Storyparade 2017
Solothurnerin bei «The Voice» im November: «In meinem Leben dreht sich fast alles um Musik»

Wir haben für jeden Monat eine regionale Geschichte rausgepickt, welche unsere Leserinnen und Leser 2017 besonders interessiert hat. Darunter sind politische Aufreger, Geschichten von aussergewöhnlichen Menschen, aber auch Skurriles. Im November: Die 28-jährige Petra Wydler aus Zuchwil bei «The Voice of Germany».

Lea Durrer
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Petra Wydler in ihrem Zuhause. Dort läuft meistens Musik.

Petra Wydler in ihrem Zuhause. Dort läuft meistens Musik.

Foto: Hanspeter Bärtschi / Montage: Elia Diehl

Petra Wydler liebt Schuhe. Sie nannte einmal 120 Paar ihr Eigen. Nun hat sie ausgemistet. «60 Paar Schuhe habe ich jetzt noch – alles von Flip Flops, Turnschuhen, Stilettos über Wanderschuhe und Gummistiefel», erzählt sie mit Blick auf ihr riesiges Schuhregal.

Zu sehen sind auffallend viele High Heels. Die zieht sie an für ein schickes Abendessen oder eine Partynacht. Am meisten aber kommen ihre farbigen Treter bei ihren Auftritten als Sängerin zum Einsatz.

Die Leidenschaft

Auf der Bühne der Castingshow «The Voice of Germany», auf der sie am Donnerstag im Fernsehen zu sehen sein wird, trägt sie ein pinkes Paar. Fürs Singen schlägt ihr Herz noch mehr als für Schuhe. Musik nimmt einen grossen Teil im Leben der ausgebildeten Musiklehrerin ein, die in Gerlafingen und Balsthal fast 600 Sek-1-Schüler unterrichtet. «Abgesehen von meiner Familie, meinen Kollegen und meinem Freund dreht sich in meinem Leben alles um Musik.»

Petra Wydler neben ihrem Schuhschrank Petra Wydler aus Zuchwil nimmt an den Blind Auditions von The Voice of Germany mit

Petra Wydler neben ihrem Schuhschrank Petra Wydler aus Zuchwil nimmt an den Blind Auditions von The Voice of Germany mit

Hanspeter Bärtschi

Wenn Petra Wydler zuhause in ihrer Dreieinhalb-Zimmer-Wohnung in Zuchwil ist, läuft immer Musik. Abends probt sie mit einer ihrer Bands oder hat Auftritte. «Nicht für zwei Millionen Franken würde ich mit der Musik aufhören», sagt sie. «Dann hätte ich ein grosses Identitätsproblem.»

Die Teilnahme

Sechs Staffeln lang hat die 28-Jährige – mehr oder minder aktiv – mitverfolgt, wenn Sänger aus Deutschland und auch anderen Ländern auf die Bühne von «The Voice of Germany» traten und versuchten, alleine mit ihrer Stimme zumindest einen der Coaches zu überzeugen.

Das Konzept von «The Voice of Germany»

Dieses Jahr läuft die 7. Staffel der Show im deutschen Privatfernsehen. Die Kandidaten, die die ersten Castingrunden überstehen, dürfen bei den Blind Auditions antreten. 160 Sängerinnen und Sänger wurden dieses Jahr eingeladen, ihre Stimme den Coaches zu präsentieren. Diese können die Sänger zunächst nicht sehen. Mittels Buzzer stimmen sie für die einzelnen Kandidaten. Danach dreht sich der Stuhl um und der oder die Singende ist in ihrem Blickfeld. Drehen sich mehrere Jurymitglieder um, kann der Sänger seinen Coach für die nächsten Runden wählen.

Mit 16 Kandidaten pro Team wird eine Woche geprobt. In der nächsten Runde, den Battles, müssen die Sänger im Duett gegen jemanden aus dem eigenen Team antreten. Der eigene Coach entscheidet, wer weiterkommt.

48 Kandidaten verbleiben in der Show. Sie müssen sich nun in den Sing-offs beweisen. Wer diese Phase schafft, kommt in die Live-Shows. (ldu)

Ihre Schüler und Kollegen hätten sie gefragt, weshalb sie nicht auch mitmache. «Irgendeinmal habe ich dann gedacht: Ja wieso eigentlich nicht!» Sie hat sich fürs Casting angemeldet, ohne etwas über die Teilnahme zu verraten. Falls sie es nicht in die Show schaffen sollte, würde es auf diese Weise auch niemand erfahren.

Im März fand das erste Casting vor den Vocalcoaches statt. Danach musste Petra Wydler noch einige Runden überstehen, bis sie zu den Blind Auditions antreten durfte. «Für mich als Lehrerin war es mühsam zu all den Casting-Runden zu fliegen, weil ich immer unbezahlten Urlaub nehmen musste», erzählt sie. So verpasste sie leider auch genau den letzten Schultag vor den Sommerferien – und sie konnte ihren Schülern nicht sagen, wieso sie beim Schulschluss fehlte. Jetzt kommt endlich der Moment des Erklärens: «Wenn sie mich in ‹The Voice› sehen, wissen sie Bescheid.»

Der Auftritt

Wenn sie an den Moment auf der grossen Bühne denkt, kommt der talentierten Sängerin als erstes das Wort «fürchterlich» über die Lippen. «Es ist absolut still, wenn man auf die Bühne kommt, denn das Publikum ist angewiesen, nicht zu klatschen. Man sieht die 600 Leute im Publikum und die Stühle der Jury. Fünf bis sechs Sekunden steht man da, bis die Band zu spielen beginnt. Das ist echt schlimm. Mir gingen tausend Sachen durch den Kopf.» Es sei ja schön auf der Bühne zu stehen, erklärt sich Wydler, in diesem Moment sei es aber echt anstrengend gewesen. «Ohne Unterstützung des Publikums ist es für uns Musiker eher ungewöhnlich aufzutreten. Die Leute warten darauf, was derjenige auf der Bühne abliefert.»

Die Zuchwilerin hat ihre Augen lange geschlossen gehalten, um nicht zu sehen, falls sich jemand der Coaches – Samu Haber, Yvonne Catterfeld, Mark Forster sowie Michi Beck und Smudo – umdreht. Das Gefühl sagte ihr, dass der Song beim Publikum gut ankam. «So nach 30 Sekunden konnte ich langsam durchatmen, die Augen öffnen und es geniessen.»

Der Song

Das mit der Songauswahl ist so eine Sache. Alle Lieder, die in den letzten drei Jahren in der Sendung gesungen wurden, sind für die Teilnehmer der 7.Staffel nämlich tabu. Damit es keine doppelten Songs gibt, erhalten die Teilnehmer zuerst eine Liste mit 150 Titeln, woraus sie 15 auswählen dürfen. Davon wählt das Team wiederum drei, die in der Runde vor den Blind Auditions gesungen werden. Die erfolgreichen Sänger dürfen dann ihren Favoriten nennen. Ob sie ihn allerdings singen dürfen, ist unklar.

Petra hatte riesiges Glück: Sie wünschte mit «The Story» von Brandi Carlile einen ihrer Lieblingssongs. Und durfte ihn singen. Den Song handelt von Geschichten, die nichts bedeuten, wenn man sie niemandem erzählen kann. Als die Blind Auditions Ende Juli aufgezeichnet wurden, ist Petras Freund gerade nach Amerika ausgewandert. Deshalb hatte das Lied für sie eine besondere emotionale Bedeutung.

Dass sich der Song aufbaut – er startet mit ruhigen Gitarrenklängen in die erste Strophe und legt auf den Refrain gehörig zu – nennt sie einen grossen Vorteil für die Blind Auditions. Noch heute kommt Petra ins Schwärmen, wenn sie von der Showband spricht. «Plötzlich bläst dich diese tolle Band einfach weg. Das war wahnsinnig cool.»

Ihren Auftritt am Fernsehen wird sie gar nicht mitverfolgen können. Petra gibt ein Konzert mit ihrer Band «Capital-S». «Da werden wir die Show wohl auf dem Handy mitverfolgen, wenn wir Zeit haben.» Mit der Familie ist aber schon abgemacht, später gemeinsam zu schauen. Ob Petra Wydler überzeugt, darf an dieser Stelle nicht verraten werden.

«The Voice of Germany» mit Petra Wydler, Donnerstag 16.November 2017 auf ProSieben.

Stationen im musikalischen Leben von Petra Wydler Mit ihrem Vater Bobby Wydler trat Petra schon früh auf die Bühne.
12 Bilder
Petra Wydler machte bei Musicstar mit
Die erste Band von Petra Wydler waren «The Ladybirds» Entstanden ist die Jazz-Kombo während einer Spezialwoche an der Kantonsschule.
In der Formation gab es eingie Wechsel, doch bis heute treten die «Ladybirds» auf
Petra Wydler mit den «Ladybirds» am Neujahrskonzert 2012 im Solothurner Konzertsaal
Die Band Capital-S mit Petra Wydler als Frontsängerin spielt vor allem Funk und Soul. Hier ein Bild aus dem Jahr 2009.
Capital-S bei einem Auftritt 2015 am Jubiläumsanlass im Estri.ch
Petra Wydler war 2008 auch Teil der Solothurner Mundart-Band Gägestrom
Petra Wydler in der Band The Little Big Easy, welche sich im Herbst 2017 aufgelöst hat.
Daneben nimmt Petra Wydler verschiedene Engagements entgegen. HIer singt sie mit der Concertband Langendorf.
Petra Wydler zusammen mit der Concert Band Langendorf an der Kulturnacht Solothurn 2015...
... oder mit der Musikgesellschaft Harmonie Biberist.

Stationen im musikalischen Leben von Petra Wydler Mit ihrem Vater Bobby Wydler trat Petra schon früh auf die Bühne.

Andrea Hunziker