Solothurner Filmtage
Wie wird «Prix du Public» vergeben und warum ein neuer Preis? Das sagt die Direktorin zu den Auszeichnungen

Ungewöhnliche 56. Solothurner Filmtage stehen kurz bevor. Direktorin Anita Hugi beantwortet Fragen zu verschiedenen Preisen, welche am Online-Filmfestival verliehen werden.

Fränzi Zwahlen-Saner
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Bei den 55.Solothurner Filmtagen durfte Anita Hugi noch direkt vor Publikum sprechen.

Bei den 55.Solothurner Filmtagen durfte Anita Hugi noch direkt vor Publikum sprechen.

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Anita Hugi, wie wird der «Prix de Public» gewählt?

Anita Hugi: Personen, die sich einen oder mehrere Filme des Wettbewerbs «Prix du Public» angeschaut haben, können online über die spezifische Abstimmungsseite für den jeweiligen Film abstimmen. Zugang zu dieser Plattform erhält aber nur, wer den Film online zur Ansicht gemietet hat.

Wer sitzt in der Jury des «Prix de Soleure»?

Der «Prix de Soleure» 2021 wird von der bekannten Theaterdirektorin Anne Bisang («Théâtre populaire romand») aus La-Chaux-de-Fonds, dem oscar-nominierten Regisseur Markus Imhoof («More than Honey», «Das Boot ist voll») und der Berner Schriftstellerin Meral Kureyshi («Fünf Jahreszeiten») verliehen. Markus Imhoof wird übrigens im Rahmen der diesjährigen «Nacht der Nominationen» für den Schweizer Filmpreis den Ehrenpreis des Schweizer Films 2020 entgegennehmen können. Die Pandemie hatte das bisher verunmöglicht. Die Jury sieht sich die zwölf nominierten Filme zu Hause an und wird sich während des Festivals täglich zu einer bestimmten Uhrzeit zum Austausch treffen. Letzten Donnerstag fand live via Zoom die Begrüssung und Information zur Durchführung für die Jurys statt - es war trotz allem ein toller Moment! Die Preisverleihung gestalten wir als festlichen Halb-Live-Event - einerseits live, andererseits mit Grussworten per Videoaufnahme. So wird Stadtpräsident Kurt Fluri ein Grusswort per Filmaufnahme machen. Das Publikum kann live auf unserer Website dabei sein. Ausnahmsweise vergeben wir unsere Preise schon am vorletzten Festivaltag, damit wir alle prämierten Filme am Mittwoch, 27. Januar online nochmals ganztags zeigen können.

Es gibt noch einen weiteren, neuen Preis: «Opera Prima» warum?

Der Schweizer Film hat einen besonders starken filmischen Nachwuchs - das war mir letztes Jahr noch einmal so richtig bewusst geworden. Diesen zu stärken und besonders sichtbar zu machen ist unser Wunsch. Obwohl sich gerade bei einem Langfilm-Debüt viele wichtige Weichen stellen, gab es bis anhin in der Schweiz keinen Preis für lange Schweizer Erstlingswerke. Die Solothurner Filmtage verpflichten sich seit ihrer Gründung dem «jungen Schweizer Film» und dem Austausch zwischen den Generationen. Mit einem Preis für erste Langfilme aus dem Bereich Spiel-, Dokumentar- oder Animationsfilm engagieren wir uns für den jungen Schweizer Film von heute und morgen, stellen vielversprechende Nachwuchsregisseure und - regisseurinnen ins nationale Schaufenster und bieten ihnen ein Sprungbrett für die Zukunft. Wir haben dazu übrigens eine Foto-Arbeit von unserem diesjährigen Gastfotografen Thomas Krempke. Er hat die jungen Filmregisseure in den letzten Wochen besucht. Seine Foto-Serie «Neue Gesichter des Schweizer Films» publizieren wir aktuell auf unserer Website.

Wie hoch ist dieser Preis dotiert und woher stammt das Preisgeld?

Die Kulturfonds der SUISSIMAGE und SSA stiften ein Preisgeld von 20'000 Franken. Wir freuen uns sehr, dass wir für die Jury prägende Persönlichkeiten gewinnen konnten. Die junge Regisseurin Anja Kofmel - mit «Chris the Swiss» fünffache Gewinnerin des Schweizer Filmpreises, Paolo Moretti, der Leiter der renommierten Quinzaine des Réalisateurs in Cannes und Direktor Cinémas du Grütli in Genf und der französische Filmverleiher Patrick Sibourd vergeben der ersten Preis «Opera Prima». Die Trophäe wird aktuell vom Solothurner Künstler Felix Flury gestaltet.

Es gibt ja ein relativ dichtes Rahmenprogramm mit Gesprächen usw. Welche Gedanken/Anliegen stehen dahinter?

Ein Festival ist mehr als eine Filmplattform. Und die Solothurner Filmtage sind mehr als ein Abspielort für Filme: sie sind der zentrale Begegnungsort zum Schweizer Film. Für das Publikum und die Filmschaffenden. Sie alle haben sich schon sehr lange nicht mehr gesehen und das Kino als Ort fehlt uns sehr. Den Filmschaffenden fehlt der Austausch mit dem Publikum, wie sie uns mitteilten. Deshalb haben wir das Unmögliche möglich gemacht und ein Online-Festival konzipiert und organisiert, dass die Begegnung trotz allem ermöglicht - wenn auch digital.

Wir werden für jeden Film ein Rendez-vous schaffen mit der Art der Programmierung - dass jeden Tag 15 - 20 Filme starten - und den Filmgesprächen am Folgetag des Filmstarts. Die Filmgespräche moderieren wir live in zwei Kinos in Solothurn. Damit wollen wir bildlich und «by doing» auch daran erinnern, wo wir jetzt eigentlich alle versammelt sein möchten und wo Film am besten stattfindet: im Kinosaal, als gemeinsames Filmerlebnis, in Solothurn. Film ist grösser als jeder Computerbildschirm. Aber ersatzweise können wir uns damit zufrieden geben... und vielleicht ein neues Publikum, das die Erfahrung im Kino und am Festival noch nicht kennt, auf das Besondere eines Filmfestivals hinweisen... Wir haben schon junge Leute in den Social Media, die das erste Mal von den Filmtagen gehört haben und sich informieren. Das ist toll!

Dieses Jahr ist es also pandemie-bedingt auch geographisch eine erweiterte Erfahrung: anstatt im Kinosaal ist das Publikum nun quer durch die Schweiz vor dem Film versammelt. Das Publikum ist nun in Chiasso und Basel, in Solothurn und Genf im virtuellen Kinosaal, den wir wegen der Pandemie aufbauen mussten. Und am Folgetag können unsere Online-Festivalbesucher dann dem Live-Filmgespräch folgen - und auch selber Fragen stellen. Sehr zentral war für mich, dass wir keine «Filmabspielplattform» bieten, sondern eine Film- und Festivalerfahrung, soweit dies die Online-Situation erlaubt.