unser Dauergeschäft. Jetzt geht es darum, die Kantons- und Regierungsratswahlen vorzubereiten. Wir diskutieren derzeit offen und intensiv: Welches Szenario ist für die Partei am besten? Die Diskussion ist noch nicht abgeschlossen.

Wie bereiten Sie sich auf das Nationalratsamt vor?

Ich bin neu und muss mich einarbeiten. Ich lese gerade viele Dossiers. Ich habe zwei persönliche Mitarbeiterinnen, die mich unterstützten. In der Schule organisiere ich Stellvertretungen, bevor ich im Sommer dann das Pensum auf 20 bis 25 Prozent reduzieren kann.

Sie haben angekündigt, mit dem Rennvelo nach Bern zu fahren. Ist Ihnen dies ernst?

Ja. Zwar nicht jedes Mal, aber Regen allein hält mich nicht ab. Von März bis Oktober bin ich bisher auch bei jedem Wetter mit dem Velo zur Arbeit ins Thal gefahren. Das sind 60 Kilometer pro Tag. Ich muss nur noch schauen, wo es in Bern eine Dusche hat. (lacht)

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